Andy Klotz - ein außergewöhnlicher SUP-Fotograf in Interview Andy Klotz - ein außergewöhnlicher SUP-Fotograf in Interview Andy Klotz - ein außergewöhnlicher SUP-Fotograf in Interview

Andy Klotz - ein außergewöhnlicher SUP-Fotograf in Interview

  • Stephan Gölnitz
 • Publiziert vor 2 Monaten

Andy Klotz hatte zumindest in Deutschland wohl schon so ziemlich jeden bekannten SUPer mal im Visier. Seine Lieblingsperspektive ist dabei von hoch oben oder ungewöhnlich weit unten. Ein Profi hinter der Kamera, rein wirtschaftlich aber immer noch Hobbyfotograf.

Du bist Sportfotograf, die meisten kennen dich mit der Kamera im Anschlag – aber das ist nicht dein Hauptberuf, was machst du sonst von 9 bis 5?

Ich bin schon seit über zehn Jahren in einem kleinen Ingenieursbüro angestellt, das Verbrennungsmotoren für die Automobilindustrie entwickelt. Inzwischen beschäftigen wir uns natürlich auch mit dem Schwenk in Richtung E-Mobilität. Und wer weiß, dass ich in München wohne, kann sich denken, mit wem wir hauptsächlich zusammen arbeiten.

Du hast schon fotografiert, als es SUP noch nicht gab. Was waren da deine beliebtesten Motive? Seit wann interessierst du dich für Fotografie?

Ich war, bevor ich aufs SUP umgestiegen bin, im Kajak vor allem auf steilerem Wildwasser unterwegs. Damals haben wir noch analog fotografiert und sind mit möglichst vielen von den teuren und satt bunten 50er Velvia-Filmrollen auf Tour gegangen. Wieder daheim mussten wir tagelang warten, bis der Fotoladen die Dias entwickelt hatte, um zu sehen, ob ein guter Schuss dabei war. Nach einem dreiwöchigen Urlaub kamen schon mal 1500 Bilder zusammen, die ich einzeln mit der Lupe angeschaut habe. Die gleiche Menge an Bildern habe ich später als Veranstaltungsfotograf bei Sportevents teilweise in einer Stunde auf der Speicherkarte.

fotobyklotzi.de

Zur SUP-Fotografie bin ich durch einen Zufall gekommen. Ich hatte Spaß daran, die Surfer am Eisbach zu fotografieren. Dabei bin ich mit Carsten Kurmis und Guido Meier ins Gespräch gekommen, die mich auf eine gemeinsame Paddeltour auf die Würm eingeladen haben. Sie wollten Bilder und ich war interessiert – so fing’s an.

Erinnerst du dich noch an deine erste Kamera?

Oh ja, das war eine alte Olympus PEN F, die meinem Vater gehörte. 1992 kam die Canon EOS 5 auf den Markt und später konnte ich günstig an eine EOS 1 N Rs bekommen – die Waffe der Sportfotografen damals. Seitdem bin ich Canon treu.

Braucht man die teuerste Ausrüstung für die besten Bilder? Heute „reicht doch ein Handy“, oder?

Haha… nein, definitiv nicht. Außer, ich bewege mich ständig im Grenzbereich des technisch Möglichen, aber bei normalen Lichtverhältnissen ist das nicht der Fall. Aktuell fotografiere ich mit der EOS 5D Mark III und einer 7D Mark II, eigentlich auch schon veraltet, aber für mich absolut ausreichend. Und ja, wenn ich mir teilweise Bilder von aktuellen Smartphones so anschaue, dann frage ich mich auch immer wieder, warum schleppst du eigentlich deine 1.8 kg schwere DSLR mit auf den Berg rauf? Die Antwort: Mit ihr habe ich weit mehr Spielraum für die eigene Kreativität, für das Spiel mit Tiefenschärfe und Bewegungsunschärfe. Mit einem Auge schiele ich aber schon auf ein spiegelloses leichteres Modell.

Was ist das Fotoshooting, an das du dich am liebsten erinnerst?

Die Shootings zusammen mit dir für´s SUP Mag – haha… und natürlich das ein oder andere für meinen Lieblingskunden. Die großen SUP-Events machen mir auch Spaß, da wir uns mittlerweile alle gut kennen. Trotz der familiären Atmosphäre gibt es auf Events immer wieder spannende Situation. Egal wie das Wetter ist – es wird abgeliefert.

Andy Klotz - ein außergewöhnlicher SUP-Fotograf

15 Bilder

Was glaubst du, macht einen guten Sport- und speziell Wassersport-Fotografen aus?

Bei mir ist es die Liebe zu dem Sport, den ich ablichte. Dadurch, dass ich die meisten Sportarten, die ich fotografiere, auch selber ausübe, konnte ich ein gutes Gespür für die optisch interessanten Situationen auf dem Wasser entwickeln. Es hilft auch, sich in die Bewegungsabläufe des Sports hineindenken zu können, um den richtigen Moment zu erwischen. Ich kann natürlich auch auf den Auslöser drücken und 10 Bilder in der Sekunde durchjagen, das halte ich aber für ein eher amateurhaftes Ziel. Wenn ich einen Paddler fotografiere, versuche ich, in seinen Rhythmus hinein zu kommen, um den perfekten Moment zu erwischen.

Perspektive und das Licht zur jeweiligen Tageszeit spielen natürlich auch eine große Rolle, das antizipiere ich oft. Vor ein paar Wochen bin ich im Ammergau einen Berg hinuntergerannt, um die Nachmittagssonne in einem Felsfenster vor einem tiefblauen Himmel zu erwischen. Mit etwas Planung wäre es auch gemütlicher gegangen.

Was glaubst du sind deine speziellen Tugenden, die dir immer wieder neue, gute Bilder ermöglichen?

Die eigene Liebe zum Sport.

Motiv, Action, Model oder Licht – was ist nach deiner Einschätzung am wichtigsten?

Alles natürlich… Du kannst das tollste Model im besten Licht, mit toller Action haben, alles umsonst, wenn im Hintergrund ein Baukran steht. Das gleiche gilt für alle Konstellationen.

fotobyklotzi.de Das besondere Licht....

Redaktionelle Fotografie (also Events, Stories für Magazine, etc.) oder Werbung? Was ist da für dich der Unterschied?

Alles hat seine Reize. Bei Events ist Spontanität gepaart mit Kreativität gefragt. Stories für Magazine sind in der Regel planbar. Und bei der Werbefotografie steht natürlich das Produkt im Fokus.

Manche Fotografen sagen, die Akquise und die Nachbearbeitung sind mittlerweile mehr Arbeit als das eigentliche Fotografieren. Wie siehst du das?

Was Akquise angeht, kann ich nicht wirklich mitreden, da ich nicht hauptberuflich fotografiere. Ich warte eher ab, welche Anfragen auf mich zukommen und habe zudem einen festen Vertrag als Team Starboard-Knipser. Beim Thema Nachbearbeitung stimme ich absolut überein, das macht echt viel Arbeit. Ich stecke noch einmal genauso viel Zeit in die Nachbearbeitung wie in das eigentliche Shooting. Viele Foto-Betrachter sehen das nicht und das ist ja auch gut so. Meine Bilder entwickle ich einzeln am Rechner. Ich verfremde die Bilder nicht, aber ich entwickle sie. Der Prozess ist ähnlich wie früher in der Dunkelkammer, heute halt etwas komfortabler am Rechner. Die Zeit muss in den Preis fürs Shooting hinein, wird aber oft nicht gesehen.

Wie schwierig ist es, immer neue Ideen und Motive zu entwickeln? Kommen da die Kunden eher auf dich zu und sagen: „Mach das mal so!“, oder ist das mehr Eigeninitiative?

Wenn es um Bilder für einen Katalog geht, kommen meist konkrete Vorstellungen vom Kunden, wie es aussehen soll. Schwieriger wird es mit neuen Locations. Im SUP-Sport ist die Region rund im München fotografisch schon recht ausgelutscht. Zum grandios eindrucksvollen Eibsee fahre ich zum Beispiel gar nicht mehr hin, er ist durch sein karibisches Flair vermutlich einer der am meisten fotografierten Seen hier bei uns in der Ecke.

Aus welcher Perspektive fotografierst du am liebsten?

Entweder per Drohne von ganz oben oder von unüblich weit unten. Leider fehlt mir noch ein Unterwassergehäuse, sonst würde ich gewiss noch ein bisserl weiter runter gehen.

Würdest du für ein SUP-Shooting in Kapstadt zwei Stunden im Wasser schwimmen?

Ist das ein Auftrag? Angenommen.

Ist die SUP-Fotografie – mit allem drumherum – immer noch „nur“ Hobby oder schon ein richtiger zweiter Beruf.

Nein, definitiv nur Hobby. Von einem zweiten Beruf müsste ich leben und meine Familie ernähren können – und das kann ich damit nicht.

Glaubst du, man könnte ausschließlich als SUP-Fotograf sein Leben bestreiten?

Eher nicht. Die meisten Bilder in der SUP-Branche entstehen durch eine freundschaftliche Zusammenarbeit von Teamfahrern und Fotografen. Solange die Fotografen froh sein können, wenn sie überhaupt etwas bekommen oder mit Material entlohnt werden, kann die Fotografie nur ein Nebenjob bleiben.

Du bist als Fotograf auf Events und für Magazine tätig, aber auch auf Social Media erkennbar „Promoter“ für Starboard. Siehst du dich da ein bisschen als eine Art Influencer? Wie wichtig ist dieser Part heut-zutage auch für freie Fotografen?

Ich kann da nur für mich sprechen: Ja, das ist definitiv wichtig. Ich glaube, die Leute merken schon, dass ich ein bisserl stolz bin, zum Starboard-Team zu gehören. Ich präsentiere die Firma und das Team gerne in der Öffentlichkeit und freue ich mich über jeden Like für meine Bilder auf Social Media. Das ist Balsam für die Seele. Ich bin damit natürlich ziemlich festgelegt, da ich fast nur für Starboard shoote, aber das mache ich aus Überzeugung, stehe zu 100% hinter der Marke und dem Team.

Wieviel „Video“ muss man als Fotograf heute können?

Das ist ein Thema, das mich gerade beschäftigt. Es wird immer wichtiger, sich als Fotograf damit auseinander zu setzen, denn bewegte Bilder sind im Social Media beliebt. Die Ausrüstung und der Aufwand sind eine ganz andere Hausnummer als die Fotografie. Erst letztes Wochenende haben wir mit Starboard einige kurze Produktclips für die 2021er Range gemacht. Normalerweise bin ich mit den Bildern dann in einigen Stunden durch. Die Nacharbeit für die Clips hat eher einige Tage in Anspruch genommen.

Dein „Signature Picture“ ist das gemeinsame Fisheyefoto mit dem Team nach jeder Tour, nach jedem Shooting. Wie kam es eigentlich dazu?

Nun ja, ich mag halt hin und wieder auch mal mit auf dem Bild sein – für Fotografen geht das oft unter, deshalb hab ich es im wahrsten Sinne des Wortes selber in die Hand genommen. Diese Team-Bilder sind oft bleibende Erinnerungen an besondere Tage. Mittlerweile kommt die Crew zum Schluss oft von selbst auf mich zu und das runde Fisheye schließt den Shoot perfekt ab.

fotobyklotzi.de Andys Markenzeichen – da können alle nach einen Shooting noch so „durch“ sein – ist das abschließende Gruppenselfie mit dem Ultraweitwinkel. Das Archiv dürfte mittlerweile gut gefüllt sein mit Super-Promis wie Connor Baxter (vorne links).

Braucht ein Fotograf einen spezifischen „Style“ in seinen Bildern oder andere „Markenzeichen“?

Man sagt mir nach, ich hätte meinen eigenen Klotzi-Style. Das freut mich und meine Bilder haben dadurch manchmal einen Wiedererkennungswert. Wenn ich aber nicht mich persönlich promote, sondern für einen Kunden arbeite, haben seine Wünsche Vorrang.

Könntest du einem jungen Menschen raten: „Werde Sport-Fotograf für Stand-up-Paddling (und mehr…)!“

Ich bin froh, dass ich nicht davon leben muss. Viele Hobbyfotografen machen per Digital- und Handyfotografie echt gute Bilder, die sie für Ruhm und Ehre einem Mag zur Verfügung stellen. Für Online-Artikel reichen die Pixel häufig locker aus. Deshalb sind viele Magazine noch weniger als früher bereit, für ein gutes Bild echtes Geld zu bezahlen.

Verrätst du uns noch zwei Tipps, wie die eigenen (Handy-)Fotos auf der SUP-Tour sichtbar besser werden?

Klar. Achtet auf den Hintergrund (Stichwort Baukräne). Kommt vor Sonnenaufgang zum Foto-Spot.

Themen: Andy KlotzFotografInterview


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