Chiemsee Marathon – SUP Alps Trophy 2016 – Bericht und Ergebnisse

  • Stephan Gölnitz
 • Publiziert vor 4 Jahren

Es sollte das Saisonfinale sein und besser hätte es wohl nicht laufen können. Badetemperaturen noch Ende September und wechselnde Bedingungen auf dem Kurs – von Flachwasser bis zum leichten Downwinder – die den wirklich kompletten SUP-Paddler forderten.

Ein stärkeres Feld hat es in diesem Jahr in Deutschland auf "nationaler" Ebene kaum gegeben. Das war die harte Währung auf der Langstrecke. Ein 12-Kilometer-Kurs rund um die Herreninsel, teils im Glattwasser, dann wieder von seitlich einlaufenden Dampferwellen zum wackeligen Parkett aufgeschaukelt und im letzen Drittel dann ein Downwinder ins Ziel, der die Führungsgruppe fahrtechnisch und taktisch forderte und im breiten Feld auch für den einen oder anderen Abgang sorgte. Vor allem der Sieg der erst 15-jährigen Laura Bartl sorgte für Überraschung, der Vater dreht den Spieß um und gewinnt gegen teils wesentlich jüngere Paddler.

Ein Strandstart sorgt – wie jede Startlinie – nicht immer für gleiche Bedingungen für alle Teilnehmer, doch für die Favoriten war reichlich Platz und so sprangen bei den Damen Laura Bartl, Noelani Sach und Carol Scheunemann nahezu zeitgleich auf die Bretter. Im Draft ging es so mit enormem Anfangsspeed auf auf den langen Kurs, Laura Bartl am "train" vorne weg und Carol Scheunemann seitlich nebenher. 

Laura Bartl

Aus Sicht der Gewinnerin Laura Bartl passierte dann das: "Bis zur ersten Insel bin ich neben der Carol gefahren, Noelani war immer zirka 100 Meter hinter uns. Nach der ersten Insel bin ich dann fortgefahren und war eigentlich immer allein. Die Renntaktik war vorher, immer dranzubleiben, an der Carol oder Noelani, und eher am Schluss anzugreifen. Ich mag das voll das Downwindfahren, zurück ging es ja Downwind. Und ich komm so selten dazu, so war das richtig lässig. Es war zwar ein eher kleiner Downwinder, áber man konnte das gut nutzen."

"Peter Bartl hat die Pace gemacht", beschreibt Normen Weber das Herrenrennen, "Peter Weidert ist dann zwischendurch mal zwei Kilometer ein bisschen neben ihm gefahren, dann haben die sich in der Führungarbeit abgewechselt. Ich hab mich immer schön auf der Welle gelangweilt. Dann war noch der Starboardfahrer hinter uns, der ist mal kurz neben mich gefahren, aber in den Wellen, die die Schiffe gemacht haben, ein bisschen abgefallen, hat sich aber immer wieder rangekämpft, am Ende ist er aber an der zweiten Insel abgerissen. Dann ging es dann Downwinder-mäßig los und ab der Herreninsel konnte jeder sein Rennen fahren. Der Peter Bartl trainiert das ja am besten und ich bin dann ziemlich schnell am Peter Weidert vorbei. Da war das Rennen dann entschieden. Jeder hat den Downwinder dann schon genutzt, es war ein schönes Rennen und ich bin mit meiner Platzierung zufrieden. Ich trainiere ja auf dem See oder Fluss, aber ich fahre jetzt mal eine Woche nach Fuerteventura und lass mir das da mal beibringen von der Susanne Lier und dann bin ich vielleicht nächstes Jahr etwas besser in Downwindbedingungen."

Für den Sieger Peter Bartl war es ein Rennen nach seinem Geschmack: "Ich bin beim Start ganz rechts alleine ohne Konkurrent weggekommen, dann habe ich eigentlich das Rennen die ersten drei Kilometer geführt. Ich hab den Draft geführt, da war auch ein Schweizer, der in Australien gelebt hat, dabei (Red.: Nico Schenk), den kein Mensch gekannt hatte. Den haben wir nicht auf der Rechnung gehabt. Ich hab nie zurück geschaut, aber ich schätze wir waren am Anfang so sechs bis zehn, am Schluss dann nur  noch vier. Der Peter hat dann die Chance gewittert, als es ruhig geworden ist hinter der Insel. Der hat dann richtig angeklopft. Ich hab das halten können, hinten war die Luft schon ein bissl dünner, ich bin im Seitendraft dran geblieben. Er hat halt gewusst, er muss – bis es wieder unruhig wird – ein bissl was setzen, hat er aber nicht geschafft. Dann haben die Dampferwellen angefangen. Ich hab gewusst, wenn ich bis zur Krautinsel vorne bin, dann sind meine Chancen recht gut, dass ich Top Drei fahre. Dann hab ich nach der Krautinsel im Downwinder angefangen mit links-rechts-fahren, da war kein Draften mahr möglich und dann habe ich in einem Kilometer so zehn Meter auf Normen gut gemacht. Dann noch ein bisschen mehr, dann war ich aber schon ziemlich am Limit, er ist dann nochmal wieder gekommen, aber diesmal bin ich's heim gefahren."

Nicht ganz in der Spitzengruppe, aber dafür mit mehr Wahrnehmung der Umwelt, schildert Arnd Dünzinger "sein" Rennen: "Es war ein traumhafter Tag am Chiemsee, die Bedinungen waren wunderbar, wir hatten über 20 Grad, das Wasser war warm. Zum Schluss kam noch ein schöner Downwinder zusammen, die letzen drei, vier Kilometer konnte man sogar kleine Bumps abreiten und sich dadurch in der Position noch verbessern, das habe ich auch ausgenutzt. Leider bin ich in der ersten Hälfte zweimal rein gefallen. Dadurch verlierst du ein paar Plätze. Ich war unkonzentriert, bin mit dem Paddel auf den Boden gekommen, wo es so flach war und ins Straucheln gekommen. Das Wasser war da nur hüfthoch. Es ist heute zwar schön, aber man muss sich heute sehr konzentrieren, den Speed zu halten, den Rhythmus zu finden. Wir sind alle durch den schönen Beach Start – was echt klasse ist – im Pulk losgekommen und lange zusammen geblieben. Ich bin jedenfalls zufrieden und Im Ranking Ü45 wird schon was geh'n. Vielleicht krieg ich ja heut meine eigenen Brez'n."

SUP alps Trophy Chiemsee 2016

20 Bilder

Action und Ambiente bei besten SUP-Bedingungen

Ein iSUP auf Rang acht, das macht hellhörig. Da haben wir mal nachgefragt, wer mit welchem Board in diesem starken Feld so flott unterwegs war. Hannes Aigner, gerade zurück aus Brasilien als Olympia-Vierter und Medaillengewinner 2012 hat den neuen Red Paddle so dermaßen über den Kurs gepusht: "Ich fahre normalerweise Kanu Slalom und bin da recht erfolgreich. Ich bin letztes Jahr zum Spaß ein SUP-Rennen mitgefahren, in Augsburg die Stadtmeisterschaft und diese Jahr  wollte ich eigentlich mehr Rennen fahren, hatte aber wegen Olympia keine Zeit. Jetzt hat es sich ergeben, habe mir gestern noch dieses Brett geholt. Ich dachte, hier sind nur Inflatables (lacht), aber... Na ja der Start war ganz gut, die erste Viertelstunde war ich in der ersten Gruppe mit dabei, aber danach wurde es zäh, da hab ich es nicht mehr geschafft, in der Welle zu bleiben und nach ner halben Stunde wurden die Knie weich. Es ist das erste Mal, dass ich so eine lange Strecke gefahren bin und da habe ich ganz schön kämpfen müssen, dass ich noch ins Ziel gekommen bin. Hier mit den Wellen, als die Beine schon beansprucht waren, da hat man dann keine Chance. Ich bin dann auch mal reingefallen, als ich den Anschluss an die Gruppe verloren hatte. Das Board ist das 2017er von Red Paddle mit ein paar neuen Features, es ist sehr hart und fühlt sich gut an. Wenn ich Zeit habe, möchte ich nächstes Jahr vielleicht ein paar mehr Rennen mitfahren, es ging dieses Jahr nicht, weil andere, wichtige Sachen anstanden, das ist im Verband so, da kann ich nicht sagen, "ich bin dann mal beim Stand-Up-Paddeln", dann gibt's Ärger."

Die Alps Trophy 2017 steht bereits, vermutlich mit neuen Anreizen auch für iSUP-Fahrer und auch für die gehobenen Altersklassen.

Perfekt geeignetes Eventgelände

Ergebnisse.

Herren Teil 1 >>Klick auf Bild<<

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Themen: Chiemsee Marathon SUP 2016SUP Alps Trophy Chiemsee 2016


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