SUP Surfing Europe: Roadtrip an der Westküste

25.03.2018 Dirk Herpel - Seit den Siebzigern gehört ein Roadtrip entlang Europas Westküste zum Pflichtprogramm in jedem Surfer-Leben. Gilt dies auch für wellensüchtige Stand-up-Paddler?

© Dirk Herpel
Alternative zum Kultspot Mundaka: Laga  
Alternative zum Kultspot Mundaka: Laga  

Die Atlantikküsten von Frankreich und Nordspanien sind zwar längst kein Geheimtipp mehr – in diesem Jahr feiert man in Biarritz bereits 60 Jahre Wellenreit-Tradition – doch die Mischung aus angenehmen Temperaturen, kons­tantem Swell und beindruckender Natur und Kultur auf relativ engem Raum ist kaum zu schlagen. Das ist auch der Grund, warum man an Grand Plage und Co. im Sommer über all die Surfer fast trockenen Fußes den Line-up erreichen kann. Und egal, ob im TÜV-fälligen Surfmobil oder im luxuriösen McRent Cruiser, das Surferfeeling der 60er dringt hier in jedes Mobil und die Hoffnung auf relativ leere Lines und entspannte Locals ist ebenfalls nicht völlig unbegründet. Die beste Reisezeit für viele Wellen, wenig Touris und noch angenehme Temperaturen liegt zwischen September und Anfang November oder vom April bis Juni.

Erster Stopp Les Landes

Von Biscarosse im Norden bis runter nach Bayonne reicht dieses größte zusammenhängende Waldgebiet Westeuropas. Hinter den dichten Pinienwäldern wartet ein endloser Sandstrand mit ein paar der besten Beachbreaks Europas. Nicht umsonst machen hier jedes Jahr, Anfang Oktober, die Profis der World Surf League halt. Da die Sandbänke sich immer wieder etwas verschieben, macht es Sinn, ein wenig rumzufahren. Allerdings, bläst der Wind irgendwo auflandig, ist der gesamte Küstenabschnitt verblasen. Geschütze Ecken sind hier Fehlanzeige. Man muss nehmen, was kommt. Wir stoppen­ für zwei Tage in Contis Plage. Hier kann man auf einem extra für Camper angelegten Platz, nicht weit vom Strand entfernt, übernachten. Obwohl hier keine Riffe lauern, im Frühjahr und Herbst ist das absolut kein Platz für Wellenanfänger. Die Welle hat Kraft, der Shorebreak bei Flut ist beindruckend und das Gleiche gilt für die Strömungen zwischen den Sandbänken. Dafür hat man mit etwas Glück wirklich kraftvolle Lefts und Rights zur Auswahl und wenn man kein Problem damit hat auch mal ein Stückchen herum zu paddeln, findet man zu dieser Jahreszeit schnell mal eine Welle nur für sich.

Zweiter Stopp Biarritz

Hier einmal aufs Wasser zu gehen ist einfach ein Muss. Wobei man als Stand-up-Paddler am besten am Cote Basque aufgehoben ist. Der Grand Plage vor dem Casino ist Surfern vorbehalten. Parken ist in der Nähe des Spots allerdings auch in der Nachsaison mit Bus oder Womo keine leichte Aufgabe. Nach dem Surf oberhalb des Spots einen kleinen Kaffee trinken und aufs Wasser schauen, ist fast so gut wie am Fuß der Treppe mit etwas Glück eine unglaublich lange, an vielen Tagen nicht übermäßig steile Welle ganz für sich allein zu erwischen. Kein Wunder, dass sich hier viele Longboarder tummeln. Aber auch Stand-up-Paddler, meistens noch eine eher seltene Spezies an den Spots, sind hier regelmäßig im Line-up zu sehen. Aufpassen muss man mit den vielen Surfschülern und bei Flut mit dem Ausstieg. Dann ist der riesige Strand verschwunden und man sollte schon Erfahrung haben, um die glitschige Treppe im Shorebreak nicht zu verfehlen. Gleiches gilt für großen Swell. Da muss neben Erfahrung eine dicke Leash und Selbstbewusstsein da sein, um gegen Strömung und Locals zu bestehen. Zum Apres Surf bietet sich das "Le Surfing" direkt am Spot an. Stylischer Mix aus Surfflair und relativ günstigen After Surf Snacks mit perfekter Aussicht auf den Spot. Kurzfristig im Womo übernachten kann man sogar nicht weit entfernt auf einem extra für Wohnmobile angelegten Platz gegenüber dem Ocean City Museum. Oder auf einem der zahlreichen Campingplätze. Allerdings schließen viele schon Anfang Oktober.

© Dirk Herpel
In Biarritz liegen die Wurzeln des europäischen Wellenreitens. Entsprechend viel Verkehr ist hier auf der Welle. 
In Biarritz liegen die Wurzeln des europäischen Wellenreitens. Entsprechend viel Verkehr ist hier auf der Welle. 

Dritter Stopp Hendaye

Der sanft ansteigende Sandstrand und die durch die große Hafenmole geschützte Bucht machen den französischen Stadtspot mit spanischem Flair zum perfekten Tummelplatz für Surfanfänger. Dementsprechend viele Surfschulen belegen hier den Line-up. Allerdings ist der Strand sehr weitläufig, und gerade mit dem SUP sollte sich der eine oder andere weniger überfüllte Peak schnell finden. Wenn alle anderen Spots closed out brechen, finden hier auch Könner eine lang laufende Welle. Parkplätze für Womos sind schon aufgrund der eher kurzen Parkbuchten an der Promenade schwieriger zu bekommen.

Vierter Stopp Bilbao

Okay, no surf, dafür macht ein Besuch im Guggenheim Museum auf jeden Fall Spaß und abends wechselt man die Flusseite und geht in die Altstadt in eine der vielen Bars Pintxos essen und Wein trinken. Was hier als Pintxos (Brötchen) angeboten wird, ist feinste kreative Küche und hat mit unseren Stullen gar nix zu tun.

Fünfter Stopp Mundaka

Die beste Left Europas ist gerade mal eine gute Stunde von Bilbao entfernt. Nicht nur deswegen ist es hier nie wirklich leer, wenn die Welle läuft. Etwas entspannter geht es auf der anderen Flussseite zu. In  der nächsten Bucht in Laga kann man auch über Nacht stehen bleiben und der Spot bietet eine raue Kulisse mit schnellen, steilen Wellen, die über Sand und ein paar Steinen brechen. Von hier aus kann man dann auch direkt zurück nach Frankreich fahren. Entweder ohne Umweg wieder zurück über die Autobahn oder man nimmt sich Zeit für die Küstenstraße.

Kurvig ist es, ab und zu recht steil und nicht jede Biegung schafft man in einem Zug, aber die Landschaft inklusive Aussicht lohnt den Umweg an der Küste entlang. Zumal hier natürlich auch noch ein paar Spots warten. Mit einer kleinen Insel, zu der man bei Ebbe rüber wandern kann, wartet Lekeitio auf. Kleine, aber sehr saubere und entspannte, lang laufende Wellen bei auflaufendem Wasser machen jede Menge Spaß. Wird der Swell zu groß, bricht die Welle allerdings schnell closed out. Abends kann man gemütlich rüber in die Altstadt spazieren und beste spanische Tapas in einer der vielen Bars genießen. Bleibt man auf der Küstenstraße, kommt man nach vielen Kurven direkt am Strand von Deba vorbei. Bekannt für eine kraftvolle und große­ Right. Also mehr ein Spot zum Zuschauen als zum Mitspielen. Kann aber auch bei kleinem Swell eine nette Alternative sein. Letzter Stopp vor der Grenze ist dann mit Zarautz noch mal eine größere Stadt. Auch hier gilt, großer Strand, wenig Parkplätze für Wohnmobile und recht viel Verkehr auf dem Wasser. Dafür läuft hier fast immer eine Welle, nur reiner Westswell ist abgedeckt. An Land gibt es die komplette Surf-Infrastruktur mit mehreren Shops und Surfschulen.

Wer die Vorfahrtsregeln in der Welle beherrscht und beachtet, dazu schon ein wenig Wellenerfahrung mitbringt, bekommt gerade mit dem Womo, sicher auch mit dem SUP-Board seine Extraportion perfekter Wellen im Baskenland ab. Wer sich nicht an die Hackordnung im Line-up hält kann aber auch in der Nachsaison nicht mit der Gnade der Surfer rechnen, die sich an den bekannten Spots eigentlich immer in der Überzahl befinden und je nach Lust und Laune SUP-Surfer ignorieren oder auch mal aus ihrer Welle verscheuchen wollen. An eher Longboard lastigen Spots herrscht im allgemeinen eine entspantere Stimmung im Line-up. Apropos bekannte Spots, in fast jedem Surfshop kann man sich umsonst eine Surfer Map mitnehmen, die detailliert alle bekannten Spots in der Gegend erklärt und auch eine Liste der Surfshops und Schulen beinhaltet. 


© Stephan Gölnitz
Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SUP 1/2017 können Sie in der SURF App (iTunes und Google Play) lesen – die Print-Ausgabe erhalten Sie hier.
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