Inselhüpfen mit Hindernissen Inselhüpfen mit Hindernissen Inselhüpfen mit Hindernissen

Inselhüpfen mit Hindernissen

  • Stephan Gölnitz
 • Publiziert vor 2 Jahren

Andreas Prielmaier und Dimitri Lehner paddelten von Piombino in Italien nach Elba, dann weiter nach Korsika. Nicht ohne Besuche der französischen Küstenwache.

Dimitri Lehner Dimitri Lehner, Chefredakteur des "Freeride" Magazin

SUP: Wie kommt man auf die Idee von Elba nach Korsika zu paddeln — das sind 50 Kilometer übers offene Meer?

Weil wir dem Alltag entfliehen wollten, uns lebendig fühlen und etwas wagen. Die Idee stammt von meinem Kumpel Andi Prielmaier. Ich hätte auch nix dagegen gehabt, „nur“ um Elba zu paddeln, die Küste zu entdecken, am Strand zu schlafen und Cappuccinos zu schlürfen — das wäre für mich Alltagsflucht genug gewesen.

Worin lag die Herausforderung?

Darin, die richtigen Wetterbedingungen abzupassen. Die See muss ruhig sein, der Wind schwach. Deswegen informierten wir uns genau und starteten erst dann. Natürlich muss man sich darauf einstellen, lange zu paddeln. Das ist nix für jedermann.

Warum?

Weil das schon eine recht lange Strecke ist. Aus der reinen Luftlinie wird meist mehr. In unserem Fall knappe 60 Kilometer. Das bedeutet viel Paddeln mit einem gewissen Restrisiko. Doch das macht die Sache spannend. Es tut gut, seinen eigenen Fähigkeiten zu vertrauen, die Komfortzone zu verlassen und zu machen, statt nur darüber zu labern.

Wie hoch war das Restrisiko?

Sehr gering. Wir waren gut ausgerüstet: genug Wasser, Sonnenschutz, Ersatzpaddel, GPS, Signalraketen (Nico-Signal), ja sogar Neoprenanzüge, Notpeilsender, Taucherbrille und Flossen, um im Extremfall zu schwimmen.

Zu schwimmen?

Wir benutzten aufblasbare Starboard Touringboards. Sie besitzen zwar eine zweite Sicherheits-Luftkammer, doch besser „safe than sorry“. Aber ich gebe zu: Da hätte schon ein weißer Hai in beide Boards beißen müssen.

Wie lange habt ihr gebraucht?

Zwölf Stunden. Die Boards waren beladen, so paddelten wir mit zirka sechs Stundenkilometern. Jede Stunde machten wir 15 Minuten Pause, tranken, aßen Nüsse und Früchte, badeten. Wir wollten das Crossing schließlich genießen. Dicht vorm Ziel hielt uns die französische Coastguard eine Stunde fest.

Warum das?

Paddelt man von Elba nach Korsika, quert man unweigerlich eine Seefahrtsstraße. Hier sind oft Fähren und Containerschiffe unterwegs. Mit SUPs oder Seekajaks ist das verboten — damit muss man angeblich in der Drei-Meilen-Zone bleiben. Wir wussten das nicht und wunderten uns schon, als uns ein Aufklärungsflugzeug mehrere Male tief überflog. Später kam ein Motorboot mit zwei Beamten. Sie nahmen unsere Personalien auf. Zwar durften wir weiter paddeln, doch nur, weil wir die vorgeschriebene Sicherheitsausrüstung dabei hatten. Ob es jetzt tatsächlich zu einer Anzeige kommt, konnten uns die Beamten nicht sagen, denn so was hatte anscheinend noch niemand gemacht.

Dann seid ihr die Ersten?

Mit dem SUP vermutlich schon. Oder diejenigen haben sich nicht erwischen lassen.


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