Test 2016: Variopaddel

05.05.2017 Stephan Gölnitz - Das ideale Paddel ist wie eine Schwinge an deinem Arm. Federleicht und flink, kraftvoll und kraftsparend zugleich. In der Klasse von 119 bis 225 Euro findest du für jeden Zweck ein perfekt geeignetes Paddel. Allerdings mit großen Unterschieden bei Gewicht, Materialien und Verarbeitung.

© Stephan Gölnitz
Auf gemächlicher Tour sammeln unsere Tester mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen erste Erfahrungen mit den Paddeln.
Auf gemächlicher Tour sammeln unsere Tester mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen erste Erfahrungen mit den Paddeln.

Wenn man nur einmal in der Sportlaufbahn 100 Euro zusätzlich für Materialtuning ausgeben dürfte, sollte man das vermutlich in SUP-Paddel stecken. Dort ist das Geld besser investiert als in Telekom-Aktien oder in Riesterfonds und seriöser angelegt als in Panama. Etwa hundert Euro mehr kostet ein gutes Mittelklassepaddel, so wie in dieser Gruppe getestet, als die ganz günstigen Alu-Modelle. Beim Boardkauf sind selbst ein paar hundert Euro Aufpreis – bei einem Touring-Hardboard beispielsweise – auf dem Wasser oft kaum spürbar. Bei einem Paddel spürst du den Unterschied dagegen bei jedem Schlag. Und selbst während einer gemütlichen Feierabendrunde kommst du locker auf zwei- bis dreitausend Paddelschläge. Mal 400 Gramm Mehrgewicht des Billigpaddels – das wird eine einfache Rechnung, wieviele Kilos oder sogar Tonnen da am Ende zusätzlich gewuchtet wurden. Und das Gute dabei: Nur auf dem Wasser wird ein Paddel selbst nach vielen Jahren nicht kaputt- gehen, die Investition zahlt sich wirklich langfristig aus. Die meisten Paddel werden daher auch in der Preisklasse zwischen 150 und 200 Euro gekauft, nach diesem Aspekt haben wir diese Testgruppe ausgewählt.

Dennoch ist die Gruppe alles andere als homogen. Von sehr robust wirkenden, etwas schwereren Paddeln für den harten Einsatz im Fluss, im Verleih oder in der Großfamilie bis zu federleicht wirkenden Paddeln mit nennenswertem Carbonanteil ist für jeden Zweck, Geschmack und Einsatzbereich das passende Paddel dabei.

Neben einem möglichst geringen Gewicht – das keinerlei Nachteile hat – ist der zweite Check für viele gleich die Frage nach der Steifigkeit. Für gemächliche Touren spielt die Steifigkeit dabei weniger eine Rolle, doch vor allem, wenn bei jedem Schlag wirklich ordentlich gezogen wird, dann lohnt sich ein Blick auf die Mess- und Testergebnisse. So wirken die weichsten Paddel in dieser Gruppe wirklich recht elastisch. Die steifsten Mittelklasse-Paddel liegen dagegen schon annähernd in einer Liga wie richtige Racepaddel, wenn auch das ebenfalls getestete SupR Ergologic Race (Seite 96) nochmals 50 Prozent steifer ist als der härteste Prügel in dieser Testgruppe.

© Stephan Gölnitz
Die Paddel-Tester im Einsatz
Die Paddel-Tester im Einsatz

Leicht + steif + billig = Gibt’s nicht!  Je schneller und sportlicher man paddelt, je höher die Paddelfrequenz ausfällt, umso wichtiger wird das Gewicht, vor allem das empfundene "swing weight". Wie ein Pendel schwingt das Paddel nach jedem Zug wieder vor, ein leichtes Paddel wie das Fanatic Carbon 35 lässt sich mit höherer Frequenz fahren als das sehr solide in der Hand liegende Bic-Paddel. Selbst Gewichtsunterschiede von 150 Gramm sind auf dem Wasser bereits eindeutig spürbar. Ein günstiges Paddel aus Glasfaser statt aus Carbon lässt sich nur dickwandig – und damit steif, aber schwerer, oder dünnwandig – und damit leicht, aber auch softer, herstellen. Das günstige Fanatic-Paddel wird so recht steif, drückt aber auch auf die Waage, das NoveNove Glass wiegt wenig, flext aber auch spürbar.

Für den Test waren Paddel in mittlerer Blattgröße angefordert, was nach dem subjektiven Eindruck auch überwiegend passte. Leider geben die Hersteller die Blattgröße ganz unterschiedlich wahlweise in Square Inch (in2) oder in Quadratzentimeter (cm2) und schlimmstenfalls nur die Blattbreite in Inch an. Square Inch und Quadratzentimeter lassen sich dabei noch umrechnen (100 in2 entspricht 645 cm2; Umrechnungsfaktor 6,45). Die Blattbreite sagt dagegen wenig aus: Je nach Fom und Länge können gleichbreite Paddel ganz unterschiedlich groß ausfallen. Der Test legt daher auch einen Schwerpunkt auf das subjektive "Druckgefühl" der Paddel im Wasser, das am Ende auch wichtiger erscheint als die tatsächliche Größe auf dem Papier. Die hier vorgestellten Paddel stellen größenmäßig nahezu alle ein gesundes Mittelmaß, mit dem jeder klarkommt. Lediglich das Bic-Paddel, das Fanatic Carbon 35 und das Starboard Bolt M wirken eine Nuance kleiner.

© Stephan Gölnitz
Keine Frage, der Typ ist fit. Aber ein richtig steifes Racepaddel ließe sich nie so durchbiegen. Viel  Flex kann aber auch Komfort bedeuten.
Keine Frage, der Typ ist fit. Aber ein richtig steifes Racepaddel ließe sich nie so durchbiegen. Viel  Flex kann aber auch Komfort bedeuten.

An die Paddellänge kann man sich bei den hier vorgestellten Variopaddeln glücklicherweise langsam herantasten. Als Faustformel gilt, dass bei vorne voll eingetauchtem Paddelblatt Schulter, Ellenbogen und Hand etwa auf einer Höhe liegen sollten. Je nach Haltung (gebückt/gestreckt) und Boarddicke wird das Paddel dafür zwischen zehn und 20 Zentimeter über Körpergröße eingestellt.

Folgende kleine Vorauswahl könnte bei der Suche nach dem persönlich ideal geeigneten Paddel helfen. Typ 1: Sportlicher Fahrer, der ein leichtes, eher steifes Paddel sucht. Da dürften das Croslake, zweimal Starboard und auch das Naish-Paddel ganz oben auf der Wunschliste stehen. "Das Croslake und das Starboard sind so, als wenn man nichts in der Hand hätte", lobte Tester Julian begeistert. Knapp dahinter liegen dann schon das Fanatic-Paddel, das Vandal, das Sup-Monsters und NoveNove Bamboo. Wenn man den stärkeren Flex akzeptiert, lässt sich sogar das NoveNove Basic Glass gut in sehr sportlicher Gangart bewegen. Vom Gewichtsfeeling liegt das Croslake allein ganz vorne, die Starboards knapp dahinter, diese punkten zusätzlich mit gutem Verschlusssystem und robustem Material. Typ 2: Steif und robust soll es sein? Das verbinden JP-Australia, Mistral und Siren sehr gelungen in ihren Paddelkonstruktionen. Diese Paddel zählen nicht zu den leichtesten, wirken aber gut ausbalanciert und ordentlich biegesteif. Die Paddelblätter sind aus unverwüstlichem Polypropylen-Kunststoff (Sigma, Mistral) oder aus ebenfalls recht unempfindlichen GFK (JP-Australia). Mit Ausnahme von Vandal und NoveNove sind alle Paddel rund um die Blattspitze mit einem integrierten Kantenschutz gegen leichte Beschädigungen geschützt. Als maximal "unkaputtbar" gehen dann noch das Bic-Paddel und das Fanatic Carbon 25 durch, welche wegen des höheren Gewichts eher für ruhigere Touren zu empfehlen sind – oder gleich richtig für den River-Einsatz.

© Stephan Gölnitz
Testlabor: Eigentlich spürt man schon beim Paddeln alles, was man wissen muss. Getreu dem Motto "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" haben wir aber unsere Eindrücke nochmals im Labor unter konstanten Messbedingungen gecheckt und bei allen Paddeln die Durchbiegung gemessen. Bei 20 Kilo Last lag die Durchbiegung zwischen 2,0 (extremes Racepaddel) und 6,2 Zentimetern.
Testlabor: Eigentlich spürt man schon beim Paddeln alles, was man wissen muss. Getreu dem Motto "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" haben wir aber unsere Eindrücke nochmals im Labor unter konstanten Messbedingungen gecheckt und bei allen Paddeln die Durchbiegung gemessen. Bei 20 Kilo Last lag die Durchbiegung zwischen 2,0 (extremes Racepaddel) und 6,2 Zentimetern.

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