Redaktion
  • Chase Kosterlitz

Chase Kosterlitz – ein Weltmeister im Interview

  • Stephan Gölnitz
16.05.2013

Wer kann, der kann... Das gilt zumindest für Chase Kosterlitz, SUP-Ausnahmeathlet. Ob Basketball, Kite oder Paddel – egal welches Gerät Chase in die Hand nimmt, es wird was draus. An seinem zweiten Windsurftag kreuzte Chase daher bei vier Windstärken auch schon selbstständig über den Gardasee. Wir wollten wissen, wie man so wird.

Der Mann braucht offensichtlich keinen Motor

Chase Kosterlitz ist mit 90 Kilo, verteilt auf 1,90 Meter Körpergröße, nicht nur ein Modellathlet unter den SUP-Racern, sondern auch sportlich extrem erfolgreich. Wir trafen den 25-jährigen SUP-Weltmeister aus Florida kurz nach seinem Erfolg beim hochrangigen Lost Mills Race. Wer weitere Tipps und Tricks sucht, schaut mal bei watermonkeysup. com vorbei. Hier berichtet Chase wirklich lesenswert von seinen Trips und Races und lässt dich offen in sein Trainingstagebuch schauen.

Fotoshoot statt Racing – auch nicht schlecht.

Chase, wo liegen deine sportlichen Wurzeln? Zuletzt im Kitesurfen, aber ich bin mit Basketball großgeworden. Ich hatte ein College-Stipendium als Basketballer, spielte also schon ziemlich leistungsorientiert. Nach meinem zweiten Jahr an der Universität lernte ich dann Kitesurfen. Das war vor sieben Jahren und mein erster richtiger Wassersport. Vor vier oder fünf Jahren bin ich dann zum ersten Mal aufs SUP-Board gestiegen.

Der Sieger vom Brombachsee 2012

Wann bist du das erste Mal Rennen gefahren? Mein erstes Rennen war eins, das ich selbst organisiert hatte (lacht). Das war vor drei Jahren.

Vollgas am Gardasee

Warst du als Kiter auch schon Profi? Nein, das nicht. Aber ich habe mit Freunden die College Kiteboarding Association gegründet, die erste richtige US-Tour für Kitesurfing.

Was machst du neben dem Paddeln? "Watermonkey" ist meine Firma. Da unterrichte ich, verleihe Material, gebe Seminare im SUP.

Deine Seminare werden erfolgreich gebucht? Ja, ich unterrichte gerne. Teile gerne mein Wissen. In dem neuen Sport gibt es großen Bedarf. Ich konnte vor drei Jahren nichts finden, als ich nach Informationen gesucht habe. Wie hast du deinen Trainingsplan gefunden? Ich suche immer noch (lacht). Aber ich habe ja eine sportliche Vergangenheit und weiß: Wenn du gewisse Erwartungen hast, musst du auch entsprechend Arbeit investieren. Aber weil ich bis dahin nicht in irgendeinem Paddelsport Wettkämpfe gefahren bin, lerne ich noch immer. 

Und wie sieht dein Training jetzt aus? Ich trainiere sechs Tage pro Woche. Drei oder vier Tage paddeln, zwischen 45 Minuten und eineinhalb Stunden. Intervalltraining, Sprints und Langstrecke. Dazu Crosstraining: Laufen, ich fahre mit dem Bike, Yoga, Stretching. Vor der Saison mache ich auch Gewichtetraining.

Welche Muskeln benötigt man am meisten fürs Racing? Den ganzen Körper. Beine, Hüfte und Rumpf sind besonders wichtig.

Die Beine? Stand-up-Paddling ist der einzige Paddelsport, beim dem du stehst. Das kann man nutzen. Die Beine haben starke Muskeln im Vergleich zu den Armen. Also willst du diese Kraft beim Paddelschlag auch einsetzen. Die Beine werden häufig unterschätzt.

Hängt das mit der Paddeltechnik zusammen? Das Wichtigste ist, dass man nicht versucht, seine Power aus dem Bizeps und aus dem Rücken zu holen. Es muss aus dem gesamten Körper kommen. Stell dir deinen Körper wie eine Drehfeder vor. Du verdrehst dich, spannst die Feder durch Drehung in der Hüfte vor und dann, wenn das Paddel im Wasser ist, in der Powerphase, löst sich die Spannung. Auf keinen Fall ist es eine Bewegung, bei der man den Arm anzieht. Der untere Arm bleibt gestreckt. Dabei lässt man das Körpergewicht weit nach vorne aufs Paddel fallen.

Benötigt man zum Gewinnen das leichteste Board? Ich weiß nicht, ob leichter immer besser ist, hängt vom Rennen ab. Custom Boards sind okay, zumindest im Moment. Ich würde aber nicht gerne sehen, wenn Leute nur wegen des Materials gewinnen, denn es ist ein athletischer Sport.

Board, Paddel, Fahrer – was ist am wichtigsten? Ich sage den Leuten immer, am Ende des Tages ist es der Motor – der Paddler. Aber du brauchst auch die richtige Ausrüstung.

Welche Rolle spielt neben Material, Kraft und Ausdauer die Taktik? Das spielt eine große Rolle. Du kannst so schnell sein, wie du willst, wenn du nicht clever fährst, wirst du verlieren.

Interview: Stephan Gölnitz

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