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DM 2015 des DKV in Berlin – Zuschauerrekord und Adrenalin-Finale

  • Stephan Gölnitz
20.07.2015

So viele Besucher und echte, interessierte Zuschauer hat der SUP-Sport wahrscheinlich noch nie gesehen. Der Plan, die DM mit dem Tegeler Hafenfest zusammen zu legen, hat nicht nur geschätzte 35000 Besucher mit dem SUP in Kontakt gebracht, sondern auch bei den Teilnehmern für entsprechend meisterliche Stimmung gesorgt. Die Aktiven gaben dabei – teils unfreiwillig – alles, um den Sport so dynamisch und spannend wie möglich zu präsentieren. Zunehmend drängen jetzt die jungen Fahrerinnen und Fahrer ganz nach vorne.

Normen Weber heißt – mit Siegen im Sprint und auf der Langstrecke – der überlegene Paddler dieser DM bei den Herren in der Raceklasse. Doch gleich dahinter überrraschte der erst 17-jährige Ole Schwarz die meisten Konkurrenten. Auf der Sprintstrecke profitierte er von einer klugen Fahrweise, sich aus allen Kollisionen raushaltend, auf der Langstrecke konnte er gemeinsam mit Normen dem folgenden Feld souverän ein gutes Stück wegfahren. Macht zweimal DKV-Silber!

SUP-DM mit voll besetzter Tribüne schon bei den Vorläufen

Insgesamt wurden bei den Damen und Herren in zwei Boardklassen jeweils Medaillen für Sprints und Langstrecke vergeben. In der Raceklasse mit schmalen, schnellen Brettern bis 14 Fuß Länge, in der Malibu-Klasse auf Boards ohne Verdränger-Shape und Race-Inflatables bis maximal 12'6”. Die Punkte für die GSUPA-Rangliste mit dem sehr hohem Meisterschafts-Faktor gab's nur für Raceboardfahrer.

Als Premiere wurden auch in der Jugendklasse erstmalig die begehrten DKV-Meisternadeln verteilt, die jüngeren Schülerklassen fahren, nach Vorgabe des Deutschen Olympischen Sportbundes, keine Deutsche Meisterschaft aus, sondern eine "Deutsche Bestenermittliung".

Am ersten Tag liefen die Sprintrennen direkt vor der Promenade auf einem attraktiven Kurs mit mehreren Tonnenmanövern in beide Richtungen. Besonders Kai-Nikolas Steimer zeigte in allen Vorrunden-Heats, dass er auf dem Weg zur ersten Tonne einen Wahnsinns-Speed fahren kann – danach war es bei ihm eigentlich nur noch Verwaltung des Vorsprungs bis ins Ziel – zumindest bis zum Halbfinale.

Normen Weber paddelte sich im Ausscheidungsmodus eher unspektakulär ins Finale - der Profi fuhr nach dem Motto "ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss", so erschien es, fuhr dann im Finale eine beeindruckende Taktik. Wieder gab es einen imposanten Anzug von Steimer auf seinem kippstabilen Sprint-Board zur ersten Tonne, seine Bojenmanöver gehen dieses Jahr wie geschmiert. Normen Weber wackelte sich auf dem schmalen Board (er fährt alle Disziplinen auf dem gleichen Brett) teils fast beängstigend um die Bojen.

Doch trotz der nach außen manchmal spektakulär wirkenden Balance-Einlagen – irgendwie klebt der Wildwasser-Spezialist am Ende doch immer wie mit Saugfüßen an seinem Board und dreht mit engen Turns und steil im Wasser stehendem Board. Erst auf dem letzten langen Schenkel zeigte er dann wieder einmal die verfügbare Paddelpower auch auf längeren Sprintpassagen. Nach einem Sturz von Kai-Nikolas Steimer startete das Trio Steimer, Schwarz, Weber in dieser Reihenfolge von Tonne 3 zur Tonne 4, Normen nutzte den langen Schenkel für ein souveränes Überholmanöver und setzte sich bereits vor der letzten Boje an die Spitze, das Risiko eines letzten Tonnenmanövers im Gedrängel galt es wohl zu vermeiden, der anschließende Weg ins Ziel fiel nur noch unter Schaulaufen.

Im Damenfeld der Race-Klasse gab es gleich auf den ersten Metern auch die ersten Rempeleien einiger sehr dicht beieinander startender Teilnehmerinnen.

Paulina Herpel hielt sich da clever raus und sicherte sich einen Start-Ziel-Sieg, während dahinter Carol Scheunemann, Noelani Sach und Anja Schilling immer wieder hart um Platz 2 und drei kämpften, was für spürbare Spannung in der Luft sorgte und – mal wieder – für lange Diskussionen noch nach dem Zieldurchgang. Für Paulina Herpel ist das nach der DM des DWV in Köln der zweite Sprinttitel 2015. Auf der Langstrecke zeigte sich Carol Scheunemann zu Beginn bei moderaten Bedingungen stark und führte das Feld an. Mit einsetzendem Starkregen und viel Wind kam dann Noelani Sach offenbar am besten klar und sicherte sich mit gutem Abstand den ersten Platz.

In der Malibu-Klasse konnten Sonja Duschek und Johannes Girke jeweils einen Doppelsieg (Sprint/Langstrecke) einfahren. Während Sonja Duschek ihre bereits beachtliche DKV-Nadelsammlung der letzten Jahre souverän erweiterte, konnte der erst 19-jährige Johannes Girke, der wohl durch sein Windsurf-Kadertraining (als Olympia-Anwärter für Tokio 2020) auch am Paddel ziemlich fit zu sein scheint, sich die Titel im Sprint und auf der Langstrecke holen.

Veranstalter und Organisatoren haben – von kleineren Dingen, die man korrigieren kann, wie fehlende Heatboards – gezeigt, dass Berlin absolut DM-würdiges Pflaster bietet. Immerhin: Eine komplette Straße mitten zum Hafenfest als kostenloses Fahrerlager abzusperren, dazu gehört schon einiges und Freibier und Pastaparty findet man sonst auch bei nahezu keinem Event. Der vor Ort gelegene Kanu-Stützpunkt mit Duschen und allem Pipapo ergänzt das Set-up perfekt. Die Materialregelungen lassen wir heute mal raus – das ist ganz allgemein ein Extra-Thema wert. Dafür lieber auch als Teilnehmer noch mal: Danke für eine gelungene DM 2015 mit sportlich hochwertigen, super spannenden Wettkämpfen an einem würdigen Spot vor toller Kulisse!

Viele Fotos mit Action und Ambiente findest du hier: Facebook-Album

Ergebnisse Senioren:

Damen, Raceboard 14' Sprint 1. Paulina Herpel 2. Noelani Sach 3. Carol Scheunemann

Damen, Raceboard 14' Langstrecke: 1. Noelani Sach 2. Carol Scheunemann 3. Erna Stangl

Herren, Raceboard 14' Langstrecke:

1.  Normen Weber 2.  Ole Schwarz 3.  Paul Ganse

Herren, Raceboard 14' Sprint:

1.  Normen Weber 2.  Ole Schwarz 3.  Kai-Nicolas Steimer

Damen, Malibu-Klasse Langstrecke:

1. Sonja Duschek 2. Cornelia Schindler 3. Kathrin Blumenstock (nicht im Bild)

Damen Malibu-Klasse Sprint:

1. Sonja Duschek 2. Kathrin Blumenstock 3. Maxi Eggert

Herren, Malibu-Klasse Langstrecke:

1.  Johannes Girke 2. Stephan Gölnitz 3.  Andreas Wolter

Herren, Malibu-Klasse Sprint:

1.  Johannes Girke 2. Stephan Gölnitz 3. Sönke Woith

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