Exploring Koh Phangan – auf Expedition mit einem 8´5er Wave SUP

17.03.2014 Stecher, Mario - Wo andere aus Langeweile einfach noch drei Drinks mehr nehmen, umpaddelt er spontan in gut 9 Stunden eine Insel im Golf von Thailand. Kein geeignetes Board, kein Begleitboot, keinen Plan? Für einen Mario Stecher kein Problem! Los geht's! Das Bier kann warten...Abenteuer und coole Bilder sind garantiert!

© Mario Stecher

Koh Phangan, die zweitgrößte Insel des Samui-Archipels in Thailand, ist hauptsächlich bekannt für seine Full Moon Partys in Hat Rin bei welcher sich junge Reisende und DJs aus aller Welt zum exzessiven Feiern treffen.
So touristisch diese Insel daher anmutet ist sie jedoch keineswegs.

© Mario Stecher

Das Landesinnere ist großteils gebirgig, unwegsam und von Urwald bedeckt. Die Strände im Norden, Süden und Osten sind weitgehend unerschlossen und bestechen mit Ihrer ruhigen und beschaulichen Atmosphäre.

© Mario Stecher

Für uns Grund genug dieser ursprünglichen Insel im Zuge eines Asien Urlaubes einen Aufenthalt von 9 Tagen zu widmen.Unseren hölzernen Bungalow bezogen wir bei einer Einheimischen Namens "Nok" in Ihrer Pension "Booms Cafe". Sie spricht fließend deutsch und entpuppte sich als liebenswerte Camp Leiterin, speziell in der Küche.
Wie es der Zufall wollte, lernte ich vor Ort Ausnahmesportler Richard Gallon (mehrfacher Europa- und Weltmeister im Paragliding) kennen. Mit dem Kitesurfen hatten wir dann sofort ein gemeinsames Thema gefunden.
Da ich wegen einer schweren Verletzung nicht mehr Kiten darf, betrachtete ich Richards Kiteausflüge zur benachbarten Insel Ko Samui und zurück mit gemischten Gefühlen.

© Mario Stecher

"Alles andere als perfekt!"

So kam es, dass ich mir allmählich Gedanken machte, eventuell die Strecke Koh Phangan - Ko Samui zu paddeln. Dies war mir allerdings zu unsicher, da ich die Wetterverhältnisse und Wetterumschwünge hierzulande zu wenig kannte, so verwarf ich diesen Gedanken zügig und kam auf die Idee, die Insel selbst zu umrunden.

© Mario Stecher

Mein Equipment war jedoch alles andere als perfekt!
Ein SUP Rental gab es nicht und das Board welches ich bei mir hatte war ein Wave SUP; ein Slingshot Space Pickle 8´5 ohne Gepäcknetz.
Ich fuhr daher mit dem Roller zum nächsten Beach Shop, kaufte mir ein 5 Liter Drybag, eine Touri-Karte von Kho Phangan, Müsliriegel (oder besser gesagt das, was annähernd danach aussah),  jede Menge getrockneten Fisch, Wasser und ein paar hochdosierte Energiedrinks.
Den Drybag tapte ich mir mit Gewebeband auf die Nose meines Wave-SUP und fertig war das Expeditionsbrett für die anstehende Inselumrundung.
Am kommenden Tag klingelte der Wecker noch in der Dunkelheit, um viertel vor sechs. Ich stand auf, packte meine Sachen, bestückte mein SUP und schlenderte die drei Meter vom Holzhaus zum Strand.

Nachdem Michaela, meine Freundin, noch ein paar Bilder vom Beginn meiner Tour gemacht hat, paddelte ich in der aufgehenden Sonne Richtung Osten nach Haad Rin. Ich bin begeistert vom subtropischen Klima und der ruhigen See früh morgens.

© Mario Stecher
Mario Stecher
Mario Stecher

Als ich jedoch um die Huk von Had Rin gekommen war, erwartet mich unruhiges, aufgewühltes Kabbelwasser welches mich fast mehrfach in Folge zum Kentern brachte.
Einige Male stürzte ich und fiel fluchend auf mein SUP.
Mir war klar, dass die dünn besiedelte Ostseite mit Ihrer Steilküste eine ordentliche Kabbelsee produzieren könnte aber ich hatte sie mir nicht so schlimm vorgestellt.
Das lag aber höchstwahrscheinlich daran, dass mein 8´5 er Wave SUP alles andere als Hochsee geeignet war. Ich bereute es daher nicht, dass ich sicherheitshalber mein ResTube Safety Kit dabei hatte.

Nach einiger Zeit fand ich meinen Rhythmus und arrangierte mich so gut es ging mit der reflektierenden Welle von beiden Seiten.
Als die Temperatur immer mehr anstieg, schwitzte ich bereits wie verrückt unter der sengenden Sonne – in Kombination mit der ungewohnten Luftfeuchtigkeit.
Ich begann mir meine Wasservorräte einzuteilen, indem ich nur alle halbe Stunde zwei kräftige Schlucke zur mir nahm. Denn an der Ostküste gibt es laut meiner Touri Karte bis zur nordöstlich gelegenen Bucht Thong Nai Pan keinerlei Möglichkeit, sich mit Getränken zu versorgen.

So paddelte ich hochkonzentriert und motorisch bis zur ersten kleinen Insel Koh Kong Thansadet, welche ich auf der Innenseite nach Koh Phangan gerichtet passierte um die ruhige See auf der Leeseite  der Insel nutzen zu können.

© Mario Stecher

"Was zum Teufel ist das?" denke ich mir als sich immer wieder ein großer dunkler Schatten vor meinem SUP abzeichnete und sofort wieder verschwand.
Waren das die ersten Anzeichen von einem Sonnenstich?
Spielte mir die Optik mittlerweile schon Streiche?
Das erste Mal wuchs die Angst in mir und ich fühlte mich ziemlich unwohl auf meinem kleinen, kurzen Wave SUP das mir mittlerweile eher wie ein Floß eines Schiffbrüchigen vorkam. Könnte das vielleicht ein Hai gewesen sein?
Das Wasser ist hier recht tief und ich befand mich schließlich in der Nähe eines Riffs.
Während ich mich mehr und mehr auf ein zügiges Paddeltempo konzentrierte, sprangen ca. 4 Meter vor mir 2 große Fische aus dem Wasser und ich erschreckte mich in meiner selbstgeschaffenen Paranoia fast zu Tode.
Erleichtert, dass es kein Hai war fing ich an über mich selbst zu lachen und der Gedanke das ich als Fischfutter enden könnte, verflog so schnell wie er auch gekommen war.

Nachdem ich die Insel passiert hatte war ich auf einen anderen Kurs entlang der Küstenlinie. Der Wind blies seit geraumer Zeit mit etwa drei Windstärken von achtern und ermöglichte mir einen herrlichen Downwinder. Ich war hin und weg! Ich merkte wie der Rückenwind mich schneller werden lies und verzichtete sogar auf meine geplante, zweite Essenspause auf dem SUP. Sofern ich die Insel bis zum Sonnenuntergang um paddelt haben möchte, musste ich mich ohnehin beeilen, denn um 18:00 Uhr wird es in diesen Breitengraden schon dunkel.

Coconut Beach im Norden der Insel hatte ich bereits hinter mir gelassen und ich sah die wunderschöne Insel Koh Ma. Sie ist durch einen langen Sandstrand in Form einer Sichel mit dem Festland verbunden und ein beliebtes Ausflugsziel auf Koh Phangan.

Hier füllte ich meinen Wasservorrat auf, kaufte mir abermals 2 Thai Energy Drinks und warf einen Blick auf meine Touri Karte um abzuschätzen wie weit es noch ist.
Über die Hälfte hatte ich bereits geschafft. Nun ging es entlang der touristischen, jedoch nicht minder attraktiven Westseite südwärts nach Thongsala der größten Stadt auf der Insel.

© Mario Stecher
Da muss man für den Selbstauslöser schon schnell sein...
Da muss man für den Selbstauslöser schon schnell sein...

Ich paddelte vorbei an idyllischen Fischerhäfen, super chilligen Buchten und Stelzenhäusern welche auf dem Wasser weit weg vom Land gebaut sind. Sie erweckten auf mich den Eindruck einer Muschelzucht. Leider kam der Wind bei diesem Streckenabschnitt immer mehr von vorne und es wurde abermals ziemlich anstrengend.
Richtig kämpfen musste ich dann an einem Abschnitt kurz vor Thongsala als ich Kitesurfer vom Strand aus starten sah und der Wind weiter auffrischte. Die einzige Motivation dabei war den Genuss der Landschaft in vollen Zügen zu genießen. Riesige Felsbrocken wie überdimensionale Murmeln, liegen in regelmäßigen Abständen verteilt im Wasser und bilden in Kombination mit den Kokospalmen ein kitschiges Urlaubsbild.
Kurz darauf befand ich mich  vor einem ausgemusterten Versorgungsschiff der Thailändischen Marine. Dem Schiffsfriedhof entkommen steht es nun weitgehend restauriert nahe dem Ufer und dient dort als Marines Outdoor Museum.

Es war 16:00 Uhr als ich Thongsala querab hatte. Meine Kräfte waren weitgehend verbraucht und mein Tempo verlangsamte sich zusehends. Der Wind kam immer noch von vorn und ich verfluchte ihn regelrecht.

"Ich war so fertig"

Ich war so fertig, dass ich kurzzeitig für ungefähr 10 Minuten abstieg und mein SUP im knietiefen Wasser vor mir herschob, um wieder zu Kräften zu kommen.
Als das Sonnenlicht den Himmel in ein sattes rot färbte, sah ich in der Ferne, mit schmerzenden Händen, die großen Felsbrocken vom Booms Café. Ich setze in voller Vorfreude zu einem halbstündigen Sprint an und erreichte völlig erschöpft aber stolz unseren Strand pünktlich zu Sonnenuntergang.

© Mario Stecher

Mein 3-jähriger Sohn Chris sah mich und schrie ganz aufgeregt im Camp:
" Papa, Papa….mein Papa ist wieder da" Besser konnte eine Begrüßung kaum sein!
Er lief mir im Wasser entgegen und ich paddelte gemeinsam mit ihm die letzten Meter zum Ufer.
In 9 Stunden und 45 Minuten einmal mit dem Wave SUP um Koh Phangan!
"Ob das wohl schon einer vor mir gemacht hat?" überlege ich, als ich gemeinsam mit den anderen mit meinem Chang Bier anstoße.

Aloha,

Mario Stecher

Trip Info: Start am 14.11.2013, Inselumfang ca. 50 Kilometer;

Insgesamt 9:45 Stunden Paddelzeit;
Eine Pause (ca. 10 min.) zur Hydrierung;


Sponsoren: www.SeaTrek.de  (Tahoe SUP), Triggernaut Sportsglasses,
Fitneß Center Via Sola, ResTube;

Link zu Google Maps Karte:
https://mapsengine.google.com/map/edit?mid=zQzKNXu6RL9c.kdp3Hs6eYA5M

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