Lost Mills – Die Schlacht ist geschlagen

  • Stephan Gölnitz
 • Publiziert vor 8 Jahren

So martialisch, wie das Ankündigungsplakat zum Lost Mills Race war, so kernig war auch das heutige Rennen. Gleich von Start weg zog Eric Terrien los auf seinem ultraschmalen Customboard. "Es war wie wenn du ins Casino gehst und alles riskierst" erklärt er nach dem Rennen.

Eric hat sie heute alle abgezockt

 "Ich wusste, dass ich nur so gewinnen kann, allein im glatten Wasser, nicht in der Meute." Nur eine Gruppe von vielleicht zwölf Paddlern konnte Anfangs unter der Führung von Peter Bartl dem hohen Tempo noch folgen, doch damit war schnell Schluss. Im strömenden Regen ließen die Verfolger den wagemutigen Franzosen leichtfertig ziehen und die 4000 Dollar Preisgeld einfahren. Vielleicht hatten sie ihn unterschätzt, gehofft, dass er einbricht? Ihm gelang jedenfalls das Husarenstück.

Das Feld folgt dem Flüchtigen

Und die knapp 17 Kilometer allein zu paddeln, ohne energiesparendes "Draften" in der Gruppe – das zählt am Ende doppelt. Knapp drei Minuten lag er nach Dreiviertel der Strecke vorne. Ein Vorsprung, den man so bei SUP-Races selten sieht. Eine Verfolgergruppe von sieben Fahrern lieferte sich ein hartes Finish, bei dem es am Ende nur um Sekunden ging. Erstaunlich klar gestaltete Sonja Hönscheid die Sache und fuhr auf die härtesten Konkurrentinnen einen Vorsprung von über einer Minute auf die Zweitplatzierte und knapp sechs Minuten auf die Dritte heraus und nahm dafür gleich 2000 Dollar mit.

Ergebnisse Platz 1 bis 26

Ergebnisse Platz 27 bis 54

Ergebnisse Platz 55 bis 79

Bei diesem harten Rennen mit zwei Sprints mit Board über den Damm zwischen kleinem und großem Brombachsee, blieben nur drei Fahrer auf der Strecke, alle anderen ließen sich nicht unter kriegen.

Nicht alle schafften es

Fotos schießen beim Start, dann schnell auf eine Fahrradrikscha springen und die Fahrer am Damm wieder vor die Linse bekommen, das war unser Plan. Bei rund zehn km/h Speed den die Fahrer schnurgerade über den See hinlegten, war das gegen die superschnelle Spitzengruppe eine mäßige Idee.

Schneller Start auf die 16,5 Kilometer

Sonja Hönscheid ganz oben

Auch die Damen hatten beim üppigen Preisgeld Grund zum Feiern

Gerade mal 15 Minuten war Eric Terrien unterwegs, ehe er das erste Mal sein Board unter den Arm klemmen und den 100-Meter-Spurt hinlegen musste. "Wo sind eigentlich die deutschen Fahrer" – die Frage stellte sich nicht nur die kleine deutsche Delegation, sondern auch einige der internationalen Teilnahmer. Ja wo sind sie denn? Leute, bei diesem Event ist die Gelegenheit an drei Tagen, mal ein Gratis-Seminar bei Jim Terell zu besuchen, die neusten Boards zu begrapschen, die vorher noch keiner gesehen hat, mit den Top-Ridern ein Bier zu trinken – denn auch wenn alle Superathleten sind, zumindest die Australier und Dänen lassen nach dem Rennen kein Bier und keinen Jägermeister verdunsten. So krönte dieses außergewöhnliche Race ein Drei-Tage-Vollprogramm. "Auch wenn die Organisation bei den schwierigen Bedingungen ab und zu mal hakelte – du hättest letzte Woche in Frankreich sein sollen. Da ist das hier schon ein Unterschied", lobte nach dem letzten Race ein Top-Fahrer die Veranstalter. Die hatten dann selbst bei Starkregen nach unaufhörlichem Quengeln der Kids doch noch die Nachwuchsförderung integriert und am Ende ein kurzes, schnelles Kinderrennen um tolle Playmobil-Preise gestartet.

Da haben manche Kids am Ende mehr abgesahnt als ihre Eltern.

Playmobil-Paradies für Paddel-Kids

Tosenden Beifall gab es zum Abschluss noch für die Extra-Ehrung von Casper Steinfath und Jamie Mitchell für die vielleicht sportlichste Geste, die man bei einem WM-Lauf gesehen hat - als die beiden Hand haltend nach hartem Rennen in Peru die letzte Welle bis zur Ziellinie genommen hatten.  

Die "Sportsmen of the year"

Themen: Lost Mills Ergebnis


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