Materialberatung: SUP Wildwasser

  • Stephan Gölnitz
 • Publiziert vor 4 Jahren

Alles für den Fluss: Gepäck-Check beim Wildwasser-profi: Nach 45 Jahren Kanusport weiß Klaus Cosmo Frieser ganz genau, was im Fluss unbedingt mit muss.

Alles für den Fluss

Wildwasser-SUP ohne die passende Montur, das ist wie American Football spielen – als Einziger ohne Helm. "Wildwasser erreicht auch mal Fließgeschwindigkeiten von 10 km/h", weiß Klaus "Cosmo" Frieser, er ist seit 30 Jahren Kanulehrer, sowie Canyoning- & Raft-Guide. Und was da im Falle eine Sturzes über und auch unter Wasser lauert, ist oft schärfer als jede Bordsteinkante. Nach einer komplizierten Schienbeinverletzung mit OP, Krankenhausaufenthalt und allem drum und dran nimmt er lieber einen Protektor mehr als zu wenig. Bei der Frage nach der Leash allerdings zögert er kurz. "Da unterscheide ich. Bei verblockten Flüssen, mit vielen Steinen und Bäumen, lasse ich die Leash weg. Da kann man zu leicht hängen bleiben. Bei freiem Wasser mit viel Druck dagegen gehört die Leash dazu. Die Loisach ist je nach Wasserstand als WW 3+ bis 4 einzustufen und mit Steinen durchsetzt, die befahre ich ohne, auf der Imster aber mit Leash." Damit es im Falle eines "Hängers" nicht zu lebensgefährlichen Situationen kommt, muss die Leash jederzeit lösbar sein. Mit einer leichtgängigen Auslösung direkt am Körper. Das Fußgelenk oder Knie erreicht man im fließenden Wasser auf keinen Fall mit der Hand. In der abgebildeten Weste (unten) löst sich bei Zug an der kleinen Kugel das Gurtband und damit auch der Edelstahlring, in den die Leash hinten eingeschäkelt ist. Besonders wichtig sind ebenfalls kurze Finnen, denn plötzlicher Steinkontakt führt zu unvorhersehbaren Stürzen, die besonders gemein sind.

Jenseits aller Materialvorkehrungen liegt Klaus noch ein allgemeiner Sicherheitstipp am Herzen: "Bei fehlender Erfahrung sind künstliche Flussverbauungen grundsätzlich zu umtragen. Die Gefahren sind bei Wehren für Laien nicht zu erkennen, es lauert eine unsichtbare, tödliche Falle. Ein klares ‚No Go!‘" Sehr viele weitere Infos zur Sicherheit, Befahrbarkeit von Flüssen und Naturschutzbeschränkungen findest du unter www.4-paddlers.com Klaus hilft Einsteigern ebenfalls gerne weiter, Kontakt über Facebook (Klaus Cosmo Frieser).

Wichtiger als jede Versicherungspolice: Auf dem Fluss muss die Leash jederzeit erreichbar und mit einem funktionierenden Quick Release (Schnellauslöser) ausgestattet sein. 

Nur so lässt sich die Verbindung Paddler – Board im Notfall jederzeit mit einem Zug lösen. 

Bei guten Kajak-Prallwesten ist das System integriert.

Mit Kinn- und Aufprallschutz

Board Cosmo hat natürlich den selbst entwickelten "Cosmo Snapper" dabei. Wildwasserboards sind allgemein zwischen 9’2’’ und 10’2’’ lang und 33 bis 36 Inch breit. Mit üblicherweise drei möglichst kurzen Finnen, von denen die äußeren fexibel und aufgeklebt sind. Der Snapper hat mit 20 Zentimetern besonders viel Aufbiegung vorne ("Nose Rocker" oder "Scoop" genannt), damit das Board nicht ins Weißwasser einsticht.

Paddel Pros bevorzugen einteilige Paddel mit gleichmäßigem und spürbarem Flex. Das Paddelblatt sollte möglichst robust sein, also nur Carbon-Blades oder aus GFK, die auf jeden Fall massiv laminiert sind, keine innen geschäumten Blätter. Das Paddel von Klaus hat keinen Winkel, "das ist für Steuerschläge besser".

Schuhe Auf keinen Fall Surfschuhe aus Neopren, denn "im Fluss lauern immer Scherben oder Altmetall, Schrauben". Schuhe mit solider Sohle sind daher Grundausstattung. Alte Turnschuhe sind okay, gute Schuhe gibt es im Zubehör für Wildwasser-Kanu oder"Canyoning".

Wurfsack Ist neben Karabinern das wichtigste Hilfsmittel, um Bergungen und Rettungen aller Art durchzuführen.

Prallschutzweste Für leichteres Wildwasser, in schwerem Wildwassser PFD (personal flotation device) mit Bergegurt, da ist der Prallschutz inklusive (wie im Bild rechte Seite).

Schienbein-Protektor Die kommen aus dem Mountainbike-Zubehör. Hartschalen sind fürs Wasser besser geeignet als Softschoner und Schienbein- und Knieschoner sollten als ein Teil zusammenhängen, "sonst sticht garantiert genau dazwischen der nächste Stein durch, ist mir schon passiert", warnt der Experte.

Trockenanzug Trockenanzüge geben maximale Bewegungsfreiheit. Es besteht aber die Gefahr, dass der Anzug aufgeschlitzt wird "und dann sauf’ ich ab", befürchtet Klaus und trägt deshalb bei schwierigem Wildwasser und beim Unterrichten lieber einen Neo.

Fleece Kuscheliges unter dem Trockenanzug für kalte Wassertempera-turen, denn dünne Trockenanzüge isolieren im Wasser nahezu gar nicht. Passende Fleece-Overalls findest du im Kanu- und Tauchzubehör.

Neopren Die bessere Wahl für hartes Wildwasser, weil ungefährlich auch nach Beschädigung (kann nicht volllaufen), außerdem gut wärmend im Wasser und mit leichter Prallschutzfunktion.

Helm Pflicht. Für hartes Wildwasser mit Vollschutz, ansonsten eine normale Halbschale. Alles im Kajak-Shop erhältlich.

Leash "Im verblockten Wasser mit vielen Steinen und Bäumen fahre ich ohne Leash, bei freiem Wasser mit viel Wasserdruck aber mit Leash – relativ lang und keine Spiralleash." Klaus hat für alle Fälle ein Spezialmesser dabei.  

Themen: MaterialberatungSUPWildwasser


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