Dänemark: SUP City Tour durch Kopenhagen

01.02.2018 Dirk Herpel - Total Hyggelig: Die glücklichsten Menschen der Welt sollten mal in Dänemark leben. Vielleicht weil überdurchschnittlich viele Dänen am Wasser wohnen? Ein SUP-Trip durch die Hauptstadt auf der Suche nach dem Grund zum Glücklichsein.

© Klaas Voget
Alles so schön bunt hier, Phine, Paulina und Kai zu Besuch in Kopenhagens Nyhaven. 
Alles so schön bunt hier, Phine, Paulina und Kai zu Besuch in Kopenhagens Nyhaven. 

"Ich weiß jetzt was wir machen, wir fahren einfach in die Hauptstadt der glücklichsten Menschen der Welt!" verkündete Paulina eines Tages euphorisch. Jugendliche Euphorie, die erstmal auf Widerstand stößt. "Wer und wo bitte soll das sein?" will Phine wissen, "die Australier? Die Kanadier?" Das erschien Kai entschieden zu weit für ein langes Wochenende. "Ihr liegt ja auch völlig falsch, wir können morgen früh von Hamburg aus mit dem Zug direkt dorthin fahren. Über Fehmarn, dann rauf auf die Fähre und zwei Sunden später sind wir am Ziel: Kopenhagen Hauptbahnhof."   "Die Dänen!", dämmert es Phine. Hatte sie doch auch vor kurzem gelesen: "Die sind nicht nur glücklich, sondern auch ehrlich. Bei einem Versuch mit liegen gelassenen Geldbörsen in einigen Großstädten sind nur in Kopenhagen alle wieder zurückgegeben worden. "Na dann kann ja nichts schiefgehen", ist damit auch Kai überzeugt. "Da ist ja auch im September 2017 die WM. Bin mal gespannt wie die Rennstrecken aussehen. Lass uns mal eine gute Verbindung raussuchen."

"Velkommen om bord. Vi ønsker jer en behagelig overfart." Wer es noch nie gemacht hat kann es kaum glauben: Langsam tuckert unser kompletter Zug in das weit aufgesperrte Maul der Fähre. Kurz danach, ein kleiner Ruck, und wir sind an Bord. So muss sich wohl Jonas gefühlt haben – im Bauch des Wals. Der Zug steht immer noch auf Schienen, aber unter dem Bug plätschert die Ostsee. Wir lassen uns kurz die frische Luft um die Nase wehen, dann geht es schon weiter. Gut zwei Stunden später stolpern wir  in Kopenhagen aus dem ICE. Ankunft, Endstation. Vor uns das Tivoli, neben uns eine unglaubliche, fast schon beängstigende Masse an Fahrrädern.  "Lasst uns bloß schnell eigene Räder mieten, das ist hier eh das beste Fortbewegungsmittel, zumindest an Land", schlägt Phine vor. Superbreite Radwege, flaches Land, kurze Entfernungen und sogar eigene Fahrradampeln und wie wir später noch sehen werden, eigene Schnellfahrradwege für flotte Drahtesel. Nicht umsonst gilt Kopenhagen als Fahrradparadies. Am Anfang muss man aber erst mal checken, wie das hier so läuft mit dem Fahrradverkehr. Sonst kommt man schnell unter die Räder. Denn hier ist richtig was los.

© Klaas Voget
Kleines Pre-Race-Training: Im September kämpfen vor dieser eindrucksvollen Kulisse die besten SUP-Teams der Welt um die WM. 
Kleines Pre-Race-Training: Im September kämpfen vor dieser eindrucksvollen Kulisse die besten SUP-Teams der Welt um die WM. 

Unter den aufmerksamen Augen einer riesengroßen Video-Installation geht es am Rathaus vorbei immer Richtung Wasser. Unser Ziel ist die königliche Bibliothek. Hier soll man ein gutes, recht günstiges Mittagessen bekommen und der Vorplatz ist der ideale Startplatz für den Umstieg vom Rad aufs SUP-Board. Herr Steimer ist wieder mal der Erste an der Bar: "Die Auswahl ist nicht riesig und alles Bio und ganz ehrlich, so eine coole Bibliothek hätte ich auch gerne in meiner Uni." Um uns glänzt es vornehm. In der schwarzen Fassade der königlichen Bibliothek spiegelt sich die Sonne. Studenten tummeln sich auf der Terrasse davor. So großstädtisch mondän wird Dänemark sonst selten wahrgenommen. Noch einen Cappuccino, danach pumpen sich unsere Boards fast wie von alleine auf. Alles, was wir nicht brauchen, schließen wir einfach an unsere weltbekannten Christiania-Dreiräder. Das sind Fahrräder mit einem großen Korb in der Mitte. Perfekte Lastesel für iSUPs. Wir padddeln stromaufwärts, wir wollen der bekanntesten Dame der Stadt unsere Aufwartung machen. Die knallgelbe Stadt-Fähre kreuzt unseren Weg, ganz schön flott unterwegs das eckige Ding. Dem möchte man nicht zu nahe kommen. Ein paar Wellen gibt es hier auch, etwas Übung sollte man für den Trip mitbringen, mit Gegenwind sind wir länger unterwegs als gedacht. Nach circa 20 Minuten glänzt sie uns endlich goldig entgegen. Gut dass wir vom Wasser aus so nah ranpaddeln können, denn die kleine Meerjungfrau ist wirklich nicht die Größte.

Auf dem Rückweg paddeln wir entspannt an der supermodernen Oper entlang. Hier gib es nicht nur was auf die Ohren, sondern mindestens einmal im Jahr auch richtig was zu sehen. Dann machen die Cliffdiver von Red Bull hier Station und stürzen sich vom Dach der Oper ins Wasser. Da hier jede Menge Platz für Zuschauer ist, ist es gut vorstellbar, dass hier auch die Flachwasser-Rennen der WM ausgetragen werden. Aber das ist ja noch ein bisschen hin. Wir paddeln derweil in gemütlichem Tempo in Richtung "Freistadt Christiania". Ein alter Teil der großen Marineanlagen von Kopenhagen. In den 70er-Jahren wurden diese kaum genutzten Anlagen von Hausbesetzern übernommen und der Freistaat Christiania ausgerufen. Seitdem ist dieser Bereich eine Stadt in der Stadt. Mit eigenen Regeln, phantasievollen Häusern und lockeren Bewohnern. Passend: die "Pusher Street" von Christiania ist weit über die Grenzen von Dänemark hinaus bekannt für den relativ lockeren Umgang mit weichen Drogen. Davon sehen und riechen wir nichts, dafür paddeln wir an ein paar ziemlich rumpeligen Hausbooten auf der einen, und einer supermodernen Siedlung auf der anderen Seite vorbei. Wir kommen am Kanal hinter der Oper entlang und gehen an der "Kontiki Bar" längs. Ein, wie sollte es anders sein, Hausboot, das zu einem ziemlich coolen Restaurant umgebaut wurde. Da die Gebäude dahinter die Kunst-Akademie beherbergen, können wir ein paar supercoole Dänen bei der Mittagspause beobachten. "Ihr müsst unbedingt Mal aufs Klo, ist eine Erfahrung", prustet Kai aufgeregt. Hallo? Ein Boden aus Plexiglas, mit freiem Blick aufs Ostsee-Wasser ist nicht nur für ein stilles Örtchen gewöhnungsbedürftig. Nach einer kurzen Pause geht es zurück zu den Bikes. So langsam müssen wir auch mal wieder Richtung Hotel radeln. Ganz easy zu finden, immer am Ufer entlang, dann stehen wir vor dem "Copenhagen Island".

Der Name des Hotels ist Programm. Es liegt auf einer kleinen "Insel" und hat natürlich direkten Wasserzugang. So paddeln wir einfach nach dem ausgiebigen Frühstück mit leicht brummenden Köpfen Richtung Innenstadt. Die frische Luft tut gut und verscheucht die Nachwirkungen des feuchtfröhlichen Umtrunks am Vorabend im "War Picks". Die Knochen an den Zapfsäulen der Craft-Bier-Kneipe auf dem ehemaligen Schlachthausgelände hätten uns warnen sollen. Hinterher ist man immer schlauer. Gut, dass Alkohol recht teuer ist, das hat unseren Durst etwas gedämpft. Beginnen wir heute unser Touristenprogramm mit einem absoluten Pflichtbesuch, eine Runde im bunten "Nyhaven". Hier taucht wohl jeder Kopenhagen-Tourist zumindest einmal auf. So ist der Trubel schon am Vormittag gewaltig. Die bunten Häuser und davor die alten Kähne, einfach nett oder besser "hyggelig" wie es der Däne wohl nennen würde. Hier kommt man ohne ein echtes Softeis nicht raus. Mit der Kreditkarte kann man übrigens überall bezahlen, gut für Stand-up-Touris mit leichtem Gepäck. Wir nutzen das schöne Wetter und paddeln noch eine Runde in Richtung gegenüberliegendes Ufer. Nyhaven ist uns auf die Dauer trotz leckerem Eis viel zu viel Touritrubel.

Wir wollen weiter nach "Papiroen", der Papierinsel. Doch vorher drehen wir noch eine Runde in dem dahinter liegenden Kanal. Ein Hausboot nach dem anderen schaukelt gut vertäut am Ufer. Viel besser kann man nicht wohnen. Bei den ultrateuren Mietpreisen hier würde ich gerne wissen, wie man an so einen Liegeplatz kommt. Die werden vermutlich von Generation zu Generation in der Familie vererbt. Hier gibt es sogar ein kleines grünes Carlsberg-Boot. Na dann Prost! Als wir wieder rauskommen aus dem Kanal winken uns ein paar entspannte Menschen vom Ufer der Papierinsel zu. Hier, in zwei alten Lagerhallen, findet man den Copenhagen Street Food Market. Ein wuseliger Ort mit vielen unterschiedlichen Essenständen. So isst man sich schnell und relativ günstig einmal rund um den Globus. Anschließend sitzen wir noch in der herrlichen Sonne und beobachten das Treiben auf dem Wasser und am anderen Ufer. So langsam spüren wir, was "hyggelig" wirklich bedeutet. Schade, dass unser Zug heute Abend schon wieder zurückfährt. Eins ist schon klar. Das ist nicht unser letzter Besuch in Kopenhagen, auch wenn die Dänen jetzt, 2017, "nur" noch die zweitglücklichsten Menschen sein sollen. Bis dahin: Mane tack und bye for nu!


© Stephan Gölnitz
Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SUP 1/2017 können Sie in der SURF App (iTunes und Google Play) lesen – die Print-Ausgabe erhalten Sie hier.
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