SUP Fahrtechnik: Frontside Wellenreiten

25.08.2012 Surf-Magazin - Frontside, also mit dem Bauch zum Wellenkamm die Welle abreiten, ist die größte Reifeprüfung nach dem Take-off für Wellenreit-Aufsteiger. Die Weltmeister Robby Naish und Kai Lenny sind die besten Lehrmeister.

"Freunde dich erst mit der Welle an und steigere dann deine Radien zur Welle" Robby Naish.
"Freunde dich erst mit der Welle an und steigere dann deine Radien zur Welle" Robby Naish.

Ein Künstler schnitzt sein Holz in prächtige Formen. Gute Wellenreiter sind wahre Künstler, die präzise Muster in eine Welle schneiden. Vergängliche Kunst – mit dem ganzen Körper ausgeführt. Und so wie der Kunstnovize seinen Meister braucht, um zur Vollendung zu gelangen, benötigt auch der Wave-Aufsteiger seinen Lehrer. Der erste richtungsweisende Schritt ist die Steigerung vom bloßen Vor-der-Wellegeradeaus- Abreiten zum Einsetzen der Brettkante in den Turn. Frontside-Wellenreiten beinhaltet zwei Kunstgriffe: die Drehung in den Bottom Turn (Belastung der Zehenspitzen bzw. der Bauch offenen Seite) und der Cutback (Belastung der Fersen bzw. der Rücken offenen Seite). Das darf auch am Anfang ein Schlängeln vor der Welle sein, bis man es wagt, in einem herzhaften Turn zum Wellenkamm, die Linie steiler zu beschreiben.

Wellenreiten ist Kunst – geschnitzt in einer Welle

Robby Naish ist bis heute einer der radikalsten und stylischsten Surfer dieses Planeten. Er zeigt euch mit dem Frontside Bottom Turn und Cutback die ersten wichtigen Wellen-Moves. Der Körper wird noch gefühlvoll in die Kurve gelegt. Der Kurvenradius ist relativ groß und der Wellenkamm wird in seiner nicht brechenden Phase abgeritten (im Idealfall folgt die brechende Sektion dem Fahrer). Jung-Star Kai Lenny zeigt euch die Steigerung eines Frontside-Ritts. Der Körper wird für den Richtungswechsel erheblich stärker eingesetzt, die Radien sind enger, der Cutback wird zum Off-the-Lip (im Idealfall nutzt man die brechende Sektion der Welle, um den Move zu zelebrieren).

frontside bottom turn/cutback 

Robby Naish - mehrfacher Windsurf-Weltmeister und SUP-Profi.

Voraussetzung für das Wellenreiten auf der Vorderseite ist der Take-off und das dazugehörige Timen (das richtige Abschätzen, wo und wann die Welle ihren Schub optimal entwickelt). Tipp: Wenn keine Wellenreiter und Stand-up- Paddler im Break sind, hinauspaddeln und im sicheren Abstand zur ersten brechenden Sektion (Impact Zone) beobachten, wo und in welchem Rhythmus die Welle bricht. Wellenlesen ist das Grundwerkzeug eines Surfers. Wer die Welle zu weit vor der Impact Zone schnappt, riskiert überollt zu werden, zu weit hinten reicht der Schub und die Paddelkraft nicht aus. Robby macht’s natürlich richtig:

SUP Fahrtechnik: Frontside Wellenreiten

Bild 1: Genau an der richtigen Stelle und im richtigen Moment paddelt er im Surfstance (asymmetrische Fußstellung, Robby ist Goofy Foot, also rechter Fuß vorne) die Welle schräg an.

Bild 2: Die Schrägfahrt in größeren Wellen ist wichtig. Führe er geradeaus hinunter, also im 90-Grad- Winkel zur Welle, würde ihn diese sofort ins Wellental, wo kein Schub mehr ist, schieben.

Bild 3: Die Welle bricht hinter ihm. Er belastet dezent die zum Bauch geneigte Brettkante (Frontside Rail) mit den Zehenspitzen.

Bild 4: Das Brett kann in dieser Phase recht schnell werden, da die Welle sehr steil ist. Das Paddel kann dazu dienen, das auszubalancieren, wie es Robby hier mit dem Paddelblatt über dem Weißwasser tut. Mann nennt das feathering.

Bild 5: Jetzt geht’s in den Bottom Turn: In die Knie gehen, die Frontside-Kante gefühlvoll belasten und mit Paddeleinsatz die Drehung zum Wellenkamm unterstützen.

Bild 6: Den Körper aufrichten, das Paddelblatt nach vorne heben und nicht zu knapp an die Wellenlippe surfen.

Bilder 7 und 8: Jetzt folgt der Belastungswechsel von Zehen auf Fersen (Cutback). Das Paddel wird frontseitig eingestochen, damit man notfalls (bei wenig Schub der Welle) anpaddeln kann.

Bilder 7 und 8: Jetzt folgt der Belastungswechsel von Zehen auf Fersen (Cutback). Das Paddel wird frontseitig eingestochen, damit man notfalls (bei wenig Schub der Welle) anpaddeln kann.

Bild 9: Robby bleibt cool auf der Backside-Kante (das Paddel stützt seine Schräglage).

Bild 10 und 11: Erst wenn das Brett direkt ins Wellental gleitet, macht er einen Belastungswechsel von Fersen auf Zehen, damit er gegebenfalls einen weiteren Bottom Turn einleiten kann (dies hängt davon ab, ob die Welle in voller Länge bricht oder nicht (close-out).

Bild 10 und 11: Erst wenn das Brett direkt ins Wellental gleitet, macht er einen Belastungswechsel von Fersen auf Zehen, damit er gegebenfalls einen weiteren Bottom Turn einleiten kann (dies hängt davon ab, ob die Welle in voller Länge bricht oder nicht (close-out).

2) frontside bottom turn off-the-lip

Kai Lenny, zweimaliger SUP-Wellen-Weltmeister.

Text: Steve Chismar 

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