Spot-Check: Mit dem SUP durch Mecklenburg-Vorpommern

22.12.2016 Dirk Herpel - Die Seen in Mecklenburg-Vorpommern ermöglichen märchenhafte Paddeltouren. Also: SUPs einpacken und ausprobieren, dachten sich deshalb die Fanatic-Teamrider Paulina Herpel, Kai-Nicolas Steimer und Klaas Voget. Schließlich ist McPom von ihrem Heimathafen Hamburg nicht weit entfernt.

© Klaas Voget
Wild, Wild, Wood... mit dem SUP durch Mecklenburg-Vorpommern
Wild, Wild, Wood... mit dem SUP durch Mecklenburg-Vorpommern

Ich glaub ich steh’ im Wald! "Müssen wir nun hier rechts abbiegen oder nicht" faselt Klaas. Merke: wer schon Monsterwellen in Jaws oder One Eye gemeistert hat, muss nicht unbedingt auch jede Ecke der mecklenburgischen Kleinseenplatte kennen. Kai: "Klaas, ich glaube wir hätten schon an der letzten Biegung auf den nächsten See gemusst. Paulina: "Oh nein, bitte nicht wieder zurückpaddeln..." Auch seine beiden Mitpaddler scheinen sich gerade nicht völlig sicher zu sein. Weit und breit kein anderer Mensch in Sicht, den man fragen könnte. Gut, dass das Trio sich eine Karte zugelegt hat. Spätestens jetzt wird es höchste Zeit sie mal aus dem wasserdichten Rucksack raus zu kramen. Schließlich gibt es hier einige Möglichkeiten, einen größeren oder kleineren Umweg einzulegen. Wären unsere drei Musketiere am Wochenende oder vielleicht sogar an Pfingsten unterwegs, wäre die Sache einfach. Dann hätte man wahrscheinlich alle paar Meter andere Paddler nach dem richtigen Weg fragen können. Die Tour ist beliebt und an jedem Campingplatz kann man sich Kajaks leihen. Aber selbst zu den Stoßzeiten sind Stand-up-Paddler hier weiterhin noch absolute Mangelware. Von Leihmöglichkeiten fehlt weit und breit jede Spur. Also, auf jeden Fall eigenes Material einpacken.

Vor 12.000 Jahren lag noch ein dicker Eispanzer auf dieser Gegend. Als es dann wieder wärmer wurde, blieben  Hunderte von Seen zurück.

Unser Trio hat sich vorgenommen, an zwei Tagen knapp zehn davon zu erkunden. Start und Ziel ist der Biber Ferienhof an der Diemitzer Schleuse. Zumindest wenn man dem Navi vertraut und den Waldweg bis zum Ende durchfährt und nicht auf den letzten Metern noch Zweifel bekommt, sind das gut zweieinhalb Stunden von Hamburg aus. Apropos Wald. Wenn Wikipedia einem nicht erzählen würde, dass die Brüder Grimm in Kassel gelebt hätten, man würde schwören, dass sie genau hier die Inspiration für ihre Märchenwälder bekommen hätten. Dicht an dicht stehen die Bäume und jetzt im Frühjahr schimmern sie in allen Grün- und Brauntönen. Es wäre eher ein Wunder, wenn nicht irgendwo bald mal ein Hexenhaus auftauchen würde.

Direkt am Bieber Ferienhof wird geparkt. Fünf Minuten später liegen wild verstreut bunte Farbkleckse auf der Wiese vor dem Bootsverleih herum. Jetzt heißt es pumpen was das Zeug hält. Schließlich soll auf den iSUPs auch noch etwas Gepäck mitgenommen werden. "Gut, dass wir noch ein paar wasserdichte Rucksäcke bekommen haben. Für eine Nacht haben wir jetzt genug Stauraum. Und auf dem Campingplatz können wir uns ja mit allem Nötigen versorgen. "Wildes Campen ist hier eh verboten" erklärt Kai den beiden anderen. Er ist bereits fertig, die anderen pumpen immer noch fleißig. Manchmal hilft es, die dicksten Oberarme zu haben. "Ich frag mal, ob die hier eine Wasserwanderkarte haben. Unsere Ausdrucke sind ja nicht so richtig detailliert." Sehr gute Idee von Klaas. Kurze Zeit später machen die drei sich auf dem Weg. Circa 30 Kilometer Strecke warten auf sie. Da sollte man nicht zu lange Pausen einplanen, wenn man das Ganze in zwei Tagen paddeln möchte. Und es sollte nicht zu windig sein. Sonst hat man auf den größeren Seen ordentlich zu kämpfen. Für heute und morgen sagt der Wetterbericht Sonne und kaum Wind voraus, perfektes Paddelwetter.

Das steht auf dem Programm: Labussee, Gobenowsee, Klenzsee, dann in Wustrow ein kleines Stück die Boards umtragen. Weiter geht es auf dem Plätlinsee und dann wird es richtig eng und schön, die Schwaanhavel schlängelt sich fünf Kilometer durch Wald und Wiesen. Hier herrscht, im Gegensatz zu den großen Seen, Motorboot-freie Zone. Danach zweieinhalb Kilometer die Obere Havel-Wasserstraße entlang bis nach Ahrensberg zum Drewensee. Von dort in den Großen Priepertsee. An Straßen vorbei, dann in den Canower See paddeln, noch eine Schleuse und man ist wieder im Labussee angekommen. Neben dem Wind können die auf den größeren Seen manchmal recht zahlreichen Motorboote für Bewegung auf dem Wasser sorgen. Also bitte nicht immer nur die pure Landschaft, sondern auch mal die Wasserstraße im Auge behalten.

© Dirk Herpel
Kuschelig, die Schlaffässer für zwei Personen. 
Kuschelig, die Schlaffässer für zwei Personen. 

Paulina: "Schaut mal, hier gibt es Schlaffässer, habt ihr so etwas schon mal gesehen. Ich kenne so etwas höchstens als Sauna?" Ob Fass, Zelt oder Wohnwagen.

Vom Brett aufs Bett ist hier an den meisten Seen überhaupt kein Problem. Auf dieser Strecke wartet alle fünf Kilometer ein Campingplatz auf müde Wasserratten und überall gibt es Anlegestellen für Boote und Kanus.

Ob im Sommer zufällig ein Schlaffass frei ist, ist allerdings nicht garantiert. Heute ist das hier gar kein Problem. Wildes Campen sollte man auf jeden Fall nicht ins Auge fassen und Lagerfeuerromantik bitte auch nur an den dafür freigegebenen Stellen entfachen. Spätestens nach ein paar Wochen mit wenig Niederschlag besteht in der ganzen Gegend höchste Waldbrandgefahr. Da reicht ein falscher Funke. So ist es kein Wunder, dass die Förster ein wachsames Auge haben. Apropos wachsam: Wer ruhig und entspannt durchschlafen möchte, sollte sich gut mit Mückenschutz eindecken. Die Plagegeister lieben die Gegend mindestens genauso wie Paddler. Also nicht wundern, wenn man morgens von einem lauten Rauschen geweckt wird – obwohl kein Lüftchen weht. Ein paar Mückenschwärme auf einem Fleck machen auch ordentlich Radau. "Aufstehen, weiter geht’s", Kai ist lauter als die Mücken und voll motiviert. Schnell werden nach einem guten Frühstück die Siebensachen wieder gut verstaut und der letzte Rest der Reise in Angriff genommen. Da es weiter windstill bleibt, kommen die drei Profis gut voran. An den Schleusen auf der Tour gilt übrigens: Erst die Motorboote, dann die Kanuten. Insgesamt vier gibt es auf dieser Runde.  Am späten Nachmittag trudelt das Team wieder am Ausgangspunkt ein. "Wie war’s?" "Klasse, nur ein paar Umwege hätten wir uns wirklich sparen können …"


Klaas Voget: Windsurfprofi, Boardsportler mit Herz und Seele und weltweit mit allen "Wassern gewaschen". Auch am Auslöser ist der Norddeutsche mittlerweile ein Profi.

© Klaas Voget
Klaas Voget
Klaas Voget

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