Deutschland: Hamburg-Rundfahrt mit dem SUP Board

15.06.2016 Dirk Herpel - Mittendrin ein Herz aus Wasser und drumherum jede Menge Adern, die nur darauf warten, gründlich gecheckt zu werden. Würde man sich eine Großstadt als perfekten SUP-Spot ausdenken, käme die norddeutsche Metropole dem Ideal schon sehr nahe. Kein Wunder, dass mit Paulina Herpel, Kai Nicolas Steimer und Klaas Voget gleich drei Fanatic Team-Rider Hamburg ihre Heimat nennen...

© Klaas Voget
Deutschland: Hamburg-Rundfahrt mit dem SUP Board
Deutschland: Hamburg-Rundfahrt mit dem SUP Board

...Kein Wunder, dass mit Paulina Herpel,  Kai Nicolas Steimer und Klaas Voget gleich drei Fanatic Team-Rider  Hamburg ihre Heimat nennen. 

Hafen, Innenstadt oder einsame ­Natur. In Hamburg liegt das alles nur einen Paddelschlag voneinander entfernt. Mal eben auf einen ­Kaffee oder ein Pils in die Innenstadt paddeln ist im hohen Norden gar kein Problem. Mit 2.500 Brücken belegt die Hansestadt unangefochten und mit weitem Abstand den ersten Platz in dieser Kategorie unter Europas Großstädten – Venedig hat gerade mal 400. Und wo Brücken sind, da plätschert meist auch Wasser drunter. Die perfekte SUP-Spielwiese.

Die Kanäle führen mitten durch die Innenstadt, durch unglaubliche Parks, vorbei an noch viel unglaub­licheren Villen und enden fast alle dort, wo das Rudern in Hamburg seinen Ursprung gefunden hat: auf der Außenalster. Ach, was sag ich in Hamburg – in ganz Deutschland.

"Gentlemen! Wir wollen rudern!" Mit diesen Worten hob der ­23-jährige Johan Cesar VI. Godeffroy 1836 den Hamburger Ruder Club aus der Taufe. Nach englischem Vorbild, das der junge Kaufmann aus seiner Lehrzeit in London kannte. Dies war gleichzeitig auch die Geburtsstunde des deutschen Rudersports. Heute gibt es zehn Ruderclubs in Hamburg, von denen sich bisher noch keiner so richtig mit dem SUP-Sport anfreunden konnte. Das liegt einerseits an der Tradition, andererseits an den ohnehin schon komplett belegten Bootshäusern. Aber in Zukunft wird sicher noch der eine oder andere Ruderer aufstehen. Spätestens, wenn SUP anfängt, mit Olympia zu liebäugeln. Oder besser gesagt: Olympia mit SUP. Da es in Hamburg so viele Wasserwege gibt, sind die meist abgeschotteten Stege der Ruderclubs gar nicht nötig, um das Board zu wassern. Es gibt jede Menge Möglichkeiten, ohne große Lauferei zu starten. Klaas Voget: "Ich setz mich einfach in die U-Bahn mit meinem iSUP. Nach zehn Minuten bin ich in Eppendorf am Kanal und los geht’s." Wer Freunde mitnehmen möchte, die noch keine eigenen Boards haben, beginnt den Trip am besten an einer der zentralen SUP-Verleih-­Stationen. Im Stadtpark am Stadtparksee und in Eppendorf (Isekai 1 & Eppendorfer Landstr. 180) kann man beim "SUP Club Hamburg" oder bei "SUPCO" stundenweise ­Material ­mieten. Hier trifft man auch immer schnell Gleich­gesinnte. Paulina Herpel: " Es ist einfach cool, ­mitten durch seine Heimatstadt zu paddeln. Vom Wasser aus sieht alles ganz anders aus."

Wer auf der Piste den Einkehrschwung beherrscht, der wird sicher bei der Hamburger Kanaltour auch auf seine Kosten kommen. Mehr als eine Kneipe liegt direkt am Wasser und lockt durstige Paddler mit eigenem Steg und frischem Gerstenbräu. Am Wochenende rund um die Uhr, während der Woche immer morgens und abends, herrscht auf dem Rundkurs um die Außenalster Hochbetrieb. Karawanen von Joggern ziehen ihre Runden, unterstützt von Touristen aus aller Welt. Da ist es verdammt cool, sich an windstillen Tagen einfach auf seinem SUP-Board ordentlich auszupowern, statt sich einzureihen. Und der Ausblick ist sowieso einmalig.

Warschau!

Sind mehr als vier Windstärken angesagt, sollte man sich die Sache mit der Außenalster aber gut überlegen. Zum einen herrscht dann reger Segelverkehr, zum anderen verwandeln kurze Kabbelwellen und der böige Wind den
Ausflug schnell zum anstrengenden Trip. Übrigens: Wird es voll auf dem Wasser, gilt rechts vor links. Einzig die Alsterboote haben immer Vorfahrt. Wird einem von hinten "Warschau" ins Ohr gebrüllt, sollte man schleunigst ausweichen. Ruder-Achter in voller Fahrt oder Drachenboote bremsen nicht so gerne. Nervig kann auch die Suche nach einem Parkplatz werden. Das Westufer der Alster bietet hier die meisten Möglichkeiten. "Alsterperle", "Bodos Bootssteg" ... Plätze zum After-SUP-Chillen gibt es dagegen reichlich. Und man kann sich gleich auf ein paar Fragen gefasst machen: "Ist das nicht schwierig, fällt man da nicht leicht rein?" Trotz Worldcup in der Hafencity ist Stand-Up-Paddling in der Wahrnehmung der breiten Masse erst im vergangenen Jahr so richtig in Hamburg angekommen.

Käpt’n, nimm mich mit auf die Reise

Wer keine Lust auf eine normale Hafenrundfahrt und keine Angst vor raubeinigen Barkassenkapitänen hat, entdeckt das riesige Hafengebiet per SUP vom Wasser aus. Und wer keinen Tag ohne Welle sein kann, der versucht sein Glück ein Stück die Elbe hinauf. Ein Schiff wird kommen und dann ... Doch eins nach dem anderen.

Bevor man sich auf die Kanäle der Speicherstadt traut, sollte man sich den Gezeitenstand genau ­anschauen. Bei Ebbe fallen einige komplett trocken – und hier durch den Matsch zu waten, ist sicher das letzte, was man ­möchte. Und: Wo Ebbe und Flut herrschen, sind Strömungen auch nicht weit. Deshalb sollte man seine Route am besten mit der Strömung wählen. Die ist übrigens an manchen Stellen viel heftiger, als man es beim ersten Blick auf die Kanäle vermuten würde. Eine Stunde vor und eine Stunde nach Hochwasser ist das Wasser am ruhigsten. Infos zu den Gezeitenständen erhält man unter anderem auf der Website des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (www.bsh.de). Dort nach dem Pegel der Elbe für Hamburg St. Pauli suchen. Richtig spannend wird es immer, wenn eine Barkasse durch die Kanäle zischt. Und das ist gar nicht so selten. Mit Rücksicht muss man hier nicht rechnen – schließlich ist Zeit für die Barkassen-Kapitäne bares Geld. Dann schwappt es aus allen Richtungen und man hat manchmal Mühe, auf dem Board zu bleiben. Am besten sticht man hier vormittags in See und meidet die ­Wochenenden. Dann hat man wesentlich mehr Ruhe und kann sich die auf ­altem Eichenholz gebauten Gebäude in Ruhe aus der Nähe anschauen. Das Gebiet ist übrigens der größte zusammenhängende Lagerhauskomplex der Welt und UNESCO Weltkulturerbe.

© Klaas Voget
Paulina, Klaas und Kai beim ­entspannten Cruisen vor einigen derl etzten erhaltenen Alt-Hamburger Bürger­häusern im Nikolaifleet.
Paulina, Klaas und Kai beim ­entspannten Cruisen vor einigen derl etzten erhaltenen Alt-Hamburger Bürger­häusern im Nikolaifleet.

Ein Schiff wird kommen

Selbst für alle, die sich SUP-Surfen ohne Welle nicht vor­stellen können, hat Hamburg einen Spot parat: Mit viel Glück erwischt man in der Nähe vom "Schulhauer Fährhaus" – von der Innenstadt aus immer in Richtung Wedel halten – die eine oder andere kleine Frachter­welle. Kai Nicolas Steimer verrät: "Ich wohne direkt an der Elbe, deswegen trainiere ich fast jeden Tag auf dem Fluss. Die Strömung und die Wellen machen das Ganze ­immer wieder spannend. Und wenn dann noch ein riesiges Containerschiff vorbeikommt, ist das eine spektakuläre Aussicht."
Allerdings gilt es auch hier, die Strömung im Auge zu behalten und immer genügend Abstand zu den dicken Pötten zu bewahren, damit es keinen Ärger mit der Wasserschutzpolizei gibt. Ganz Schlaue besorgen sich die An- und Abfahrtszeiten der Schiffe im Hafen und wissen so genau, wann die nächste Welle vielleicht läuft. Die Website des Hamburger Hafens (www.hafen-hamburg.de) ist dafür eine gute Quelle. Hier findet man auch genaue Hafenpläne für Entdeckertouren. Entgegen meiner anfänglichen Vermutung ist Paddeln in ganz Hamburg erlaubt. Ausgenommen sind die Schiffahrtsstraßen im ­Hafen und auf der Elbe. Also dann: Leinen los!

Klaas Voget (SURF Autor) ist nicht nur einer der tallentiertesten Windsurfprofis Deutschlands, er hat auch ein professionelles Auge für schöne Bilder im Wassersport.

© Klaas Voget
Klaas Voget
Klaas Voget

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