Interview: Waterman Laird Hamilton Interview: Waterman Laird Hamilton Interview: Waterman Laird Hamilton

Interview: Waterman Laird Hamilton

  • Steve Chismar
 • Publiziert vor 6 Jahren

Mehr Fisch als Mensch: Gott ist Laird und Laird ist Gott – so sieht es jedenfalls die Big-Wave-Surfgemeinde. Laird ist nicht nur Gottwater des Tow-in-Surfens, er ist auch der wahre Erfinder des Stand-Up-Paddelns.

Tom Servais Laird Hamilton liebt hohe Wellen: Tehaupoo, Tahiti

Wie würdest du einem Alien das Element Wasser beschreiben?LAIRD: Wasser ist das Element der größten Wichtigkeit auf Erden. Wir bestehen aus fast 80 Prozent Wasser, wir reinigen uns damit, wir heilen uns damit, wir trinken es.

Trinkst du viel Wasser am Tag? Ja, ich trinke viel, aber manchmal nicht genug und nie Flaschenwasser. Ich trinke destilliertes Wasser, das ist das Beste für den Körper. Wasser bedeckt fast unseren gesamten Planeten. Gefroren verwandelt es sich zu einem anderen Element: Eis. Eis kann Lebensmittel und andere Dinge erhalten. Wenn man in einer Stadt den Wasserhahn abdreht, entsteht nach einigen Tagen schon Chaos. Es ist die Essenz unseres Lebens und die Essenz des Vergnügens. Wasser ist in beiden Formen – Schnee und Wasser – vor allem die Substanz, die viel Spaß bringt (lacht). Vor allem deinem Vergnügen als Waterman und Surfer. Surfst du heute auch noch ohne Paddel? Natürlich, ich bin in erster Linie ein Wellereiter.

Bei all den Wassersportarten: Hast du eine Lieblingsdisziplin? Wenn es keine Geräte gäbe, würde mir Bodysurfen voll und ganz reichen. Jede meiner Surf-Disziplinen hat eine andere Bewegung und Dynamik: Surfen in großen Wellen, Foil-Surfen, Stand-up-Paddeln, Windsurfen, Kite-Surfen. Zurzeit konzentriere ich mich auf Stand-up-Paddeln und Foil-Surfen in großen Wellen. Große Wellen gibt es nicht jeden Tag, deshalb bin ich die meiste Zeit auf einem Stand-up-Brett. Es ist das vielseitigste Gerät im Wasser. Aber es gibt für mich nichts Schöneres als ein großer, alter Tanker. Die Freiheit, darauf herumzulaufen, mit den Shorts zu surfen. Das, was sie in den alten Tagen in Waikiki gemacht haben. Das originale Malibu-Surfen. Aber es ist wie beim Lieblingsessen: Mann kann es nicht andauernd essen, man braucht die Abwechslung.

Sylvain Cazenave Laird probiert immer wieder neue Wassersportarten: Geburt des SUP 1995 auf Maui, Hawaii.

Wird es dir schnell langweilig und suchst du deswegen den Kick in Monsterwellen? Ich liebe es, Monsterwellen abzureiten, da wird es mir nie langweilig, weil sie so selten vorkommen. Das ist das Problem – nein: Das ist der ewige Anziehungsmechanismus, der aus dieser Abstinenz entsteht. Wenn ich täglich Riesenwellen surfen könnte, dann hätte ich mir schon längst eine neue Beschäftigung gesucht.

Welches Gerät wählst du am liebsten in Riesenwellen? Je größer es wird, desto eher greife ich zum Tow-in-Surfer; seit kurzer Zeit auch zum Foil-Surfer.

Du bist im Wettkampf nie der große Meister geworden. Warum? Wenn ich in vielen Diszi­plinen eine meisterliche Ebene erlange und damit einer von Wenigen bin, ist das für mich eine höhere Leistung, als nur in einer Disziplin Meister zu sein. Das Wichtige dabei ist, an der Lernkurve Spaß zu haben. Am Anfang steht die steilste Lernkurve. Da lernt man am meisten, erlebt die größten Einheiten einer Evolution: Von ,es-überhaupt-nicht-können‘ zu ,es-einigermaßen-können‘ bis hin zu ,­es-meisterlich-können‘. Später kommen die kleinen Sprenkler, aber der große Anreiz ist verflogen. Ich habe oft darüber ge­grübelt, ob ich mich auf eine Sportart ­festlege, um in dieser Disziplin der ­absolute Meister zu werden.

Und warum hast du es nicht gemacht? Absolut langweilig. Es wäre für mich wie Gefängnis! Wie in einer Falle! Die vielen Disziplinen haben mir in den Einzelnen geholfen. Mein Snowboarden hat mein Wellenreiten verbessert. Und natürlich habe ich erst durch das Wellenreiten so gut Snowboarden gelernt.

Ist es nur die Welle, die dich an den Wassersport bindet? Nein, ich liebe auch das Paddeln im Kanu aber vor allem beim SUP. Und ich liebe ebenso den Ausdauer-Aspekt dieser Sportarten.

Da könntest du auch Rad fahren. Ja – das liebe ich auch. Ich fahre von Meereshöhe fünf Stunden auf den ­Haleakala (Anm. d. Red.: mit 3.055 m der höchste Berg Mauis) hoch. Ich liebe das mentale Spiel, die Herausforderung. Ich liebe Dinge, die mir unheimlich viel abverlangen.

Oder die mentale und physische Herausforderung einer großen Welle? Ja, aber auch die Energie der eigentlichen Herausforderung, die Energie des Ziels. Sie kann mich in positive Spannung versetzen. Und die Erfüllung, an die Spitze des Berges gekommen zu sein, die Monsterwelle überlebt, die neue Sportart gemeistert zu haben. Nach dem Motto: Hey, ich habe was angefangen und vollendet.

Wäre es für dich keine erstrebenswerte Herausforderung ge­wesen, wie Robby Naish einst beim Windsurfen der Beste zu sein? Als ich mich auf Windsurfen konzentriert habe, gab’s in großen Wellen keinen Besseren wie mich (lacht zynisch). Ich will damit nicht sagen, ich sei der Beste; aber auch heute, wenn ich in großen Wellen surfe, windsurfe oder stand-up-paddle, kann ich – aufgrund meiner großen Erfahrung in Wellen – Dinge machen, die andere nicht machen.

Sponsoren reißen sich heute noch um dich. Beneiden dich Weltklasse-Wassersportler für diese Eigenschaft? Ich bin auf Hawaii aufgewachsen und Hawaii ist in den Wellen ein ­aggressives Territorium. Ich bin früher wegen meiner Hautfarbe gehasst worden. Ob mich jemand beneidet, geht komplett an mir vorbei. Meine Freunde wie Dave Kalama sind mir wichtig. Was die anderen denken oder nicht denken, ist mir egal. Wenn dich jemand ohne Grund wegen der Hautfarbe hasst, ist das dumm. Ich glaube, ich stehe auf einem anderen Level als viele Wett­kampfathleten, da ist kein Neid. Ich steh allein da, hier drüben im Nebel oder wie du es bezeichnen möchtest (lacht), ich bin für die keine direkte Bedrohung.

Sylvain Cazenave Laird Hamilton in seinem Element Wasser

Außer in riesen Wellen wie Jaws, die zum großen Kommerz aller Surf-Profis geworden sind. Ja, aber es waren die Tow-in-Gang und ich, die diese Welle erst für alle anderen greifbar gemacht haben. Wir haben unser Anrecht auf diese Welle gesichert. Das müssen die respektieren – und wenn sie es nicht tun, haben wir ein Problem (lacht gurgelnd).

Was heißt respektieren? Dürfen nur die nach Jaws, die ihr einladet? Nein, es geht um unsere und ihre Sicherheit. Wir passen auf, dass niemand verletzt wird. Das gilt in jeder Welle, auch in Teahoopo in Tahiti.

Ist das Localism? Nein, Localism existiert an Land oder in kleinen Wellen, wo kaum Platz ist. Wir sprechen hier von einer Riesenwelle. Die kann lebensbedrohlich sein. Unsere Aggressivität ist zur Sicherheit der Unerfahrenen. Wenn die sich selber bedrohen, sind sie für uns eine Bedrohung. Die gehen raus, tun sich weh und wir müssen sie retten. Wenn irgendetwas Schlimmeres in dieser Welle passiert, werden wir zur Rechenschaft gezogen. Klar, in der Welle gibt es Attitüde, Aggressivität; das Ego spielt da eine Rolle.

Dein Ego wollte nie einen Weltmeistertitel in der Welle? Nein, ich brauch’ nicht irgendwelche Richter, die über mich und meine Leistung entscheiden. Ich brauche die Freiheit. Ich brauch’ keine Startlinie und kein Ziel. Ich respektiere diese Art des Sports – aber ich bin anders.

Du reist viel im Flieger. Was sagst du deinem Nachbarn, wenn dich einer fragt, was du machst? Als erstes sage ich, dass ich ein Athlet bin.

Warum sagst du nicht einfach, du bist Surfer? Das hat bei uns nicht immer etwas Positives: Es wird in Verbindung gebracht mit Faulsein, Drogenkonsum usw. Der Stereotyp-Surfer wird als dumm bezeichnet. Wenn ich dann sage, ich sei Surfer, fragen sie, wie man damit Geld verdienen kann. Aber wenn man einen kleinen Ball in ein kleines Loch schieben oder über ein Netz schlagen kann, wird man respektiert. Für mich sind Surfer die besten Athleten der Welt. Wellenreiten ist grenzenlos, man kann es überall und zu jeder Jahreszeit machen. Ich meine, die surfen Riesenwellen in Alaska und Miniwellen in München.

Wenn du an einem See vorbei fährst und siehst einen Stand-up-Paddler, denkst du da so was wie: Wenn ich nicht gewesen wäre, stünde der nicht da? Nein, da sage ich mir immer: Ich wusste damals, dass ich nicht verrückt war, wie alle auf Hawaii behauptet haben. Ich bin auch glücklich, wenn so viele Menschen Spaß beim SUP haben wie ich.

Nicht immer hat die Wellenreitgemeinde in Malibu, deiner zweiten Heimat, positiv auf dich reagiert. SUP ist für viele Wellenreiter ein Dorn im Auge, und du bist der Gottvater des SUP. Blame Laird, es ist Lairds Schuld, hat man sogar auf deine Hauswand geschrieben. Bekommst du das heute noch zu spüren? Es traut sich keiner, mich persönlich zu kritisieren. Aber ich werde wohl immer mit SUP in Verbindung gebracht werden. Heute ist SUP in der Surfgemeinde als neue Disziplin akzeptiert. Und ich muss dazu sagen: 80 Prozent der Stand-up-Paddler meiden die Wellen und haben Spaß im Flachwasser und in Flüssen. Da erübrigt sich das Problem.

Ben Thouard Mit Meeressäugern teilt sich Mister Waterman gerne mal eine Welle. Mit Menschen pflegt er lieber seine Dominanz auf dem Wasser.

Du hast eine schöne Frau und zwei Kinder. Gehst du mit ihnen Stand-up-Padddeln? Noch nicht. Eher boogieboarden.

In Hawaii ist es die höchste Ehre, Waterman genannt zu werden. Würdest du dich selber als Waterman bezeichnen? Ja, weil ich jeden Aspekt des Ozeans liebe und respektiere.

Wie würdest du selbst einen Waterman definieren? Als jemanden, der alle Aspekte des Ozeans versteht. Er muss in allen Situation im Meer überleben können. Aber er muss auch die Vielfalt seines Könnens im Ozean zeigen. Watermen schwimmen gut, können Kanus in Wellen steuern, Klippenspringen, Surfen, Boogieboarden, Bodyboarden, Segeln, Fischen. Die Polinesier waren echte Watermen. Ein Waterman ver­steht das Wasser. Moderne Watermen sind vielschichtig, aber vielleicht ist es nur ein Konstrukt, eine Art, wie man das Leben sieht.

Wie siehst du das Leben als Waterman? Ist es heute reiner Kommerz, ein Leben ohne Soul? Nein, das Leben als Waterman hat nichts an seiner Bedeutung verloren. Ich sehe die Art und Weise, wie wir Geld verdienen, als ein Teilen. Wenn wir Bilder von Ritten auf großen Wellen veröffentlichen, zeigen wir, wie einzigartig der Ozean ist. Duke Kahanamoku hat auch nicht gesagt: Ich schwimme keine Olympiade, weil ich Purist bin und nur für mich schwimme. Nein, er ist gekommen und hat der Welt gezeigt, wie man richtig schwimmt. Es ist ein Phänomen, das wir teilen müssen, weil wir es können.

Bist du ein Duke der Neuzeit? Nein, aber ich glaube wir zeigen der Welt heute, wie man Monsterwellen abreiten kann. Was mir viel mehr Angst macht ist, wenn einer kommt und sagt: Ich gebe dir 1.000 Dollar und dafür reitest du die größte Welle ab. Mit so einem Foto wird tatsächlich der Soul-Aspekt des Wellen­reitens in großen Wellen gestohlen. Da wird jeder eingeladen, eine große Welle zu surfen, nur um viel Geld zu verdienen. Das ist gefährlich. Besser wäre, die besten der Welt einzuladen, dies zu tun. Was die mit ihren XXL-Awards machen, das ist ein helles Licht mit einem dicken Schatten.

Findest du es schlimm, wenn man mit Bildveröffentlichungen Geld verdient? Nein. Ich lebe ja selbst von solchen Veröffentlichungen. Ich habe Kinder, eine Frau, ein Haus. Heute kann man nicht ohne Geld leben. Ich wünschte, ich könnte in einer Welt ohne Geld leben.

Wie würdest du dir dann ein Haus bauen? Ich würde in den Wald gehen, der niemandem gehört, und mir das Holz für mein Haus schlagen. Wenn ich hungrig wäre, würde ich jagen gehen.

Sylvain Cazenave Laird Hamilton hält zahme Wildschweine auf seinem Gut auf Kauai, Hawaii.

Wie unsere Vorfahren, die alten Jäger und Sammler … Das wäre für mich eine interessante Zeit zum Leben. Aber ich lebe nicht in dieser Zeit. Ich fliege mit dem Flugzeug, zahle dem Staat Steuern, selbst fürs Parken muss ich Geld zücken, es hört nie auf. Dann kommen Leute und fragen mich: Tow-Surfen, ist das wirklich pures Soul-Surfen? Sind die Bretter aus naturverträg­lichen Materialien gebaut? Nein, natürlich nicht. Aber ich finde es unglaublich, dass ich mit einem Jetski fahre, der mehrmals in Riesenwellen gewaschen werden kann und sofort wieder anspringt, wenn man Leben retten muss. Hubschrauber retten auch Leben.

Hubschrauber können in Kriegen auch Leben töten. Der Missbrauch von Dingen kann schrecklich sein. Ich glaube nicht, dass wir in unseren Wellen den Ozean missbrauchen. Ich glaube, dass Wettkämpfe den Soul des Sports missbrauchen.

Das ist eine harte Aussage. Aber die Wahrheit. Die meisten Surfer sind wie ich, Geld hin oder her. Sie lieben, was sie tun, und sie tun es am liebsten zu jeder Zeit. Ich bin an der Pipeline auf Oahu aufgewachsen. Mein Vater (Anm. d. Red.: er meint seinen Stiefvater. Sein richtiger Vater lebt in Kalifornien, er hat ihn mit 22 ein Mal gesehen) war ein Champion-Surfer und ich habe miterlebt, wie er von den Judges fehlbeurteilt wurde. Das hat mich gebrandmarkt.

Pipeline ist eine der gefährlichsten Wellen der Welt. Hast du dort Surfen gelernt? Ja, und deswegen liebe ich alles, was groß ist – alles: große Wellen, große Klippen, starken Wind, hohe Geschwindigkeiten.

Wer hatte bisher den größten Einfluss auf dich? (Überlegt kurz) Gott! (lacht sich schlapp). Meine Mutter und mein ­Vater. Meine Mutter ist vor etwa zehn Jahren an meinem Geburtstag gestorben. Sie war sehr klug und hat mich immer unterstützt. Sie hat an meine Träume geglaubt. Sie hat gesagt: Wenn du nicht ehrlich zu dir selbst sein kannst, kannst du anderen gegenüber auch nicht ehrlich sein.

Warum bist du so ein Haudegen in der Welle geworden? Das war immer schon so. Mein Vater pflegte zu sagen: Du wirst zum Big-Wave-Rider geboren. Ich hatte es in mir. Da war die Situation, als Weißer in Hawaii aufgewachsen zu sein …

Wolltest du es den anderen beweisen? Absolut, ich hab’ meine Aggressivität kultiviert. Wenn mich ein Größerer verprügeln wollte, sagte ich: Du willst mich verprügeln? Dann spring von ­einer höheren Klippe als ich. Ich bin immer von der höheren Klippe gesprungen. Die dachten, ich sei verrückt. Sie sahen da einen, der über ihre Grenzen ging. Ich verschaffte mir Respekt und machte ihnen dabei Angst. Sie dachten sich vielleicht: Lasst ihn in Ruhe, irgendetwas stimmt mit dem nicht.

Sie dachten du bist ein Psycho. Ja, eine Art Abwehrmechanismus in einer Umgebung, die gegenüber Weißen aggressiv war. Mein Bruder wurde von einem Local verprügelt, den ich dann verprügelte. Mein Vater musste sich mit dem Vater des anderen prügeln. So bin ich aufgewachsen. Gewalt und Rassismus.

Sylvain Cazenave Laird Hamilton tanzt auf dem Wasser

Wenn du Wellen reitest, ist das eine Befreiung von all dem – und eine Art, dich ohne Gewalt aus­zudrücken? Nein (gießt sich Wasser ins Glas und lacht)! Ich muss mich nicht ausdrücken. Ich bin nicht intro­vertiert, wie mein Freund Dave zum Beispiel. Ich liebe Menschen, ich bin ein sozialer Mensch, interagiere gerne, bin aber auch gerne mal alleine. Aber weil ich so bewusst bin, genau merke, was um mich herum passiert, flüchte ich gerne an einen Ort, wo ich mir nicht im Weg stehe, an einen Ort, wo ich mich wirklich lebendig fühle. Ich sehne mich förmlich danach. Ich ersehne die Intensität, den Adrenalinschub, den Fokus auf ein Sache. Ich sehne mich nach einer unbändigen Energie. Dieser Ort sind große Wellen. Jede meiner Zellen, alle meine Sinne, all mein Können wird in großen ­Wellen gefordert. Genau dafür habe ich mein ganzes Leben gearbeitet, um dieses Können zu erlangen.

Gibt es jemanden, zu dem du aufschaust? José Angel, einer der Old-School-Big-Wave-Riders. Er war Rektor einer Schule und hatte Familie und Kinder. Der würde eine Welle in Waimea reiten und absichtlich einen Rückwärtssalto von der Lippe machen. Er ist bei hoher Brandung von Wamea nach Sunset Beach geschwommen. Er starb beim Tauchen. Man sagte, er sei furchtlos gewesen. Ich glaube eher, er hat sich der Angst gestellt. Ich bewundere alle Big-Wave-Pioniere.

Gibt es heute jemanden, den du bewunderst? Ja, Jerry Lopez. Ich bin in Pipeline aufgewachsen, als Jerry einfach nur Jerry war. Er war Mr. Pipeline! Er war unser Nachbar. Ich liebte als Junge seinen Style.

Heute bist du ein Vorbild. Ich möchte kein Vorbild sein. Ich wünsche nichts von mir in irgend jemandem (lacht hämisch). Niemand würde wirklich in meiner Gedankenwelt leben wollen.

Das macht einem ja Angst. Hast du keine positiven Gedanken für deine Fans? Doch: Träume, und lebe deine Träume. Glaube an dich, dann wirst du respektiert. Aber so sein wollen wie jemand anders, auch wenn er Laird heißt, empfehle ich niemandem.

Aber der gute Mann in dir ist doch nachahmenswert? Ich sehe Männer aus einer anderen Perspektive – zum Teil, weil mein richtiger Vater abgehauen ist und die nachfolgenden Männer Arschlöcher waren – bis mein Stiefvater kam. Mein bester Freund Dave ist für mich auch ein Idol. Wir haben uns lange ohne Worte verstanden.

Du hast als Double und Stuntman in einigen Filmen – etwa in Waterwold mit Kevin Costner oder The Descendents mit George Clooney – mitgewirkt. Wärst du gerne ein Moviestar? Glaub mir, es gibt nichts weniger Glamouröses als der Set bei einem Film. Aber ich muss zugeben, diese Herausforderung würde mir Spaß machen. Als Moviestar hat man viel Einfluss und damit auch viel Verantwortung. Mit dieser Verantwortung richtig und weise umzugehen, macht einen richtigen Star aus.

Du bist auch ein Star. Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, hat es gereicht: Ich habe getan, was ich tun musste.

Du musstest große Wellen reiten. Steckt da etwas Philosophisches dahinter? Wenn der Mount Everest in deinem Garten steht, wirst du ihn eines ­Tages auch besteigen. Auf den Zeitpunkt kommt es an. Mein Vater sagte mal: Surfen ist die Fähigkeit, zu ­wissen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Wenn die Welle gibt, nimmst du, wenn die Welle nimmt, gibst du. Es ist ein stetiges Geben und Nehmen. Das ist die wahre Kunst des Lebens und des Menschen auf dieser Erde. 

Tom Servais Laird Hamilton – ohne Wasser kann er nicht leben...

PROFIL

Laird Hamilton ist am 2. März 1964 in San Fransisco, Kalifornien geboren und aufgewachsen an der Nordküste von Oahu. Sein Ziehvater war in den 70ern Profisurfer und hatte großen Einfluss auf Laird. In den Wellenriesen Hawaiis groß geworden, erlernte Hamilton jede Wassersportart bis zur Perfektion: Wellenreiten, Windsurfen, Kitesurfen, Tow in-Surfen, Foilboarden. Mit seinem Freund Dave Kalama entwickelte er ab 1995 das Stand-up-Paddeln. Er ist somit der Vater des SUP.

Sylvain Cazenave Lairds alte neue Liebe: Foilsurfing. Sein Traum: Die Meere mit dem Foil-Surfer von Dünungswelle zu Dünungswelle zu besurfen. 

Laird continues to push the limits. UAV captures foil boarding in his backyard.

Themen: InterviewLaird Hamilton


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