Interview: Paul Ganse gewinnt Eurotour in Namur

15.05.2018 Gölnitz,Stephan - Paul Ganse gewinnt in Namur als erster Deutscher Teilnehmer einen Event der Eurotour. Wir haben ihn auf dem Weg zum nächsten Rennen in Frankreich auf dem Handy erwischt.

© Eurotour

sup-mag.de: Wie waren denn die Bedingungen, auf den Fotos sah es ja mal flach, mal welliger aus?
Paul: Es war wirklich glatt, das kann man nicht anders sagen. Es gab auch nicht viel Strömung, die einzigen Wellen, die wir hatten waren unsere eigenen und von den zwei Kamera-Booten.

Sind das Bedingungen, die dir eher liegen?
Auf jeden Fall. Das bin ich gewohnt, auf dem See trainiere ich jeden Tag, das waren Heimbedingungen.

Wie lang war denn die Strecke?
Ausgeschrieben waren 12, aber es waren 9,5 Kilometer.

Wie war denn deine Taktik? Auf den Bildern fährst du ja nicht von Anfang an vorne weg.
Mein Plan war wie immer, das hat sich nicht groß geändert: Beim Start gut rausfahren, direkt an die Führungsgruppe ran und erstmal gucken, wie sich das Rennen entwickelt. Das war diesmal auch der Plan, ich habe einen guten Start erwischt, bin danach aber leider einmal vom Brett abgestiegen. Da habe ich mich dann um Platz 20 wiedergefunden.  Ich konnte dann aber von Runde zu Runde vorfahren. In Runde zwei war es dann Platz 14 und zu Anfang von Runde drei Platz acht. Der Grundstein für den Erfolg war eigentlich die starke Teamarbeit mit Normen zusammen.

© Paul Ganse

Hattet ihr das vorher abgesprochen?
Nein, gar nichts. Das war total spontan. Normen hat in der letzten Runde als alter Wildwasserprofi gemerkt, dass der Fluss auf der linken Seite durch die Kurve steht. Wir sind einfach nach links raus. Ich bin dann mit Normen mitgegangen. Da konnten wir die andere Gruppe überholen, ohne dass die das so richtig mitbekommen haben, dass wir da attackieren. Wir sind anderthalb Kilometer gefahren und an der Gruppe vorbei gezogen. Wir mussten am Ende noch mal wechseln, um an der richtigen Seite unter der Brücke durch zu kommen. Da war der Punkt, wo Normen zu mir meinte "Paul geh links vorbei" da war bei ihm die Puste etwas raus, aber er wollte, dass einer von uns das Ding nach Hause fährt. Dann hab' ich einfach die letzten 500 Meter alles gegeben, um den ersten Platz zu verteidigen.

Hast du dein Training über den Winter speziell auf die Strecken der Eurotour abgestimmt?
Ja, ich habe – nachdem ich letztes Jahr erstmalig bei der Eurotour dabei war – viel mehr den Fokus auf Intervalle und die Attacken gesetzt. Ich wusste jetzt auch, welches Tempo die Jungs fahren und habe versucht auch die Grundbasis von den 10 km/h zu fahren und aus diesem Tempo heraus dann noch die Attacken zu fahren.

Das heißt, das Grundtempo ist 10 km/h?
Ja.

Wahnsinn. Wie hast du denn dein Tempo übers letzte Jahr gesteigert?
Ich hatte letztes Jahr beim Lost Mills mitbekommen, dass die so um die 10 km/h fahren. Ich habe dann probiert das zu trainieren, war aber eher so im Bereich 9,8 bis 9,7 km/h. Ich konnte die 10 km/h zwar fahren, aber die waren dann schon sehr extensiv. Ich habe mittlerweile als normales Grundtempo gut die "Zehn-Null", wenn nicht teilweise sogar die 10,4 und auch für längere Strecken.

© Paul Ganse

Welches Board und Paddel fährst du im Moment?
Das 2018er JP-Australis Flatwater Race 14x23 und dazu das 100-Prozent-Carbonpaddel, auch von JP, in 83er Größe.

23 Inch Breite ist jetzt gar nicht das Schmalste im Racing. Siehst du in schmaleren Boards für dich einen Sinn?
Für mich ist momentan 23 echt noch gut, weil ich denke, sonst wird es am Ende wieder schwer mit dem Chop. Wenn da 20 Leute am Start vorne lospreschen – ich rede jetzt mal von der Führungsgruppe – ist dahinter wirklich bis 20 Zentimeter Welle. Da wären für mich 21 Inch ein Problem von der Kippstabilität.

Du bist ja diesmal auch einmal vom Board gegangen. Was war denn da?
Das war eins zu eins die Nervosität. Wenn man weiß, dass man richtig trainiert hat und was man kann – und dann war das ja auch das eine Flachwasserrennen auf der Eurotour, das hat für mich nochmal einen besonderen Stellenwert, weil die anderen Rennen wieder Richtung Beachrace gehen und das war das Rennen, wo ich für mich die größte Chance gesehen habe - da war dann eine gewisse Nervosität drin. Als ich dann von einem Draft zum anderen wechseln wollte, habe ich – wie es halt mal so ist – Nervenflattern gehabt, einfach die falsche Seite vom Board getreten und dann lag ich im Wasser.

Wie geht es denn weiter bei dir? Nimmst du alle Stopps mit?
Nein, ich nehme nur die mit, wo ich mit dem Auto hinfahren kann. Ich fahre jetzt nach Frankreich zum Downwinder, setzte in Griechenland aus, das ist mit der Fliegerei und dem Material so ne Sache und bleibe gleich in Frankreich, dann weiter zur Costa Blanca und Scharbeutz.

Fährst du bei den Ocean-Races auch das gleiche Board?
Nein, da habe ich den Allwater dabei, auch in 14x23. Weil der einfach mehr Rocker hat und mehr Volumen in der Nose.

Wie ist denn momentan die Leistungsdichte auf der Tour?
Die Leistungsdichte hat sich nach oben sehr zusammen geschoben. Früher hatte man zwei drei Namen, mittlerweile ist die Top Ten, oder vielleicht sogar 10 bis 15 Leute, ein Gruppe, die zusammen bleibt und niemanden weg fahren lassen woll.

Könnte da jemand, der in Deutschland im vorderen Drittel etwa bei der Apls Trophy liegt, da auch mal mitfahren, oder fährt der am Ende ganz alleine?
In Deutschland sind ja meistens Normen, Steven, Ole und ich so ein bisschen die, die vorne fahren, und dann kommt die nächste Gruppe. Es ist auf der Eurotour auch ein ganz anderes Rennen. In Deutschland kommt der Start und dann passiert erstmal lange nicht viel. Zum Ende wird nochmal was gemacht. Das ist in der Eurotour komplett anders. Da ist andauernd Action, da wird ständig um jeden Platz gekämpft. Da wird auf einem Kilometer dreimal drum gekämpft, in der Draft-Kette einen Platz nach vorne zu kommen. Das ist interessant und abwechslungsreicher. Aber wer in Deutschland im vorderen Feld dabei ist, der ist auf der Eurotour vermutlich auch im mittleren Feld dabei.

Warum wird da um die Plätze im Draft so gekämpft?
Wenn ich das richtig wüsste, würde ich es gerne erklären. Bei manchen Leuten weiß ich es einfach nicht. Die sind dann wirklich hartnäckig und fangen auf einmal an, hinten raus zu brechen, um einen Platz gut zu machen. Ich denke manchmal ist das Problem, dass die Draft-Trains schon mal das Tempo runter nehmen und dann manche denken, sie könnten rausgehen und eine Attacke fahren. Wenn man aus dem Draft ausgeschert ist, aber dann feststellt, dass das doch nicht so einfach ist, dann wird versucht, beim Nächsten wieder einzuscheren, was zu Gerangel und Gekämpfe führt. Weil natürlich keiner einen vorlassen will. Außerdem kennt man die anderen Paddler ja nicht immer. Man weiß nicht, ob der Fahrer vor einem vielleicht den Draft abreißen lässt und man den kompletten Draft Train verliert. Deshalb wollen viele soweit wie möglichst vorne sein.

Wie stehen denn jetzt die Chancen bei den kommenden Rennen auf offenem Wasser?
Bei dem kommenden Downwinder wird es für mich echt hart, weil das ein ganz anderer Race-Stil ist. Aber auf den anderen Stopps sehe ich schon eine Chance, da vorne mitzufahren und anzugreifen. Ich habe die Power und die Basics, der Rest wird sich im Rennen zeigen.

Paul, vielen Dank und weiter viel Erfolg!

Interview: Stephan Gölnitz

Bereits im letzten Jahr haben wir einen Fahrtechnik mit Paul produziert. Wie man schnell und sicher um die Boje kommt, oder einfach nur souverän umdreht, erfährst du in den (ganz) unten verlinkten Videos!

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