Redaktion

Wing oder Segel auf dem SUP?

  • Stephan Gölnitz
17.10.2019

Funktioniert ein Wing auf einem Touring-SUP? Und wie schwierig ist das Surfen damit auf dem Foil-SUP-Board? Oder ist ein Surfsegel doch die bessere Alternative?

Segel oder Wing, wer gewinnt?

Es klingt verlockend: Du bist auf Paddeltour, der Wind frischt auf, ruck zuck pumpst du das Wing auf und surfst lässig zurück. Für erfahrene Windsurfer und/oder Kiter ist das möglich, Höhehalten (also nicht mit dem Wind abzutreiben) dabei aber schon schwierig und ein Board mit großer Mittelfinne ist Voraussetzung. Denn die runden Kanten am SUP geben nicht genügend Halt, auch die ganz kleinen Mittelfinnen, die bei vielen "WindSUPs" mitgeliefert werden, ermöglichen meist nur Kurse quer zum Wind. Zum richtigen Aufkreuzen gibt es aber auch bei den Allround- und Touring-SUPs Boards mit Schwert oder großer Mittelfinne (von Red Paddle, RRD, Starboard oder Gunsails beispielsweise).

Für Segel oder Wing: Du benötigst im iSUP eine große Mittelfinne gegen seitliche Abdrift.

Doch das Haupt-Problem ist noch ein anderes: Solange der Wind dafür ausreicht, dass der Flügel alleine fliegt, ab geschätzen drei Windstärken etwa, kommen geübte Windsurfer damit auch gegen den Wind zurück, doch selbst dann fühlt sich die Fahrhaltung nicht wirklich entspannt an. Und mit einem Windsurfsegel gelingt das Aufkreuzen gegen den Wind auch dann spürbar besser.

Sobald der Wind den Wing trägt, wird es spielerisch.

Viel übler wird es, wenn der Wind weiter nachlässt, dann muss der Wing, egal welcher Typ, am langen Arm nach vorne-oben gehalten werden, damit die Flügelenden nicht im Wasser schleifen. Dabei werden schnell Assoziationen zum „Maßkrug stemmen“ oder „Decke anmalen“ geweckt.

Bei sehr wenig Wind muss der Flügel aktiv hoch gehalten werden.

Noch härter traf es unseren Probanden, der – ohne Windsurfpraxis – seine ersten Versuche sowohl mit Wing als auch mit Segel absolvierte. Sichtlich ohne Orientierung, wie und wo man den Wing über oder neben dem Körper hinhalten muss, trieb es ihn unaufhaltsam nach Lee (mit dem Wind).

Ganz anders mit dem federleichten „SUP Sail“: Auf seinem breiten Board holte unser Proband das Segel locker auf, hielt es intuitiv irgendwie fast richtig in den Wind und fuhr nach einer halben Stunde sicher hin und her, ohne abzutreiben und mit sichtlich Spaß dabei.

Ohne Windsurferfahrung, "nur mit Segelschein vor 20 Jahren", kam unser Proband, der "Sup Matrose" Thomas Pfannkuch mit dem Segel auf dem breiten SUP schnell und gut zurecht.

Und der Profi-Vergleich? „Bei nur vier oder fünf Knoten Wind wird es mit dem Wing extrem mühsam, weil man es vor sich her tragen muss. Am Windsurfrigg lehnt man sich bei solchen Bedingungen dagegen einfach auf die Gabel und ‚tuckert’ gemütlich nach Hause“, fasst unser Profi-SUP-Tester zusammen. Das spezielle SUP-Sail ist dabei vom Packmaß (mehrteiliger Mast, zweiteilige Gabel) nicht viel größer als ein gefalteter Wing und mit 8,5 Kilo inklusive Tasche auch nicht sonderlich schwer.

Segel gibt es mittlerweile faltbar und mit mehrteiligem Mast und zusätzlich geteiltem Gabelbaum. So kommt das Paket auf anständige Packmaße bei insgesamt 8,5 Kilo (inkl. Tasche)

Das faltbare Segel von RRD (Compact SUP Sail) eignet sich zum Cruisen bei Leichtwind gut und zum Windsurfen Lernen nahezu perfekt. Dass Gabel und Mast zusätzlich geteil sind, spürt man beim Surfen nicht, lediglich die Gabel ist nicht gut abgedichtet.

Wing + Foil = anspruchsvoll

Doch eigentlich kommt die Wing-Entwicklung auch aus Revieren mit viel Wind und Welle, Robby Naish und Co. surfen damit vor allem in der Welle, nutzen den Wing als "Hilfsmotor", wenn die Welle nicht schiebt.„Man sollte dafür irgendeine Foilsportart schon gut können“, sagte surf- und SUP-Tester Nik in der letzten Ausgabe des surf-Magazins und das können wir nur bestätigen.

SUP- Tester Nicholas Slijk gibt "Foilgas".

Denn wenn das Board aufs Foil liftet , sollte man bereits genau wissen, was man jetzt zu tun hat, im Vergleich zum Windsurf-Foilen fehlt einfach das „dritte Bein“ – die Verbindung über den Mastfuß für die Boardkontrolle. Das neuartige „Segel“ richtig hinzuhalten ist nicht sonderlich schwierig, aber nur, wenn man ans Board gar nicht viel denken muss.

SUP-Tester Stephan Gölnitz am Gardasee: Mit Wind und Foil ist der "Wing" in seinem Element. Jetzt wird es sportlich, spannend, spaßig aber auch anspruchsvoll.

Aller Anfang ist schwer

Gestartet wird mit dem Wing im Knien, ein großes Board mit mindestens 130 Litern ist deshalb sinnvoll.

Auch auf dem großen SUP startest du am besten im Knien. Wichtig: Vorderen Arm strecken!

Häufig liegt der Wing erstmal neben dem Board „auf dem Rücken“ im Wasser und beim Hochziehen falsch herum in der Hand. Mit etwas Gefühl kann man aber – immer noch im Knien und mit dem Wing „auf links“ deutlich anluven und den Flügel dann seitlich über dem Kopf umschlagen lassen. Auf Halbwind wird das kaum gelingen. Jetzt heißt es, den Wing in Fahrposition zu greifen, auf Raumwind abzufallen, und dabei den Wing schön hochhalten. Den wichtigsten Tipp hatte Waterman Brian Talma für uns: "Den vorderen Arm immer weit hochhalten". Dann kannst du ein Bein aufstellen und dich mit kräftiger Kniebeuge in den Stand hoch drücken. Der erste Schritt wäre damit getan, doch auch die Beschleunigung auf Take-Off-Geschwindigkeit ist ganz anders als beim Windsurfen. Du fällst weit ab, suchst dir irgendeine – sei es noch so kleine – Welle und versuchst, mit dem Wing zu fächeln.

Für unterschiedliche Griffpositionen findest du am "SlingWing" von Slingshot zahlreiche Halteschlaufen.

Das „SlingWing“ liegt dabei eher straff in der Hand und lässt sich fast wie ein Windsurfsegel pumpen.

Lässig, wenn man es kann. Die Wings der Marke Duotone werden an einer Art "Gabelbaum" wie beim Windsurfen gehalten.

Das Duotone-Pendant, das wir ebenfalls probieren konnten, wirkt bauchiger und etwas softer. Beide Wings erfordern allerdings zum Abheben Unterstützung aus den Beinen, denn nur mit „Pumpen“ mit dem Board und einem großen Surf-Flügel unter dem Board (kein schmaler Windsurf-Flügel), wird der Start gelingen. Beim getesteten SlingWing findest du zahlreiche Halteschlaufen, die angenehm zu greifen sind und alle nötigen Griffpositionen erlauben. Anders als am durchgehenden Rohr kann man nicht mit den Händen rutschen, sondern muss zum Umgreifen kurz loslassen – daran gewöhnt man sich aber schnell.

Und das Fahrgefühl? „Sehr leicht, gemächlich, erhaben, wie mit einem Longboard über den See zu surfen. Fast wie schwerelos, aber auch langsamer als mit einem Windsurf-Foilboard.“ Mit dem 4,2er SlingWing benötigten wir so viel Wind, dass alle anderen Windsurfer auch bereits voll im Gleiten waren.

Fazit 1: Für SUPs ohne Foil halten wir ein Windsurfsegel für die bessere Variante. Entspannter, einfacher zu lernen und besser zum Aufkreuzen. Das Wing muss wegen der großen Spannweite aktiv hoch gehalten werden.

Fazit 2: Auf dem Foilboard sieht es anders aus: Du gehst damit nur bei genug Wind raus, stehst eh höher, die Haltung ist deutlich enstspannter. Hier hat der Wing das Zeug, eine Lücke zu füllen: für alle Nicht-Kiter, Nicht-Windsurfer, die den das Foilfieber erleben wollen. Denn eines ist sicher: Das Gefühl auf dem Foil übers Wasser zu fliegen ist unvergleichlich cool – egal ob von einer Welle geschoben, vom Kite gezogen, vom Surfsegel angetrieben oder mit einem "Wing" motorisiert.

Das Gefühl auf dem Foil ist unvergleichlich frei und leicht.

Testwing: Slingshot Slingwing Classic 4,2

erhältliche Größen: 3,0/4,2 qm

Gewicht*: 3,2 Kilo

Preis: 829 Euro

www.slingshotsports.de

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