"You wanna play?" – Alpenkrimi am Kalterer See: Spannender Auftakt zur SUP Alps Trophy

26.05.2014 Gölnitz,Stephan - "Ich dachte da bin ich tot, da fahr' ich nicht mehr mit, dann gewinnt er eben" – Worte, die man vom "Dann-am-Ende-doch-Gewinner" der ersten SUP Alps Trophy, Peter Bartl, so bisher noch nicht gehört hatte. Eine Runde hatte sein Teamkollege im JP-Australia-Stall "so andruckt", dass anscheinend auch Peter Bartl mal kurzfristig die Spucke weg blieb.

© Stephan Gölnitz

Weidert hatte mal wieder den gleichen Start hingelegt wie bereits zwei Wochen zuvor am Ammersee. "Ich kotz' später als du" könnte man die Taktik vielleicht nennen, jedenfalls hatte der Kanu-Profi nach einer Runde bereits alle Fahrer abreißen lassen und anscheinend auch eine deutliche Marke gesetzt, was für ein Tempo er über 20 Minuten vorgeben kann.

Mit wenigen Längen Vorsprung soll es jetzt gleich durchs Gate der ersten von drei Runden gehen, dann "nur" noch die Führung halten – doch genau das passsiert eben nicht! Direkt vor der Startbühne, zum Greifen nahe für Zuschauer und Racedirektor, paddelt Weidert statt durch das schmale Gate am Schwimmbadgelände nur zwei Meter an der falschen Seite der Boje vorbei.

Racedirektor Mühlegger in der Zwickmühle "ich darf nicht ins Renngeschehen eingreifen", Zuschauer rmurmeln durcheinander. Einer überreißt die Situation blitzschnell. Peter Bartl, knapp dahinter,  hat jetzt die Wahl: Lässt er Weidert weiter paddeln, wird dieser disqualifiziert, das Rennen für ihn wird dann ein Spaziergang, die Verfolger sind bereits zu weit zurück. "PETER! Du fährst falsch! Du MUSST anders rum um die Boje!!" schallt es da über den See.

© Stephan Gölnitz
"Ehrenrunde"

"Ehrenrunde"

Bartl brüllt dem Falschfahrer hinterher. Der dreht verduzt um, war schon 30 Meter weiter sicher, muss zurück, noch einen 180-Grad-Turn fahren und schafft gerade den Anschluss an die Verfolgergruppe nicht mehr. Doch dann geht das Drama erst los...Bartl vorne, drei Verfolger dahinter und Peter Weidert nochmal knapp dahinter. Rund hundert Meter mögen es jetzt sein bis zum Führenden – im SUP-Rennen eine kernige Distanz. Doch gleich nach einem Drittel der zweiten Runde hat Weidert die Verfolgergruppe erreicht, übernimmt bald die Führungsarbeit. Dahinter Paolo Marconi, Martino Rogai und durchgehend solide an Position fünf, Kai-Nicolas Steimer.

© Stephan Gölnitz
Weidert macht lange Zeit die "Arbeit"

Weidert macht lange Zeit die "Arbeit"

Nach einer Weile wird Peter das offensichtlich zu bunt, alleine die Arbeit zu machen. "Er ist einfach stehen geblieben" beobacht Kai, Weidert diskutiert mit den Hintermännern. "Sollen wir vorne fahren?" fagt einer, die Kommunikation zwischen Deutschen und Italienern bei Puls 190 und vollem Renntempo wird sicher auch nicht einfacher – und richtig engagiert kam das wohl nicht rüber. Jedenfalls zuckelt der Zug, jetzt unter italienischer Führung, weiter. "Da hat der Peter daneben einen Sprint angezogen" wundert sich Kai später. Die Italiener sind irritiert und anscheinend ebenfalls im Hitzegefecht bei 30 Grad leicht genervt. "Do you want to play? If you want to play, we can play!" ruft einer zu Peter hinüber. Und damit ist sicher nicht Fang-den-Hut gemeint.

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Weidert, Marconi und Rogai beim "Spielen"

Weidert, Marconi und Rogai beim "Spielen"

An der letzten Boje vor dem Zielsprint wird es dann zufällig recht eng. "Unfair abgedrängt" von den zwei Verfolgern, befindet Peter nach dem Rennen. Na ja, "Einfädeln im Reißverschluss-System" war das vor dem Turn zumindest nicht - aber bei SUP-Rennen gilt weitgehend "No rules". Doch bei geschätzt gut 300 Metern ins Ziel ist mit dem Manöver die Sache noch nicht gegessen, nicht gegen den vielleicht momentan stärksten Paddler. Peter kommt nach der Boje kraftvoll noch mal bis ganz nach vorne auf. Doch war es die Entkräftung? Die Konzentration? Oder fühlte er sich nach außen abgedrängt?

© Stephan Gölnitz
Die letzte Boje vor dem Ziel für den Verfolgerzug von Peter Bartl.

Die letzte Boje vor dem Ziel für den Verfolgerzug von Peter Bartl.

Ein zweites Mal wird die Zielboje jedenfalls zum Verhängnis, wie von einem Magnet erneut daran vorbei gezogen, passiert er die Boje an der falschen Seite, muss auch in der letzten Runde noch einmal zurück und "richtig" durchs Ziel.

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Der Zielspurt.

Der Zielspurt.

Hätte Kai-Nicolas Steimer an Position fünf nur annähernd geahnt, was noch passieren würde, hätte er die letzten Meter sicher nicht so locker ausgepaddelt: Bartl vor Marconi, Rogai, Weidert und Steimer, so lautet am Ende die offizielle Liste.

© Stephan Gölnitz
Kurioser Zieleinlauf

Kurioser Zieleinlauf

Gemächlicher hatte es da Carol Scheunemann auf ihrem Weg zum Sieg. Nach mäßigem Start konstant nach vorne gepaddelt und dann eine solide Führung gesichert - nach dem Erfolg am Ammersee ein zweites Zeichen für eine ganz starke Saison.

© Stephan Gölnitz

Neben dem "leider nur 11 Kilometer langen Kurs" des Hauptrennens, wie von einigen Teilnehmern beklagt wurde, konnten sich auch einige Paddler im "Fun-Race" über nur eine Runde etablieren. Sie genossen den gleichen fulminanten Start wie die Pros über die lang gezogene Startlinie zwischen mit Zuschauern überfüllter Badewiese und der historischen Gondel von Hans Renner – und natürlich die anschließende wunderschöne Runde am See entlang. Mit gerade neun Jahren absolvierte die Jüngste in 40 Minuten dabei den Kurs weitgehend solo: Gleicher Kurs, gemeinsamer Start, aber mit "Bahnverkürzung" - bei diesem Konzept gibt es anscheinend keine Ausreden mehr, nicht selber mal mitzupaddeln. Allein die weiteren tollen Spots der Alps Trophy sind es wert.

© Stephan Gölnitz
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Erna Stangl, Carol Scheunemann, Susak Molinero

Erna Stangl, Carol Scheunemann, Susak Molinero

© Stephan Gölnitz
Kai-Nikolas Steimer, Peter Weidert, Martino Rogai, Paolo Marconi, Peter Bartl und SUPer-Organisator Alois Mühlegger

Kai-Nikolas Steimer, Peter Weidert, Martino Rogai, Paolo Marconi, Peter Bartl und SUPer-Organisator Alois Mühlegger

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