SUP-Tour auf dem Mittelrhein2 Tage auf Deutschlands Big River

Thomas Pfannkuch

 · 03.11.2022

SUP-Tour auf dem Mittelrhein: 2 Tage auf Deutschlands Big RiverFoto: Thomas Pfannkuch

Eine SUP-Tour auf dem Mittelrhein von Bingen nach Koblenz durch das Welterbe – 67 Kilometer voller Mythen, historischer Prachtbauten und wunderbarer Landschaft. Auf du und du mit großen Pötten – entspanntes Paddelerlebnis oder gefährliches Abenteuer?

Lange, schwere Güterschiffe, große Flusskreuzfahrtschiffe, kleine Ausflugsdampfer und schnelle Privatboote – nicht nur zwischen Bingen und Koblenz ist auf dem Rhein einiges los. Und dazwischen fünf Stand Up Paddler. Da macht man sich vor Tour-Start schon einige Gedanken: Wie wird das auf der meist befahrenen Binnenwasserstraße Europas? Wie gefährlich nahe kommen uns die großen Pötte? Sehen uns die Kapitäne der Binnenschiffe? Wie kommen wir durch die Engstelle an der berühmten Loreley? Auf der Zweitagestour durch das Obere Mittelrheintal, welches als UNESCO Welterbe oft als schönster Rheinabschnitt bezeichnet wird, werden wir es herausfinden.

Verlagssonderveröffentlichung

Über 40 Festungen, Burgen und Ruinen, traditioneller Weinbau, idyllische Orte und heikles Nadelöhr: Das Obere Mittelrheintal als perfekte Umgebung für eine erlebnisreiche zweitägige SUP Tour, wo das Genießen der sagenumwobenen Landschaft im Mittelpunkt stehen kann? Oder verspricht sie Adrenalin pur auf schmalen Brettern?

Die Strömung auf dem Rhein lässt uns zwischen Bingen und St. Goar schnell vorankommen -  ist aber nicht zu unterschätzen.  Zu sehen gibt es viel: Burgen, Ruinen, Festungen  ...
Foto: Thomas Pfannkuch

Unsere Basis schlagen wir in einer Ferienwohnung in St. Goar auf. Zur Einstimmung gönnen wir uns einen Flutwein von der Ahr – aus der markant verschlammten Flasche und stoßen auf hoffentlich zwei wunderbare Tage auf und neben dem Wasser an.

Am nächsten Morgen bringt uns der Zug in nur 25 Minuten zum Start nach Bingen. Ein kleines Becken unterhalb des Alten Hafenkrans von 1487 ermöglicht einen perfekten Start in die 28-Kilometer-Tagesetappe bis St. Goar. Auf der Wiese oberhalb pumpen wir unsere Touring-Boards auf, zurren unser Equipment auf den SUPs fest und gehen aufs Wasser.

Legenden, Sagen und Historie - auf jedem Kilometer des Mittelrheintals wartet eine neue Geschichte auf uns.

Wir blicken kurz auf das Niederwalddenkmal, müssen uns aber dann auf den offenen Rhein konzentrieren. Denn wir sind sofort mittendrin im Schiffsverkehr: Zahlreiche Ausflugsdampfer legen in Bingen an und ab, Güterschiffe kämpfen flussaufwärts und kleine Privatboote düsen an uns vorbei. Direkt müssen wir die Fahrstraße queren. Die erste Herausforderung kommt schneller als gedacht! Am linken Rheinufer machen Untiefen, Kiesbänke, kleine Sohlrampen sowie ein gefährliches Unterwasserwehr eine Durchfahrt unmöglich.

Der Fluss ist auf rund 2 Kilometern gut zu überblicken. Die Geschwindigkeit der Schiffe richtig einschätzen, die Strömung beachten, die Lage sicher beurteilen – gar nicht so leicht! Wir nutzen eine gute Gelegenheit ohne Schiffsverkehr und paddeln auf die rechte Flussseite bis auf Höhe der roten, die Fahrrinne begrenzenden Tonnen.

Für die gesamte Tour sollte immer (wo vorhanden) entlang der linken (grünen) oder rechten (roten) Tonnen und damit am Rand der Fahrrinne gepaddelt werden. Dort ist es tief genug, es sind keine Gefahrstellen vorhanden und man paddelt nicht im Fahrweg der Schiffe. Wer wenig Erfahrung im Fließwasser und auf Schifffahrtsstraßen hat, ist hier schnell überfordert. Mit den Schiffen, der Strömung, dem richtigen Verhalten, den Regeln. Denn Kleinfahrzeuge wie SUPs müssen auf dem Rhein laut Paragraph 4 der Rheinschifffahrtspolizeiverordnung etwa ein Schallgerät in Form einer Hupe oder eines Horns mitführen.

Immmer entlang der linken (grünen) oder rechten (roten) Tonnen paddeln, so bleibt man sicher am Rand der Fahrrinne.Foto: Thomas Pfannkuch
Immmer entlang der linken (grünen) oder rechten (roten) Tonnen paddeln, so bleibt man sicher am Rand der Fahrrinne.

Wir paddeln auf den Mäuseturm zu, der um 1300 als Wachturm errichtet wurde. Gegenüber liegt die Burgruine Ehrenfels, die im 17. Jahrhundert noch ein herrschaftliches Schloss als Wohn- und Zollstätte war. Hinter den beiden Sehenswürdigkeiten durchzieht eine Felswand den Fluss, die einst einen Wassersturz verursachte und das Durchkommen erschwerte. Am „Binger Loch“ nimmt die Strömung noch einmal deutlich zu. Hier knickt der Rhein von seinem Lauf westwärts in Richtung Norden ab – das Mittelrheintal beginnt.

Auf Höhe der Burg Rheinstein queren wir erneut die Fahrrinne auf die linke Flussseite. Von hinten kommt ein großes Containerschiff schnell näher. Wir legen einen Zahn zu, erreichen rechtzeitig die andere Flussseite. Und schon ist das Transportschiff direkt neben uns. Wir achten auf ausreichend seitlichen Abstand, um nicht in den Sog zu kommen. Und auch die Schiffswellen meistern wir. Dank der Strömung von 7 bis 10 km/h kommen wir schnell ohne große Anstrengung voran, paddeln an Trechtingshausen, Niederheimbach und dem Weinort Bacharach mit der Burg Stahleck vorbei. Vor Bacharach und dem Rheinknick wechseln wir erneut die Flussseite.

Auf historischen Spuren – vorbei an der Burg Pfalzgrafenstein und der Loreley

Bei Flusskilometer 544,4 teilt sich an der Insel Kauber Werth der Rhein. Wir nehmen den rechten Flusslauf abseits der Schifffahrt. Das nächste Highlight und beliebte Fotomotiv kommt in den Blick: die Burg Pfalzgrafenstein. Die Wasserburg und Wehranlage wurde 1326 von Ludwig dem Bayern erbaut, um Zoll von den vorbeifahrenden Schiffen zu kassieren. Die Burg mit ihrem Grundriss als langgestrecktes Sechseck kann besichtigt werden und ist auch daher ein lohnenswerter Stopp. Die Insel mitten im Rhein ist perfekt für unsere Pause. Ein schöner Spot inmitten der stark befahrenen Wasserstraße!

Burg PfalzgrafensteinFoto: Thomas Pfannkuch
Burg Pfalzgrafenstein

Direkt hinter der Insel quert eine der zahlreichen Fähren den Rhein. Die Fähre macht gerade am Ufer fest – eine günstige Gelegenheit, um unsere Pause zu beenden, die Stelle zu passieren und weiterzupaddeln. Nach dem nächsten Rechtsknick des Rheins bei Oberwesel wartet wohl die markanteste und bekannteste Stelle im Mittelrheintal: die Loreley. Viele Mythen und Sagen ranken sich um die Felswand, die durch das Loreleylied von Heinrich Heine weltbekannt wurde. Wir paddeln entlang des rechten Ufers und haben die Schiffe besser im Blick. Auch die Kapitäne können uns dadurch besser sehen. Der Rhein wird immer schmaler, wir achten verstärkt auf die Strömung, Wasserwirbel und Schiffe.

Die 130 Meter hohe Felswand der Loreley baut sich nach der nächsten Linkskurve am rechten Ufer auf. Wir haben Glück, dass in den Minuten unserer Durchfahrt kein großes Schiff durch die Engstelle will – an der Loreley ist der Rhein nur 113 Meter breit. Nicht viel Platz für Boote und Paddler! Vorbei am Loreley-Schriftzug kommen wir gut einen Kilometer später am Ende der Hafenmole an der Bronzestatue der Loreley vorbei, die einem Mythos nach auch eine Nixe auf dem Felsen sein soll. Direkt dahinter queren wir erneut die Fahrrinne und erreichen linksufrig unser Tagesziel St. Goar. An einer Treppe am Marktplatz ziehen wir bequem unsere Boards aus dem Wasser.

Die SUP-Tour Mittelrhein führt von Bingen nach KoblenzFoto: SURF Magazin
Die SUP-Tour Mittelrhein führt von Bingen nach Koblenz

Zweite Tagesetappe zum Deutschen Eck nach Koblenz

Am nächsten Tag geht es an dieser Stelle weiter auf die zweite Tagesetappe nach Koblenz – gut 36 Kilometer liegen vor uns. Wir blicken kurz auf die Burg Rheinfels, eine der größten Festungsanlagen Europas, müssen dann aber wieder direkt auf den Schiffsverkehr achten. Einige Schiffe warten auf die Freigabe für die Loreleydurchfahrt, andere kommen flussabwärts schnell näher. Burg Katz und Burg Maus am gegenüberliegenden Hang sind für einige Kilometer die letzten kulturellen Highlights. Der Rhein wird merklich breiter, die Fließgeschwindigkeit nimmt ab. Im Vergleich zum Vortag müssen wir deutlich mehr paddeln. An einer Stelle baut sich eine überschlagende Welle eines Güterschiffs vor uns auf. Wir bleiben stehen – und trocken. Eine erste Pause legen wir bei Boppard ein. Wer die Stadt erkunden will, nutzt am besten die Rampe vor dem Ortszentrum.

Die Loreley - eines der bekanntesten Wahrzeichen am Rhein.Foto: Thomas Pfannkuch
Die Loreley - eines der bekanntesten Wahrzeichen am Rhein.

Hinter Boppard paddeln wir durch die größte Schleife des Rheins, an der auch mit dem Bopparder Hamm das größte zusammenhängende Weinanbaugebiet des Mittelrheins liegt. Nach der Linkskurve bei Spay geht es bereits auf Koblenz zu. Zunächst zieht aber das Ufer von Lahnstein an uns vorbei. Weithin sichtbar thront am linken Hang Schloss Stolzenfels mit ihrem ockergelben Anstrich als bedeutendes preußisches Bauwerk. Wenige Paddelschläge später mündet rechterhand die Lahn in den Rhein. Entlang des rechten Rheinufers paddeln wir durch die ersten Koblenzer Stadtteile. Spätestens ab der zweiten Rheinbrücke bei Rheinkilometer 590 gilt es, die Aufmerksamkeit wieder zu erhöhen – das Stadtzentrum und die Anlegestellen der Flusskreuzfahrt- und Ausflugsschiffe kommen näher. Die Zeichen geben vor, dass wir die mittlere Brückenöffnung nutzen müssen, bergfahrende Schiffe nutzen die äußeren beiden Öffnungen – ein komisches Gefühl als kleiner Paddler inmitten der großen Pötte. Das Wasser wird kabbeliger und aufgewühlter.

Wir lassen das Kurfürstliche Schloss links liegen und erblicken auf der Anhöhe die Festung Ehrenbreitstein. Sie wurde zwischen 1817 und 1828 erbaut und ist die zweitgrößte erhaltene Festung Europas. Über uns schweben die Kabinen der Seilbahn, die das Koblenzer Stadtzentrum mit der Festung verbindet.
Das letzte Highlight und damit das nördliche Ende des Mittelrheintals wartet auf uns: das Deutsche Eck, wo Rhein und Mosel zusammenfließen. Heute steht dort das Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm I. als monumentales Denkmal.

In einem günstigen Moment queren wir den Rhein und paddeln in die Mosel ein. Am linken Ufer, direkt hinter dem Deutschen Eck, unterhalb des Königsbacher Biergartens, bietet eine schmale Rampe einen guten Ausstieg. Der Bahnhof Koblenz ist rund 1,5 Kilometer entfernt. Wir schnallen die Boardbags auf den Rücken und gehen zu Fuß.

Eine faszinierende Mehrtages-Tour bei Traumwetter – mit wunderschönen Eindrücken und Momenten, in denen das Adrenalin in die Höhe schoss, liegt hinter uns.