Eine kleine Abhandlung über den SUP "Leistungs"-Sport in Deutschland

10.09.2018 Schwarz, Olaf - Konkurrierende Verbände und darunter leidende Athleten, viel Action und Einsatz auf dem Wasser – aber mangelnde Unterstützung und Organisation durch die Verbände. Kein geringerer als Olaf Schwarz, immerhin zweifacher Vizeweltmeister im Kanu-Einer, Weltmeister im Kanu-Team und auch Deutscher Meister SUP, wirft einen kritischen Blick auf das aktuelle Geschehen im Wettkampfsport.

© Privatfoto
Olaf Schwarz: Weltmeister im Kanu-Team, 2 x Vizeweltmeister im Kanu Einer, Deutscher Meister SUP
Olaf Schwarz: Weltmeister im Kanu-Team, 2 x Vizeweltmeister im Kanu Einer, Deutscher Meister SUP

"Es war einmal…". So könnte diese kurze Geschichte über den SUP Wettkampfsport der letzten 10 Jahre in Deutschland und der Welt beginnen. Soll sie aber nicht. Ich möchte nach vorne schauen und aktuelle Entwicklungen, oder ist es doch eher Stillstand, betrachten.

Es geht auch nicht um den SUP Sport als Freizeitbeschäftigung, denn dieser entwickelt sich, glaubt man den Zahlen der Industrie, prächtig und die "Probleme", die immer mehr Menschen auf dem Wasser bringen, scheinen dies zu bestätigen.
Ich möchte mich hier nur mit dem SUP Wettkampf-/ Leistungssport befassen. Seit ca. 10 Jahren gibt es in Deutschland und dem Rest der Welt mehr oder weniger organisierte Veranstaltungen, bei denen SUPler*innen um die Wette paddeln, dabei mehr oder weniger Spaß haben, weil die Stecken zu lang, zu kurz sind, zu viele Kurven haben, zu wenig oder zu viel Wind ist etc.  oder die Konkurrenz ungeschickt, unfair oder doch ganz nett ist und Mann und Frau nach dem Rennen auch noch zusammen ein Kaltgetränk zu sich nehmen können, wenn es die Zeit denn zulässt.


Es wurden Wettkampf”Regeln” aufgestellt, an die sich weniger oder mehr gehalten wird, die Wettkampfformate wechseln immer mal wieder und NEUES wird ausprobiert, was in einer neuen und jungen Sportart ja auch wünschenswert ist.
Dann gibt es Vereine/Verbände, die mehr oder weniger miteinander arbeiten, um den Sport "zu entwickeln” ....Oh, ich schweife ab.

© Sonja Duschek
Da war alles noch einfach: 2011 und davor richtete der DWV einmal im Jahr eine SUP-DM aus. Das war's. Hier gewinnt Olaf Schwarz 2011 in Köln auf dem Rhein den Titel vor Moritz Martin und Stephan Gölnitz.
Da war alles noch einfach: 2011 und davor richtete der DWV einmal im Jahr eine SUP-DM aus. Das war's. Hier gewinnt Olaf Schwarz 2011 in Köln auf dem Rhein den Titel vor Moritz Martin und Stephan Gölnitz.

Also zurück zum "Leistungssport”. National / International
Ein Internationaler Verband schreibt eine Weltmeisterschaft aus, "der” nationale "Verband” lässt aber keine deutschen Paddler*innen teilnehmen (geschehen 2016).

2017 gibt es wieder eine Weltmeisterschaft. Die nationalen Qualifikationskriterien sind lange unklar oder nicht wirklich präzise formuliert. Dann fällt dem internationalen Verband plötzlich auch noch ein, upps, da war doch was mit der Gleichberechtigung von Frau und Mann. Also schnell noch einen Startplatz hinterherschieben. Eine weitere Herausforderung für den nationalen Verband.
2018 schreibt eine weiterer Verband (ICF) eine offenen Meisterschaft aus, an der Jede und Jeder Teilnehmen könnte und dürfte, so SIE oder ER denn Lust und Zeit haben.
Der andere internationale Verband (ISA), findet die Idee scheinbar nicht so gut und schafft es tatsächlich, die Veranstaltung über ein nationales Gericht verbieten zu lassen. Auch wenn das gegen das europäische Recht verstößt, haben die Sportler*innen erstmal das Nachsehen und hoffen, dass es irgendwie weitergeht.
Dafür verlegt der eine Verband (ISA) dann aber die "eigene" Meisterschaft eben mal von Brasilien nach China und lässt gleichzeitig noch eine "Serien-Weltmeisterschaft” ausrufen (APP Tour), damit die Verwirrung komplett ist.
Das scheint dann auch den nationalen Verband und seine Verantwortlichen so verwirrt zu haben, dass sie es mal wieder nicht schafften (siehe 2016/2017), klare und eindeutige Qualifikationskriterien für die eine oder andere WM, wer blickt da schon noch durch:), auszuschreiben.

© Stephan Gölnitz
Alle in eine Richtung, aber jeder auf seinem Weg. Auch international herrscht bisweilen Chaos: Das Lost Mills beispielsweise (Foto), ein hochrangiges Event, wechselte von Jahr zu Jahr in seinem internationalen Stellenwert. Für Nicht-Insider nicht immer erkennbar warum.
Alle in eine Richtung, aber jeder auf seinem Weg. Auch international herrscht bisweilen Chaos: Das Lost Mills beispielsweise (Foto), ein hochrangiges Event, wechselte von Jahr zu Jahr in seinem internationalen Stellenwert. Für Nicht-Insider nicht immer erkennbar warum.

Und wieder müssen es die Sportler*innen ausbaden. Es gibt Qualifikationsrennen, die im nachhinein dann wohl doch nicht wirklich welche waren, wozu auch, eine Deutsche Meisterschaft ist ja nicht sooo wichtig. Die Sportler*innen sollen aber tausende von Kilometern durch die Republik fahren, um sich dann doch noch zu qualifizieren, nur teilt man dieses nicht mit. Und so erscheinen auf dem zweiten "Qualifikationsrennen" auch nur eine Hand, oder waren es zwei Hände?, voll an Sportler*innen, die sich noch qualifizieren wollen/können oder dann doch einfach so nominiert werden, weil sie halt gerade vor Ort waren. Eine aussagekräftige Ergebnisliste habe ich bis heute nicht gefunden.
International erfolgreiche Fahrer*innen dürfen oder wollen, aus welchen Gründen auch immer, nicht an der WM teilnehmen.

"Hat das alles noch etwas mit sporlichem Fair Play zu tun?"

Hat das etwas mit "Wettkampf-/Leistungssport” zu tun, wo es darum gehen sollte, dass die oder der BESTE, SCHNELLSTE oder GESCHICKTESTE als erstes die Ziellinie überquert? Nicht wirklich oder?
Und so wird es auch in diesem Jahr wieder so sein, dass sich eine bunt zusammengewürfelte Truppe von Paddler*innen auf den Weg nach China, nicht Brasilien, macht, um an einer WM teilzunehmen. Sie starten zwar nicht alle in ihren Paradedisziplinen bzw. In denen, für die sich qualifiziert haben oder sind nicht die schnellsten Paddler*innen, die wir in Deutschland haben, aber ich wünsche natürlich allen eine gute Zeit.

"Die Sportler sollten das Heft in die Hand nehmen""

Für die Zeit nach der WM oder auch schon im Vorfeld, sollten die Sportlerinnen und Sportler, die den Sport mit Hingabe und Leidenschaft betreiben und dafür viel Zeit und nicht zuletzt auch Geld investieren, weil es ihnen Spaß macht, das Heft in die Hand nehmen, aufstehen und Entscheidungen mitbestimmen oder sogar selber festlegen, um nicht der Inkompetenz von Verbandsverantworlichen ausgeliefert zu sein.
Ihr seid STAND UP PADDLER, also steht auf und bringt EUREN Sport weiter! Lasst euch nicht länger in Entscheidungen zwängen, mit denen ihr nicht einverstanden seid. Übernehmt selber Verantwortung.

"Stand Up” und bildet einen starke Athletenvertretung, wie es sie auch in anderen Sportarten gibt. Nur dann werdet ihr EUREN Sport auch weiterbringen. Wartet nicht auf Entscheidungen von Verbänden und "Funktionären”, die nicht funktionieren.
Zusammenfassend könnte man sagen, dass sich in den letzten 10 Jahren SUP "Wettkampfsport" nicht wirklich viel getan hat. Eventuell liegt das aber auch an dem Sprichwort mit den vielen Köchen. Mal sehen, wie die Geschichte weitergeht.
E.ä.P. (Ein älterer Paddler); AKA Olaf Schwarz
 

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