Unter Starkstrom - DM des DKV in Köln

  • Stephan Gölnitz
 • Publiziert vor 7 Jahren

Nicht nur der kräftig strömende Rhein als Austragungsort war bei der Deutschen Meisterschaft des DKV ein Novum in der Wettkampfsaison 2013. Auch die Anspannung unter den Teilnehmern war groß, immerhin galt es einige Titel zu verteidigen und das ungewöhnliche Revier, sowie "originell" gelegte Startlinien sorgten ebenfalls für reichlich Spannungen während und nach den Rennen.

Start zum Long Distance – der Kurs geht sofort nach links weg.

Die neuen Deutschen Meister des DKV stehen fest: Bei den Damen konnte sich Sonja Duschek (JP-Australia) souverän beide vergebenen Titel in Sprint und Long Distance sichern. Die Herrenwertung im Sprint gewann Carsten Kurmis (Starboard) und auf der "Long Distance" in 12'6'' Normen Weber (Core) und Kai-Nicolas Steimer (Mistral) in der Klasse bis 14 Fuß.

Vor allem der fulminante Start-Ziel-Sprint von Carsten Kurmis war dabei so nicht vorhersehbar, obendrein war das Sprintfinale mit einigen Positionswechseln und spannenden Manövern und Stürzen an den Bojen gewürzt. So bekam der etwas sehr schnelle Ablauf der Sprintelimination einen spannenden Abschluss mit dem Duell Kurmis-Weber. Vier Vorläufe führten beim Sprint-Race je zwei Qualifikanten direkt ins Finale der schnellsten Acht. Dazu ein "kleines" Finale mit allen anderen Fahrern - das war's. Dabei war der kurze und knackige Kurs eigentlich mal endlich eine richtige Sprintdistanz, so wie es auch die Kanu-Sportler fahren. Keine vier, fünf Minuten Halbdistanz, sondern eine kernige Ausscheidung unter zwei Minuten. Der Kurs führte nach dem Start aus dem stehtiefen Wasser (auf der Uferseite fast ohne, auf der Flußseite mit kräftigem Strom) erst ein kurzes Stück stromab, um eine Boje, dann wieder stromauf, wieder um eine Boje und durchs Ziel. Dass man hier nicht fährt wie auf Flachwasser, mussten dabei fast alle Teilnehmer erst mal lernen. Wie "gewonnen so zerronnen" – erwischte ich beispielsweise nach einem schlechten Start als Letzter im Sprintfinale einen günstigen Strom und fand mich – selber überrascht – plötzlich an der ersten Boje auf Platz drei wieder. Doch da bleibt keine lange Zeit zu freuen – im Gegenstrom nur zwei Meter zu weit Richtung Fluss rausgefahren, zogen gleich darauf locker zwei Fahrer innnen wieder vorbei. Aber auch nur, um sich im anschließenden Gewühle an der Tonne festzukeilen und die Plätze noch mal neu zu verteilen. Wer die stromaufwärs liegende Tonne nicht weit genug anfuhr - und das passierte selbst gestandenen Wildwasserprofis – wurde gnadenlos gegen die Boje gepresst. So strauchelten auch im Finale beide Führenden (Kurmis vorne, Weber immer dicht am Heck) bei der letzten Wende noch einmal, was Normen noch den zweiten Platz kostete und für Kai-Nicolas Steimer die Chance öffnete, auf den letzten Metern noch die silberne Sprint-Nadel abzuräumen. Erstaunt waren wohl die meisten, wie locker Karsten Kurmis das Rennen von vorne kontrollierte und Normen Weber über den gesamten Kurs keine Chance für eine Attacke ließ. Der war allerdings auch unter vielen Hardboards nur auf einem "Inflatable" unterwegs – im Gegensatz zu den Sprints der SUP Trophy war die Boardwahl erstmalig auch bei Sprints offen.

Schiet-Wetter, aber gute Laune

Während man die Sprint-Races noch als besonders spannend und taktisch aufgewertet durch die Bojen im fließenden Gewässer betrachten kann, so hatte sich das Revier zuvor für SUP-Long-Distance-Races als ungeeignet erwiesen (die Location musste wohl entgegen der ursprünglichen Planung geändert werden). So gelang es auch nicht, die 23 Herren mit einem angemessenen Startprozedere auf den nur 3,2 Kilometer kurzen Kurs zu schicken. Nebeneinander aufgereiht mussten die Fahrer im knietiefen Wasser stehen, nach dem Startsignal ging es dann sofort den Rhein flußab, was  den Fahrern auf der linken Seite schon beim Startsignal einen deutlichen und praktisch uneinholbaren Vorteil verschaffte. So wundert es auch kaum, dass nur unter den ganz links stehenden auch die späteren Gewinner zu finden waren. Vorne weg fuhr von Beginn an Kai-Nicolas Steimer, der mit seinem 14er Mistral M1 recht frei vorne weg fahren konnte, dahinter Normen Weber auf seinem 12'6''er Core. Beide Klassen mussten leider gemeinsam starten, weil gleichzeitig auch für die Superflavor-German-SUP-Wertung Punkte gesammelt werden konnten - und dort sind alle Boards bis 14 Fuß erlaubt. So sicherte sich Kai-Nicolas Steimer nach dem Sprintsieg beim DWV noch diesen Long-Distance-Titel des DKV und Normen Weber wiederholte seinen Vorjahreserfolg in der Boardklasse bis 12'6''.

2013_DM_DKV

18 Bilder

Impressionen von der Deutschen Meisterschaft 2013

Ob der DKV die DM unbedingt auf fließendem Gewäser austragen muss, während die gesamte Saison in Deutschland ausschließlich auf stehendem Wasser Rennen gefahren werden, darüber lässt sich diskutieren, bleibt aber letztlich Entscheidung des Veranstalters. Aber ein "Long Distance" von nur 3,2 Kilometern mit ungeeigneten Bedingungen für einen fairen Start sorgte bei sehr vielen Fahrern für Unmut und war mal wieder Zündstoff für angeregte Diskussionen im Fahrerlager darüber, wie die Aktiven auf solche Dinge künftig Einfluss nehmen könnten.

Am Ende war es für die meisten eine spannende, neue Erfahrung, mal auf dem Rhein zu paddeln. Die andauernde Diskussion unter den Fahrern, wie viele Deutsche Meisterschaften wir künftig brauchen und welcher der geeignete Verband dafür ist, ist aber auch nach diesem Event wahrscheinlich noch nicht beendet. 

Toll für alle Noch-nicht-Stand-Up-Paddler – wie bei vielen Events in diesem Jahr: Auch hier hat der Veranstalter auf dem großzügigen Gelände vielen Herstellern Platz für ihre Produkte zur Verfügung gestellt. Wer Lust hatte, konnte die neuesten Boards und Paddel ausprobieren. Der Hersteller-Wanderzirkus zieht nun weiter. Nächster Stopp ist in Kemnade zur NP German SUP Trophy in zwei Wochen.

Ergebnisse DM 2013 (7 Damen, 23 Herren):

Damen 12'6'' Long Distance

Herren 12'6'' Long Distance

Herren 14' Long Distance

Damen Sprint

Herren Sprint

Themen: DM SUP DKVKöln SUP


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