Redaktion
  • Hannah Krah SUP
  • Interview

Germany's next SUPer Star?

  • Stephan Gölnitz 
20.05.2019

Talent, Teamwork und viel Training.
Mit Hannah Leni Krah kommt die zweite Welle deutscher Stand-up-Paddler mit professionellem Paddel-Background.

„Sie ist an Land etwas schüchtern, aber auf dem Wasser weiß sie schon genau, was sie kann“, sagt ein SUP-Gefährte. Wie das eben ist, wenn man einerseits mit gerade 17 Jahren in einer SUP-Erwachsenenwelt erst ankommt, aber auf dem Wasser bereits weiter ist, als es die meisten je schaffen werden. Denn wenn der Lady-Kracher aus Dresden beim Start am Paddel zieht, leidet jede Carbon-Faser bis zum Bersten und das Wasser hinter dem Board scheint zu kochen.

Gleich in der ersten richtigen SUP-Saison 2017 Europameisterin in der Inflatable Klasse, dann am Folgetag, beim gleichen Contest noch, der Abflug im Rettungshubschrauber. Im Winter dann der große Erfolg beim Paris Crossing und wieder, nur wenige Monate später: Bootsrettung nach einem Sturz mit Kälteschock beim Winterrace ins vier Grad kalte Wasser in den schweizer Alpen. Zwischen Höchstleistung und Lehrgeld zahlen balanciert es sich anfangs auf einem schmalen Grat. Aber Vater und Trainer Thomas relativiert und gibt Entwarnung: „Im Leistungssport gibt’s natürlich ein Verletzungsrisiko. Aber am Brombachsee war es am Ende nur ein sehr kleiner Muskelfaserriss, die Schwellung hat auf einen Rückennerv gedrückt und für vier, fünf Stunden für eine Blockade im rechten Bein gesorgt.“ Es war ein hartes Rennen an diesem Tag und einen „Aus“-Schalter gibt es für Hannah anscheinend nicht. „Ich will immer mein Bestes geben. Es ist auch nie so, dass ich sage, heute ist die Konkurrenz nicht so groß, ich fahre ein bisschen lockerer.“

Ich habe schon vor, in ein paar Jahren auch außerhalb von Europa vorne mitzufahren.

Ist das die Generation, die Superstar Danny Ching schon 2015 im SUP-Interview phrophezeit hatte? Dass es nur eine Frage der Zeit wäre, bis aus der lange gepflegten, klassischen Paddeltradition in Deutschland auch international starke SUP-Racer sprießen? Sport-Schule Dresden, das klingt noch nach glorreichen DDR-Sportzeiten und strenger Auswahl. Aufgenommen wird nur, wer Kader-Status hat, eine Aufnahmeprüfung besteht und jährliche Leistungstests durchsteht. Hier trainiert Hannah beinahe täglich und zwischendrin steht Schule auf dem Programm. „Es gibt Rahmentrainingspläne aus dem Kanubereich“, erklärt Vater Thomas, „da sind die Umfänge, die die jeweiligen Altersgruppen im Jahr in Ausdauer, Schnelligkeit und Kraft absolvieren müssen, aufgeschlüsselt. Das versucht man abwechslungsreich auf die Woche aufzuteilen. Das kommt in dem Alter auf fünf Tage mindestens, die Umfänge werden dann gesteigert.“ Für Hannah heißt das aktuell sechs Tage, an zwei Tagen doppeltes Training, erste Einheit Montag 7.15 Uhr.

Da ist das lockere SUP-Life vermutlich ein willkommener Ausgleich. Paddeln in freier Wildbahn statt in geregelten Bahnen. „Ich finde es spannend, nicht in Bahnen zu fahren, auch mal nebeneinanderund zu draften. Am Anfang sind mir die Turns im Gedrängel schwergefallen, dann kam irgendwann das Gefühl – das ist cool, das macht Spaß“, erzählt Hannah. Neben der Deutschen Meisterschaft und einigen Rennen der Euro Tour, „um mal zu schauen, wo ich im Moment auch international so stehe, in Langstrecke, Technical Race und Sprint. Welle mache ich mal aus Spaß mit“, steht 2018 deshalb auch Fehmarn wieder fest auf der Wunschliste. „Da waren mein erster Downwinder und Technical Race, das war komplett neu, am Strand und auf dem Meer zu paddeln“, schwärmt die 17-Jährige, die die letzten fünf Jahre überwiegend im Renn-Kanu auf den Regattabahnen zuhause war. „Beim Kanu ist der Druck viel, viel größer. Über Vorlauf und Zwischenläufe ist es richtig hart, sich in den Endlauf zu kämpfen. Im Kanu läuft viel vereinsintern ab, da gibt es leider auch viel Konkurrenz unter Freunden“, bedauert Hannah. „Ich war anfangs nicht besonders erfolgreich, aber als ich dann besser geworden bin, haben sich einige Beziehungen leider verschlechtert, da fließen auch mal Tränen – das ist im SUP nicht so.“ Das liegt vermutlich auch am „nicht so großen Konkurrenzdruck in den Bahnen, in denen wir uns im SUP momentan noch bewegen“, wie Trainer Thomas analysiert.

Erst die erste „richtige“ Saison und das Pokalregal schon voll: Europameisterin Inflatable SUP, Deutsche Meisterin Sprint, Deutsche Meisterin Langstrecke, Deutsche Meisterin White Water, Gesamtsiegerin Damen German SUP League, Siegerin German SUP Challenge.

Doch auch, wenn es in Zukunft auch im SUP sportlich enger werden könnte, scheint Hannah bestens präpariert, der Plan für die kommenden Jahre steht: „Vom Ende des Junioren-Alters, also Ende nächsten Jahres, plus vier Jahre drauf, ist im Ausdauerleistungsvermögen der Zenit angepeilt, den man dann durch die sportliche Karriere konservieren muss“, zitiert Trainer Thomas nüchtern die Fakten aus dem Leistungssport. In jüngerem Alter stehen Kraft und vor allem Schnellkraft im Fokus, und so verwundert es nicht, dass Hannah vor allem am Start anzieht wie ein Bulldozer. „Im Krafttraining werden für Kanu wie für SUP gleiche Muskelgruppen trainiert“, erklärt Papa Thomas, und „die Streckenlänge im Kanu ist mit 200 bis 500 Meter eher auf Mittel- bis Kurzzeitausdauer ausgelegt. Wir haben das Training aber bereits ein bisschen auf SUP umgestellt mit längeren Ausdauereinheiten.“

Und auch die Technik erfordert weniger Umdenken als man meinen könnte. „Ich mache ja Kajak (Red.: Mit Doppelpaddel), aber im Grunde genommen, in die Phasen zerlegt, kommt es dem SUP sehr nahe: Mit dem Paddel sehr weit vorne Wasser holen, die Zugphase ist ähnlich, sportmotorisch ist das gar nicht so weit vom SUP entfernt.“

Tägliches Training mit ihrem Vater.

„Im SUP machen alle Fahrer wie Connor Baxter und andere ähnliches, aber mit individuellen Abweichungen“, ergänzt der Trainer. „Man sollte einfach auf das eigene Körpergefühl achten. Wichtig ist allerdings, sich keine Technik anzugewöhnen, die auf Muskeln oder Knochen geht, damit nicht bei der Sportart, die eigentlich gesundheitsorientiert ist, was Negatives rauskommt.“

Bei Hannah sollen auch internationale Erfolge rauskommen: „Ich habe schon vor, in ein paar Jahren auch außerhalb von Europa vorne mitzufahren. Ich möchte rumreisen und an anderen Orten trainieren“, wünscht sich Hannah. Der Papa nickt dazu: „Bisher hatten wir nur in den Ferien die Möglichkeiten. Dieses Jahr ist die Schule fertig, danach werden wir schon für drei bis vier Jahre die Trainingsmöglichkeiten schaffen.“ Da kommt auch der neue Sponsor ins Spiel: „Für Infinity hatte Hannah sich wegen der Ästhetik der Bretter schon früh interessiert“, verrät Papa Thomas, „und Hannah als 17-Jährige braucht auch anderen Support. Andere Teams sind teils riesig, da geht man vielleicht ein bisschen unter, die Betreuung kann ich ja nicht immer übernehmen. Bei Infinity läuft das sehr persönlich.

Schon in Paris hatte Evelin von Infinity diesen nicht ganz unwichtigen Part übernommen und da fühlt Hannah sich richtig wohl.“ Und so kann Hannah erst mal entspannt und in Ruhe weiter trainieren. Gerade standen sechs Wochen Training für Muskelhypertrophie auf dem Programm: Als kleiner Maximalkraft-Abschluss lagen 93,5 Kilo beim Bankdrücken auf. Das sind Gewichte, die die meisten Menschen eigentlich nur mit dem Wagenheber bewältigen können.

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