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Abenteurer Bart de Zwart

  • Andreas Erbe
08.02.2019

Bart de Zwart lebt auf Maui, aber ist in der Welt zu Hause. Weltumsegelung, tagelange Nonstop-Paddelrekorde, eisige Expeditionen oder SUP-Rennen über 750 Kilometer - der gebürtige Holländer sucht die besonderen Herausforderungen und akzeptiert (fast) keine Grenzen.

Auch die Monsterwellen von Jaws vor Maui bezwang er.

Wenn das Klischee stimmt, dass Niederländer ein reisefreudiges Volks sind, dann treibt Bart de Zwart dieses Klischee auf die Spitze. Aufgewachsen auf einem Hausboot in Holland und mit den Eltern schon als Kind in den Wintermonaten auf dem Schiff in südlichen Gefilden unterwegs. Später als Windsurflehrer in Griechenland und dann als Stationsbetreiber auf der Karibikinsel Isla Magarita. Von dort zieht es ihn dann auf die Hawaii-Insel Maui, die er drei Jahre später für eine Weltumrundung mit seiner deutschen Frau Dagmar und der kleinen Tochter Soleil auf dem Segelboot wieder verlässt. Der Trip dauert drei Jahre. Dass er nun seit fast zehn Jahren wieder zurück auf Maui ist, bedeutet keinesfalls, dass der 48-Jährige nun des Reisens müde geworden wäre. Im Gegenteil, in dieser Zeit ist er eher still und heimlich zum wohl größten SUP-Abenteurer uüberhaupt geworden. Das Stand-up-Paddeln hat ihm völlig neue Möglichkeiten erschlossen. Wir trafen Bart in seinem Surfshop in Kahului auf Maui, nicht weit von den Traumspots, zum Interview.

Bart paddelte nonstop in vier Tagen von Tahiti nach Bora Bora.

Woher kommt deine Abenteuerlust– ist die angeboren? Ich war bereits als Kind viel mit meinen Eltern, die eine Segelschule in Loodsrecht südlich von Amsterdam hatten, unterwegs. Mit fünf Jahren stand ich das erste Mal auf einem Windsurfbrett. Damals faszinierten mich bereits die Touren, die Baron Arnoud de Rosnay machte (Red.: Der Franzose überquerte viele Meeresstraßen mit dem Windsurfer und blieb nach einem Trip im südchinesischen Meer verschollen). Mit 16 Jahren träumte ich schon davon, von Süd- nach Nordamerika zu surfen. Als ich auf der Isla Magarita war, habe ich versucht, die Insel mit dem Windsurfer zu umrunden, was allerdings wegen Windmangels scheiterte. Meinen ersten großen Trip auf dem SUP-Board habe ich 2011 zusammen mit Connor Baxter in Sambia gemacht. Auf dem Flug dorthin studierte ich die Weltkarte im Bordmagazin. Und dabei kamen mir viele Ideen. Unter anderem, dass ich den Atlantik mit dem SUP-Board überqueren könnte. Doch mir war klar, dass ich davor erst mal beweisen musste, lange alleine auf dem Brett unterwegs sein zu können. So kam mir die Idee, quasi als Training, von Big Island nach Kaui zu paddeln.

Alle hawaiianischen Inseln abzupaddeln – 480 Kilometer, alleine, fünf Tage lang, ohne einmal an Land zu gehen und auf einem ganz normalen 14-Fuß-Brett – das dürfte für 99,9 Prozent aller Menschen jenseits aller Vorstellungskraft liegen. Für dich war es nur Training? Das natürlich nicht. Das hat vor mir noch niemand gemacht. Mich reizt es, Dinge als Erster zu machen. Und vor allem am Anfang war es sehr hart. Ich bin in der Nacht gestartet und hatte gehofft, dann wenig Wind zu haben. Das war aber leider nicht so und der Wind kam von der Seite und es war eine starke Strömung. Ich wurde seekrank und bin die ersten fünf, sechs Stunden im Knien gepaddelt. Erst als ich den Wind im Rücken hatte wurde es etwas angenehmer zu paddeln.

Auf seinem ersten großen Abendteuer-Trip mit dem SUP-Board in Sambia begleitet ihn 2011 der junge Connor Baxter.

Konntest du überhaupt irgendwie schlafen? Ich hatte mir aus drei Beach-Luftmatratzen eine Art Umrandung gebaut, die ich nachts aufblasen konnte. Das gab ein bisschen Stabilität und ich blieb einigermaßen trocken. Doch zweimal bin ich im Schlaf gekentert – das ist kein schönes Gefühl. Außerdem musste ich mich zum Schlafen extrem dick anziehen, obwohl ich tagsüber in Shorts gepaddelt bin. Ich hatte einen dicken Neopren-Winteranzug an und darüber noch Regenjacke und Hose und trotzdem war die Kälte kaum auszuhalten.

Hattest du einen Treibanker, damit du nachts nicht vom Kurs abkamst? Nein, die Windrichtung trieb mich zwar immer ein bisschen Richtung Land, so dass ich am Tag wieder etwas Höhe gewinnen musste, aber das ging ganz gut. Ich hatte nur vorn am Brett eine Art Ruder, das den Kurs stabilisierte.

Die riesigen Jaws-Wellen gelten als Ritterschlag für jeden SUP-Surfer.

Wie warst du abgesichert? Ich hatte natürlich einen GPS-Tracker und mehrere andere GPS dabei, eine Karte und Kompass, falls das GPS ausfällt, sowie Essen und Wasser für etwa sechs Tage. Aber eigentlich war das Risiko nicht sehr hoch, denn mit den Tradewinds hätte ich immer in Richtung Land paddeln können. Es gab nur eine Sache, die nie passieren durfte, nämlich, dass ich das Brett verliere. Deshalb war ich immer mit zwei Leashes, teilweise sogar drei, mit dem Brett verbunden. Selbst beim Umziehen war ich immer mit mindestens einer Leine mit dem Brett verbunden. Außerdem hatte ich Ersatzpaddel und Leashes dabei.

Hast du irgendwann einmal gedacht, dass du aufgeben musst? Nein. Die Option darf meiner Meinung nach in deinen Planungen nicht vorkommen, denn sonst machst du es auch.

480 Kilometer paddeln ohne Landgang zwischen Big Island und Kauai.

Andere Sportler würden so einen Rekord medial vermutlich ziemlich inszenieren – mit großem Tamtam bei der Ankunft. Bei dir passiert das alles etwas stiller. Warum? Ich suche die Herausforderung in erster Linie für mich selbst. Meist halte ich meine Vorhaben eher geheim. Ich bereite mich immer sehr gut vor, aber ich erzähle wenigen Leuten davon. Wenn es zu sehr publik wird, ist die Gefahr groß, dass irgendwelche Behörden kommen und es dir verbieten wollen – obwohl es eigentlich nicht verboten ist. Eine ähnliche Tour wie in Hawaii habe ich auch von Tahiti nach Bora Bora gemacht – das waren vier Tage.

Von deinem Trip von England nach Holland hat man auch erst erfahren, als er vorbei war. Das war eigentlich eine eher kurze Strecke von 180 Kilometern, aber es war extrem hart. Ich wollte es in etwa 24 Stunden schaffen, aber am Ende waren es über 30. Es war sehr nebelig, teilweise kam der Wind von der Seite oder sogar von vorn und im Ärmelkanal fahren sehr viele Schiffe.

Die 180 Kilometer von England nach Holland waren mindestens genauso fordernd.

Gab es auch Abenteuer, die gescheitert sind? Den Traum von der Atlantik-Überquerung konnte ich mir nicht erfüllen. Da hat meine Frau Dagmar "nein" gesagt, weil die Vorbereitung und Durchführung zu aufwändig gewesen wäre. Wir haben ja auch noch unser Geschäft hier und das wäre nicht gegangen. Und meinen Plan, Grönland zu umrunden musste ich leider auch begraben. Wir hatten alles sehr gut vorbereitet, aber das Wetter ändert sich dort so schnell und man kann sich auf keine Wettervorhersage wirklich verlassen. Das war mir alles zu unsicher. Trotzdem habe ich auf dieser Reise mit die schönsten Erlebnisse gehabt. An einem schönen Tag überquerte ich eine etwa 60 Kilometer breite Bucht. Ich bin an kalbenden Gletschern vorbeigekommen und Wale begleiteten mich. Das war super spektakulär.

Die Weltumsegelung mit der "Luna" dauerte mit einigen Zwischenstopps insgesamt drei Jahre.

Neben deinen Abenteuern bist du aber auch bei Long-Distance-Rennen sehr erfolgreich. Du hast mehrfach die 11-City-Tour über gut 200 Kilometer in deiner Heimat Holland gewonnen. Aber das ist bei weitem nicht die längste Strecke die du im Wettkampf bewältigt hast. Der "Yukon River Quest" geht über 715 Kilometer auf dem Fluss durch Kanada. Das Rennen hat bei Kanu-Teams eine lange Tradition. Standup-Paddler waren lange nicht zugelassen, weil niemand glaubte, dass sie das Rennen schaffen würden. 2016 durften dann erstmals Paddler mitfahren. Ich war auch dabei und habe gewonnen. 2017 habe ich in gut 52 Stunden gesiegt. Dabei sind eine Pause von sieben Stunden und eine von drei Stunden Pflicht. Da kann man dann in Ruhe essen und ein bisschen schlafen – aber mehr als sechs Stunden waren das insgesamt nicht. Von den elf Stand-up-Paddlern sind neun ins Ziel gekommen – ein Teilnehmer hatte im Ziel allerdings Halluzinationen, weil er dehydriert war – er glaubte, die Gummibärchen, die er im Proviant hatte, wollten ihn töten...

Bart mit seiner Frau Dagmar.

So fit wie du bist, könntest du doch eigentlich auch auf der Worldtour mitfahren. Das habe ich zu Beginn der Tour auch gemacht. Damals haben Connor Baxter und ich schon sehr seriös trainiert und ich konnte vorne mitfahren. Mittlerweile bin ich auch schon ein bisschen älter und meine Vorteile liegen in der Ausdauer. Über zehn Kilometer hätte ich keine Chance aufs Podium – und das ist immer mein Ziel. Für mich werden Rennen ab 50 Kilometer interessant. Beim Maui2Molokai Downwind-Rennen komme ich in der 14-Fuß Klasse noch vorn mit an. In der offenen Klasse könnte ich nicht mithalten. Aber da kommt auch dazu, dass man für die extremen Downwinder unheimlich viel Wellengefühl haben muss – dort siegt nicht der schnellste Paddler, sondern die Jungs die dort geboren wurden und mit der Welle aufgewachsen sind.

Obwohl du ein echter Waterman bist, hast du trotzdem auch schon Herausforderungen an Land gesucht. Früher war ich viel in den Bergen unterwegs. Da bin ich auch schon auf dem Mont Blanc gewesen. Aber das haben schon viele gemacht, das ist nichts wirklich Außergewöhliches. Ich suche immer nach Dingen, die noch niemand zuvor gemacht hat.

Bart ließ Tochter Soleil früh die Faszination des Windsurfens hautnah spüren.

Wenn du wieder einmal eine Herausforderung gemeistert hast, was fühlst du dann? Nach fünf Tagen, in denen du dich total ausgepowert hast, nahezu auf alles verzichtet hast, dann schätzt du die alltäglichen Dinge viel mehr. Das ist immer ein sehr gutes Gefühl.

Du bist immer in Action – morgens gehst du oft noch vor Sonnenaufgang zum Wellenreiten oder Paddeln, dann bist du im Shop, später noch mal Windsurfen. Kommst du auch mal zur Ruhe? Am Strand sitzen und ein Buch lesen, das ist nicht so mein Ding – es sei denn, ich bin vorher ein paar Stunden gepaddelt. Aber ich mag es nicht, nach acht Uhr abends noch zu arbeiten oder am Computer sitzen zu müssen. Dann bin ich gerne zu Hause und schaue einen guten Film.

Oder schmiedest neue Pläne? Es gibt noch viele Herausforderungen. Als nächstes plane ich auf den Spuren von Thor Heyerdal und seiner berühmten Kon-Tiki zu den Marquesas-Inseln zu paddeln.

Bei all dem, was du bereits erlebt hast, müsstest du doch eigentlich ein Buch schreiben. Ich glaube, das wäre nur interessant, wenn auf meinen Touren richtig viel schiefgegangen wäre und ich es trotzdem überlebt hätte. Nein, dafür gab es bei mir zu wenig Drama – zum Glück!

Das wunderschöne Wohnhaus und die Appartments in Haiku hat Bart komplett selbst gebaut.

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