Camp David SUP Worldcup Hamburg – ein Insiderbericht Camp David SUP Worldcup Hamburg – ein Insiderbericht Camp David SUP Worldcup Hamburg – ein Insiderbericht

Camp David SUP Worldcup Hamburg – ein Insiderbericht

 • Publiziert vor 7 Jahren

Während Namensvetter Kai Lenny als großer Favorit vorne weg paddelte, kämpfte Mistral-Teamrider Kai-Nicolas Steimer im Feld um jeden Punkt. Für den Deutschen Sprintmeister des DWV war es wie für viele andere Fahrer das erste internationale Rennen. Ein persönlicher Bericht von Kai, nicht nur über die Gewinner, sondern auch über die Fahrer, die mehr aus Spaß dabei waren.

Ein Teil der Deutschen Delegation: Kai, Rachmann, Simon, Andreas

Wohl jeder erinnert sich noch an das Gefühl, als man den ersten Schultag auf einer weiterführenden Schule hatte. Eigentlich ein Schultag wie jeder andere und doch ein Tag an dem alles anders ist. Mit wohl solch einem Gefühl startete ich in das lang ersehnte Wochenende des Hamburger SUP World CUPs. Bei dem ich mein erstes internationales Rennen bestreiten würde. Für mich begann das SUP-reiche Wochenende schon am Freitag. An diesem Tag paddelten Promis in verschieden Teams in einem Staffelrennen für einen Gutenzweck um die Tonnen. Nach drei Ausscheidungsläufen konnte mein Team sich gegen die Anderen behaupten und gewann das Staffelrennen. Die dreitausend Euro Preisgeld wurden der Stiftung "Brot für Not" gespendet. Diese doch sehr gemütlichen Rennen waren ein schönes Training um sich an die doch sehr besonderen Bedingungen im Hafenbecken zu gewöhnen.

Gegen Nachmittag begegneten einen immer öfter Größen der internationalen SUP-Szene auf dem Eventgelände. Das gab einen schon das Gefühl, dass die großen Rennen nur noch eine Wimperschlag entfernt waren.

Tolles Ambiente in der Hafen City

Schnell was Frühstücken und dann mit der Bahn von Harburg ab in die Stadt - so war der Plan. Aus dem schnellen Frühstück wurde nichts. Es ist echt nicht einfach mit einem mulmigen Gefühl im Magen genug rein zu bekommen, um Kraft für den Tag zu haben. Also schnell zum Bus – Mist, verpasst, 10 Minuten warten. Langsam wurde die Nervosität größer. Ich kann doch nicht zu meinem ersten Ridersmeeting der Worldtour zu spät kommen. Also mit den Öffies so nah wie möglich ans Eventgelände und den Rest des Weges mit Schweinsgalopp zurücklegen. So kann man sich auch warm machen. Das Eventgelände sah um 9 Uhr noch aus wie eine verlassene Goldgräberstadt. Kein Wunder, die Veranstalter sind auch wohl noch nicht ganz wach und fingen mit dem Ridersmeeting eine viertel Stunde später an. Puh, doch nicht zu spät. Der Stress hätte ich mir sparen könne, denn es gab ein umfangreiches Frühstücksbuffet. Punkt eins, was bei internationalen Veranstaltungen anders läuft, als ich es von den Deutschen Events kenne: Es gibt Essen.

Nach einem ausführlichen Meeting, hieß es für mich zuerst mal die Amateure anfeuern, denn die Profis würden erst nach der ersten Ausscheidungsrunde der Amateure starten. Gegen halb 11 startete mein Mitbewohner Simon Post. Den ersten Heat gewann er souverän, das würde bei mir wohl nicht so laufen, dachte ich mir. Ich hatte einen der schwersten Vorrundenheats bei den Profis erwischt, mit Leonard Nika, Fabrizio Gasbarro, Paul Jackson und Eric Terrien sind vier Profis in meinen Vorlauf, bei dem sich nur vier für die nächste Runde qualifizieren. Das wird hart für Christian Hahn und mich in die nächste Runde zu kommen. Naja, ruhig bleiben und positiv denken, vielleicht machen Pros ja auch Fehler! So jetzt ist es so weit, ich sitze mit allen in einer Reihe auf der Startlinie. Gestartet wir mal ganz anders als wir das in Deutschland bis jetzt machen. Im Sitzen, Beine im Wasser. Zum Glück hatte ich im Vorfeld von Peter Bartl mitbekommen, dass der Start so ablaufen wird und hab ihn etwas geübt. Der Start war nicht der Beste. Als fast letzter bin ich aufgesprungen.

wenn das Startkommando "Dann legen wir jetzt los und los" ist. Egal! Jetzt einfach alles geben, mal sehen wie mein Speed so zu den andern ist.

Neben mir Eric, der mit seinem 24‘5 breiten Board in meiner Seitenwelle echt zu kämpfen hat. Bis zur ersten Tonne ist noch alles offen. Eric und ich sind gleich auf im Kampf um Platz vier, Fabrizio ungefähr 3 Meter vor uns. Gut, dass ich innen bin. Jetzt sauber törnen und ich bin vor Eric. Super, es hat geklappt! Nach der Kurve kann ich gut beschleunigen und mich 2 Meter vor Eric setzen. Es ist echt ein cooles, aber auch zugleich echt beängstigendes Gefühl, den Europameister im Nacken zu haben. Hoffentlich kann ich meinen Speed halten und die letzten drei Kurven sicher fahren. Erste von den restlichen Kurven geschafft noch mal beschleunigen, nur noch ein paar Meter bis zur vorletzten Tonne. Platsch! Was war das? Einmal über die Schulter schielen. Geil, Eric ist reingefallen. Jetzt einfach ruhig weiterfahren und ich bin eine Runde weiter. Tatsächlich ich kann die Position halten und komme in die nächste Runde. Einerseits freue ich mich, andererseits kommt jetzt schon die dumpfe Vorahnung, dass die nächste auch meine letzte Runde ist. Aber erst mal wieder die Amateure mit der zweiten Ausscheidungsrunde. Super, Simon kommt noch mal eine Runde weiter.

Simon wird Dritter im Amateursprint.

So jetzt wieder konzentrieren, mein Lauf ist gleich dran. Beim Rauspaddeln zur Startlinie ein kurzer Check, wer jetzt in meinem Heat ist. Wieder die drei aus der Vorrunde, die vor mir waren: Nika, Paul und Fabrizio. Und wer ist aus der Hoffnungsrunde in meinem Heat aufgestiegen? Misst, Peter Weidert, ein superstarker deutscher Kanute, der auch echt schnell auf der Geraden ist.

Naja, wieder positiv denken und alles auf eine Karte setzen. Nach einem supergenialen Start bin ich auf den ersten zehn Metern Zweiter. Bis zur Tonne bin ich noch im Rennen und kämpfe mit Peter um Position drei. Leider ist er an der ersten Tonne innen. Ich nehme Speed raus und hoffe, dass er eine Lücke lässt - vielleicht kann ich mich noch zwischen ihn und die Tonne quetschen. Tatsächlich er lässt einen halben Meter Platz und ich schiebe mich dazwischen. Geil als erster um die Tonne. Aber leider packt Peter seine Kanuerfahrung aus und rast los. Ich gebe alles aber muss ganz schön mit seiner Heckwelle kämpfen und hinter mir kommt schon Fabrizio mit kräftigen Zügen angepflügt. Letztendlich überholt er mich noch. Damit ist für mich im Sprint der Pros an dieser Stelle Schluss. Simon hingegen konnte sich sogar für das Finale qualifizieren. Dort musste er sich nur den beiden starken Dänen, Oliver Hartkopp und Peter Steinfath, aus Dänemark geschlagen geben und landete so bei dem Sprint der Amateure auf Rang 3.

Schlüsselszene an der Boje.

Dann wurde es richtig spannend, das Finale der Pros stand an. Nach dem Startsignal nagelte mein Namensvetter Kai Lenny in Richtung erster Tonne. Mit unglaublichem Speed raste er durch das kabbelige Hafenwasser, sodass er eine Spray wie ein Speedboot erzeugte. Am Ende wurde es für den Favoriten aus Hawaii ein Start-Ziel-Sieg und ich merkte, dass noch einiges an Training vor mir liegt. Nach der gut moderierten Siegerehrung mit viel verspritztem Sekt, ging es noch einmal kurz ins "Sky and Sands", dem höchsten Beachclub Hamburgs, in dem die Aftershowparty des Events stattfand.

Also kurz mit den bekannten Gesichtern quatschen und dann ging es nach Hause. Am dritten und letzten Veranstaltungstag ging es für mich gemütlicher in die Stadt, mit dem Wissen, dass man dort ausgiebig frühstücken konnte. Nach dem Skippersmeeting ging es direkt im Anschluss um 10 Uhr für die Amateure auf die 5 km Langstrecke. Leider spielte das Wetter an diesem Tag nicht so mit wie am Vortag und so mussten die Amateure einen Großteil der 5 Runden im Regen paddeln. Auch in diesem Rennen konnte sich Simon behaupten und wurde durch taktisches Fahren wieder Dritter in der Klasse bis 12'6''.

Für die Pros fing der Renntag etwas gemütlicher an, da wir erst um 14 Uhr auf die 10 km Strecke geschickt wurden. Vor dem Langstreckenrennen war ich weniger aufgeregt, als vor dem Sprint. Das liegt daran, dass dies momentan noch nicht zu meiner stärksten Disziplin gehört.

Kurz vor 14 Uhr ging es zur Startaufstellung. Ich suchte mir eine gute Startposition, damit ich nach dem Start die Möglichkeit hatte, mich gut im Feld zu platzieren. Auf der Startlinie war es echt eng und man hatte kaum Platz sein Paddel beim Aufstehen quer auf das Brett zu legen. Naja, damit muss man wohl zurechtkommen. Startsignal: ich komme super auf die Beine und gebe Vollgas. Am Anfang lag ich noch ganz gut im Feld doch. Kurz vor der Brücke wurde ich von Brain Talma und Fabrizio Gasparo eingeklemmt und konnte nicht mehr paddeln. So ein Mist. Ich lasse die beiden passieren und gebe wieder Gas. Man, so hart war noch nie ein Start bei einem Rennen. Es fühlte sich an, als wollte man auf Omas Streusselkuchen fahren. Von allen Seiten kamen Wellen und es war für die Beine wohl anstrengender, als für den Rest des Körpers. Ich konnte meine Rundenzeit über die zehn Runden konstant halten, was mich freute. Die Topfahrer hatten ein echt hohes Tempo an den Tag gelegt und so wurde ich von Kai Lenny und seinem Verfolgerfeld in der vorletzten Runde überrundet. Kurzzeitig fühlte ich mich wie einer der Verfolger Kais.

Es war wohl die Stimmung beim Langstreckenrennen, die alle Pros zur Höchstleistung trieben. Trotz des Regens, waren zahlreiche Zuschauer erschienen, die Schutz unter den überhängenden Häusern an den Magellan Terrassen suchten. Man fühlte sich wie bei einem "Tour de France"-Rennen, fast die komplette Strecke über wurde man angefeuert und bejubelt. Annabel Anderson, die Gewinnerin der Frauen hat die Rennen wohl passend beschrieben: Es macht nicht unbedingt Spaß in einer Waschmaschine, in der von allen Seiten Wasser spritzt zu paddeln aber man macht das Beste draus.

Nach der Siegerehrung am Nachmittag war ein sehr spannender und schön organisierter Wettbewerb zu Ende. Ich bin sehr froh, dass ich ein Teil des Events gewesen bin und bei den Profi-Rennen so viele Erfahrungen sammeln konnte, wie schon lange nicht mehr. Mein Muskelkater wird mir wohl noch ein paar Tage als Andenken bleiben. Hoffentlich findet dieses Event in den nächsten Jahren weiterhin statt, denn so nah wie in Hamburg können die Zuschauer dem Renngeschehen nirgendwo sein.

Die Sieger des CAMP DAVID SUP World Cup Pro Damen Sprint 1. Annabel Anderson (NZL) 2. Manca Notar (SLO) 3. Angela Jackson (AUS) Pro Damen Long Distance 1. Annabel Anderson (NZL) 2. Sonja Hönscheid (D) 3. Angela Jackson (AUS) Amateur Damen Sprint 1. Jade Ottema (NL) 2. Kimi Zupancic (SLO) 3. Lucie Reinhold (D) Amateur Damen Long Distance 1. Jade Ottema (NL) 2. Lucie Reinhold (D) 3. Kimi Zupancic (SLO) Pro Herren Sprint 1. Kai Lenny (USA) 2. Leonard Nika (ITA) 3. Casper Steinfath (DK) Pro Herren Long Distance 1. Kai Lenny (USA) 2. Beau O’Brian (AUS) 3. Casper Steinfath (DK) Amateur Herren Sprint 1. Oliver Hartkopp (DK) 2. Peter Steinfath (DK) 3. Simon Post (D)                      Amateur Herren Long Distance 1. Oliver Hartkopp (DK) 2. Peter Steinfath (DK) 3. Stephan Gölnitz (D)  

Themen: Camp David Worldcup Hamburg


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