Lachend gegen den Schweinehund Lachend gegen den Schweinehund Lachend gegen den Schweinehund

Lachend gegen den Schweinehund

  • Stephan Gölnitz
 • Publiziert vor 2 Jahren

Marion Rappl, Jahrgang 1970, ist die ausdauerndste deutsche Rennpaddlerin. Manchmal auf der Rennbahn, auf jeden Fall aber von 2012 bis heute am längsten in der Rennszene aktiv. Immer dabei: Viel Spaß, aber auch der innere Schweinehund.

Wie hat sich aus deiner Sicht der Rennsport entwickelt?

Es gibt heute mehr Leute, die regelmäßig trainieren, bei den Männern ist die Konkurrenz schon sehr groß. Das sind alles Paddler, die voll im Training sind und mit Material gut ausgestattet sind. Wenn man da im oberen Mittelfeld fährt, ist man sehr gut. Bei den Damen ist das ein bisschen anders. Schade, dass die Teilnehmerzahlen bei uns immer weiter zurück gegangen sind. Vor fünf, sechs Jahren war mal ein Boom, als viele Damen eingestiegen sind. Mittlerweile fahren bei vielen Rennen gerade mal zehn Damen mit, und das ist dann schon gut.

Du warst zu Anfang ja auch nicht gleich in der Leistungsspitze, bist aber engagiert viel mitgefahren. Kannst du dich an dein erstes Rennen erinnern?

Ja, sehr gut, das war im Mai 2012 am Neusiedler See und nannte sich SUP-Marathon. Da sind wir im Team gepaddelt, einmal um den See, das war mein einziges Rennen, das ich jemals mit Etienne zusammen gefahren bin (Anm. d. Red.: Etienne Stander ist ihr Lebensgefährte und führt in München den Shop Munich Stand Up Paddling). Jeder hatte so Etappen zwischen fünf und zehn Kilometern. Dann kann mein erstes Einzelrennen am Brombachsee. Da war ich Vorletzte.

Stephan Gölnitz Ihr größter sportlicher Erfolg ist die Deutsche Meisterschaft in ihrer Altersklasse.

Hattest du vorher trainiert?

Zumindest habe ich gemeint, ich hätte trainiert. Wir waren halt regelmäßig paddeln mit unseren Allroundboards. Als ich das erste Paddeltraining am Wörthsee absolviert hatte, also einmal bis zur Insel, meinte ich, ich hätte jetzt wahnsinnig trainiert – also die zwei Kilometer (lacht), das hatte ja alles nichts mit Training zu tun. Deshalb war es damals eher so ein Mitfahren bei den Rennen.

Wo fängt für dich Trainieren an?

Wenn man in der Woche drei-, viermal auf dem Wasser ist und regelmäßig Ausdauertraining macht, also jeden zweiten, spätestens dritten Tag.

Machst du dir dafür einen Plan?

Ich bin schon eher so dieser Organisations- und Planungstyp. Ich mache immer einen Plan. Ob ich den einhalten kann, ist die andere Frage. Das ist auch eine Zeitfrage.

Woher hast du das Know How für deine Pläne?

Ich komme leider nicht aus dem Renn- oder Leistungssport, habe mich aber immer viel bewegt und im Ausdauerbereich viel gemacht. Es gibt ein SUP-Trainingsbuch – „Riding Bumps“ – ansonsten habe ich mich am Triathlonbereich orientiert.

Gab es einen Punkt, an dem du gesagst hast, jetzt will ich es wirklich wissen?

Ich bin anfangs nur so mitgefahren. Aber ich bin auch der Typ, der sich gerne Ziele setzt und die dann erreicht. Mich interessieren weniger die Rennen, sondern eher der Weg und das Training dafür. Als ich dann irgendwann mal auf dem Podium gelandet bin, hatte ich nochmal einen anderen Anreiz. Man kann nicht viel an Preisgeldern oder so gewinnen, das macht man für sich. Einen Sprung habe ich dann mit dem regelmäßigen Winter-Paddeltraining in einer Trainingsgruppe gemacht.

Stephan Gölnitz

Du gehst auch im Winter morgens aufs Wasser?


Morgens Paddeln zu gehen und dann in die Arbeit, das gibt einen Motivationsschub für den ganzen Tag.


Ist das Paddeln Stressausgleich zum Job?


Auf jeden Fall. Ich bin beim ADAC Leiterin Facheinkauf und da kann es schon mal stressig werden. Wenn ich dann vor oder nach der Arbeit paddeln gehe, das hat auf jeden Fall etwas Meditatives, so wie Bahnen schwimmen. Manche empfinden das als langweilig. Ich empfinde das als total entspannend, wenn man sich auf diese gleichmäßige Bewegung konzentriert. Das bringt mich nach der Arbeit relativ schnell wieder runter.


Du hast mit Etienne die „Munich SUP Maniacs“ gegründet?


Das ist eine Facebook-Gruppe, in der wir auch die Trainings organisieren. Anfangs war das das einzige, was es im Umkreis von München gab. Im Sommer fehlt gerade etwas die Zeit, Etienne hat ja auch den SUP-Laden hier in München und er paddelt am wenigsten und ich paddel die Rennen. Unsere gemeinsame Zeit auf dem Wasser ist eher im Winter.


Etienne ist ja eher Surfer, du Racer, wie kriegt ihr das auf dem Wasser zusammen?


Wir sind von der Ausrichtung schon unterschiedlich, ich paddle eher lange Strecken, er eher Welle und Fluss. Aber er kommt auch mal mit auf Langstrecke und im Urlaub gehe wir dann in die Welle. Es verbindet uns aber einfach der Spaß am Paddeln.

Du sagest, dass du „leider“ nicht aus dem Ausdauersport kommst. Wärst du sonst vielleicht noch weiter gekommen, auch international?

Kann sein. Ich habe aber gesehen, dass bei vielen, die früher in anderen Leistungssportarten aktiv waren, dann ein Motivationstief kommt. Ich habe später angefangen, kam da frisch und froh rein und hatte richtig Spaß dran. Vielleicht hat mich das einfach weiter gepusht, wo andere viele Erfahrungen bereits schon mal erlebt hatten.

Wie groß ist dein Materialaufwand?

Ich habe bei Raceboards gar nicht viel gewechselt. Ich bin nicht jemand, der sich jedes Jahr ein neues Board anschafft. Renntechnisch muss man sich an ein Board ein bisschen gewöhnen. Für Damen ist es dabei schwierig, ein gutes Board zu finden, weil die meisten Boards den männlichen Markt bedienen.

Was würdest du dir bei einem Damenboard wünschen?

Für Damen sind die meisten Boards überdimensioniert.

Welche Breite fährst du?

21,5 Inch. Mein erstes Board war 28 Inch. Dann ging es runter auf 25 – damals dachten alle, das sei zu schmal und kippelig.

Haben sich jetzt die Boards verbessert, oder die Paddler?

Heute kann mit schmaleren Boards eine bessere Stabilität erreicht werden, aber auch die Skills haben sich deutlich verbessert. Wenn ich heute auf mein ehemaliges Mistral-Board steige, empfinde ich das nicht mehr als sehr kippelig, wobei früher jeder meinte, das sei wahnsinnig instabil.

Wieviel Zeit verwendest du fürs Training?

Im Sommer schon fünf- bis sechsmal die Woche, je ein bis zwei Stunden. Im Winter ein bisschen weniger.

Stephan Gölnitz Marion Rappl gehört zu den Urgesteinen der Stand-up-Paddle-Szene in Süddeutschland.

Wo liegt deine Schmerzgrenze hinsichtlich Wetter?

Ich liebe es im Winter zu paddeln, weil man da alleine ist. Unsere Grenze liegt bei minus acht Grad. Darunter wird es zu hart.

Was sagst du den Leuten, die dich für verrückt erklären?

Man bewegt sich beim Paddeln ähnlich wie beim Joggen. Und im Winter gehen auch viele Leute laufen. Mit dem richtigen Equipement, Trockenanzug und Schuhen – das ist die Schwachstelle – ist das kein Thema.

Woher kommt die Motivation, sich im Wettkampf so auszupowern?

Vor dem Wettkampf frage ich mich regelmäßig, wieso ich das eigentlich mache. Ich könnte ja auch zuschauen oder ganz entspannt paddeln. Aber das Gefühl hinterher, wenn man ins Ziel kommt und hat sich ausgepowert, das Gefühl alles gegeben zu haben, egal mit welcher Platzierung, das ist großartig.

Macht ihr auch mal SUP Sightseeing?

Wir fahren manchmal Flusstouren, die Isar von Schäftlarn bis zur Zoobrücke zum Beispiel. Das ist noch kein richtiges Widwasser, eher entspannt.

Reizt dich Wildwasser?

Ich stelle mehr und mehr fest, dass ich Spaß habe, mit Wind und Welle zu paddeln. Früher wollte ich immer nur Flachwasser und Long Distance. Mittlerweile freue ich mich über Wind und Seitenwelle, um ein bisschen mehr Herausforderung zu haben. Da ist Paddeln im Meer und im Wildwasser vielleicht die nächste Stufe.

Was sind deine Ziele auf dem Raceboard?

Ich würde mir gerne eine Deutsche Meisterschaft nicht so weit von München wünschen. Ein Platz unter den ersten drei wäre dabei dann ein Ziel.

Was würdest du Race-Einsteigern raten?

Ich würde auf jeden Fall mit einem Amateur-Rennen beginnen. Die längeren Rennen von zehn, zwölf Kilometern fährt man als Einsteiger nicht einfach so mit. Die meisten Veranstaltungen bieten aber auch eine kürzere Tour von drei, vier Kilometern an. Das ist zum Einstieg super.

Braucht man da ein Raceboard?

Nicht zwingend, aber es macht schon mehr Spaß. Man muss nicht das super schmale Brett haben, aber ein Raceboard ist empfehlenswert.

Was sind die Rennen, an die du dich besonders gerne erinnerst?

Ich war mehrfach Bayerische Meisterin und besonders toll war immer das 18-Kilometer-Rennen am Brombachsee, das einen an die Grenzen gebracht hat. Da ging es darum den inneren Schweinehund zu überwinden.

Themen: Interview


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