Interview: Deutscher Meister im Wildwasser SUP 2017, Valentin Illichmann

28.09.2017 Gölnitz,Stephan - "Mehr Wildwasser, weniger Langstrecke" – mal sehen, ob es dabei bleibt. Kurz nach unserem 'Interview hier, hat Valentin Illichmann gezeigt, dass auch im Flachwasser-Racing weiter mit ihm zu rechnen ist...

Gratuliere zum Titel! Das ist jetzt einer von drei vergebenen. Erklär doch bitte mal die Disziplinen.

Valentin Illichmann: Die erste Disziplin ist das Zeitfahren, das klassische Wildwasserrennen. Da wird einzeln gestartet, über eine strecke von diesmal zum Beispiel 2:08 Minuten für die Schnellsten. Es geht den Fluss runter durch härtere Stromschnellen, teilweise noch um Bojen. Wir hatten eine deutsche Wertung und die Europameisterwertung. Da habe ich den deutschen Titel gewonnen und die Tschechen den Europatitel. Die sind super stark.

© Andy Klotz
Boarder Cross bei der DM in Lofer
Boarder Cross bei der DM in Lofer

Welches sind die beiden anderen Disziplinen?

Es gibt noch Cross. Das ist der gleiche Kurs, nur dass man zu vier startet ohne Zeitmessung. die beiden Ersten kommen eine Runde weiter. Das klassische K.O.-System wie im Flachwasser. Die dritte Disziplin ist das "Down the River Race", eine Mittelstrecke im sehr einfachen Wildwasser, also Fließgewässer ohne starke Stromschnellen, mit zwei, drei Bojen. Das dauert 15 Minuten etwa. Da starten alle zusammen. Man muss da natürlich auch das Wasser lesen können. Damit man die beste Linie trifft. aber es geht nicht darum, oben zu bleiben auf Teufel komm raus.

Was reizt dich am Wildwasser? Du fährst da ja mehr als im Flachwasser als bei Flachwasserrennen.

Das ist spannender, mehr Action-geladen. Ich vergleiche das immer mit Mountainbike bergab fahren im Vergleich zum Rennrad fahren. Ich mag aber auch den Trainingsaspekt auf Flachwasser noch immer.

Welche Wildwasserdisziplin gefällt dir am besten?

Am Coolsten finde ich eigentlich das Boarder Cross und das Zeitfahren. Die Langstrecke kann am Schluss schon wieder sehr zermürbend werden.

Brauchen wir mehr Wildwasser-Events?

Ja, auf jeden Fall. Je mehr desto besser. Da gibt es ja im Vergleich zu den Flachwasser-Rennen auch eine ganz eigenene Gruppe an Fahrern. Von deren Seite wird es vermutlich auch bald etwas selbst organisiertes geben. Wegen der Hochwasser-Erfahrungen letztes Jahr Jahr wurde die Strecke ja jetzt auf ein leichteres Stück verlegt, in die St. Martins Schlucht, was auch für alle nachvollziehbar war. Aber für die, die gut im Wildwasser fahren, ist das schon ein bisschen langweilig geworden. Da war nur eine wirkliche Stromschnelle auf dem Kurs. Letztes Jahr, auf der Slalomstrecke, da reihte sich halt eine nach der anderen.

Hätte man das anders machen können?.

Ich glaube schon. Man hätte das auf der Slalomstrecke im oberen Teil austragen können. Vielleicht mit einer kleinen Aufgabe vorab, die jeder schaffen muss, um am Profi-Rennen teilzunehmen. Um festzustellen, ob man geeignet ist. Links und rechts traversieren, Kehrwasser Ein- und Ausfahrten beherrschen. Wenn jemand das beherrscht, ist er geeignet das zu fahren. 

Reden die Teilnehmer da mit?

Wir sagen schon unsere Meinung, aber letztendlich muss der Veranstalter ja auch die Verantwortung übernehmen und die entscheidungen treffen.

Kommen die Teilnehmer eher vom Flachwasser-SUP oder vom Wildwasser-Kanu?

Da kommen sehr viele vom Kayak-Wildwasser. Vor allem vom Slalom in den Kanälen. Die Tschechen sind da sehr stark. Die haben in Prag sehr viele Kanäle. Aber natürlich auch ein paar Flachwasserpaddler, so wie ich.

Wie unterschiedlich ist denn das Niveau momentan bei den Contests?

Da gibt es schon Unterschiede,aber man muss sagen, dass die Leute, die weniger Wildwassererfahrung haben und dann mal härteres Wildwasser ausprobieren, meistens ganz gut durchkommen. Die denken nicht drüber nach, was alles passieren kann. Wenn man schon länger Wildwasser paddelt, sieht man mehr Gefahrenstellen, ist vielleicht schon selber mal in einer Walze gehalten worden und ist daher die ganze Zeit angespannt: Wo positioniere ich meinen Fuß? Wie weit gehe ich in die Knie? Lauter solche Sachen. Als Anfänger hat man dagegen wirklich oft das Anfänger-Glück. Das hat man jetzt auch wieder gesehen, dass vioele, die mit ihren Allroundboards gekommen sind, in den Trainingsläufen teilweise besser durchgekommen sind als man selber. Die schauen sich das nicht großartig an und schaffen es trotzdem. Wir wollen ja die schnellste Linie, wir schauen uns an, wo prallt Wasser zurück, wo zieht es rein, wie kann ich mich mit den Beinen am besten durchdrücken, um aus einer Stufe noch Geschwindigkeit mitzunehmen. Da konzentriert man sich gerade im Rennen manchmal zu sehr auf den Geschwindigkeitsaspekt.

Wie steigt man als Flachwasserpaddler am besten ins Wildwassergeschehen ein? Das ist ja nicht ganz ungefährlich.

Das stimmt. Eigentlich geht man zuerst nur mit Leuten, die das beherrschen. Es gibt ja auch Camps – ich habe vor Lofer eins angeboten – Toby Hüther mit Bavarian Waters führt soclhe Camps durch. Ansonsten die Fahrer, die eh jedes Wochenende unterwegs sind einfach mal fragen. Wir fahren ja auch leichte Strecken, schöne Flusstouren, die dann zwei, drei Stunden gehen. Aber alleine auf keinen Fall.

Was benötigt man als Minestausrüstung?

Auf jeden Fall Helm und Schwimmweste. Feste Schuhe sind vorteilhaft. Laufschuhe gehen auch, wenn man keine speziellen Wildwasserschuhe kaufen will. Auf jeden Fall, wenn man mit Leash fährt, nur mit Hüftleash, die sich schnell und sicher auslöäsen lässt.

Bei euch sieht man jede Menge zusätzlicher Protektoren an Knie und Ellenbogen. Ab welcher Wildwasserstufe benötigt man das?

Ab da, wo man glaubt, dass es nötig ist. Es kann jeder selber entscheiden. Aber eigentlich dann, wenn große Felsen im Fluss stehen. Andererseits kann man natürlich auch an einem heißen Sommertag in der flachen Isar mit den Finnen hängen bleiben und vorne in den Fluss fallen. Im Zweife würde ich raten, wenn man noch Skateboard- oder Mountainbikeschoner hat, die anzuziehen.

Was war dein unangenehmstes Erlebnis im Wildwasser?

Das war auf der Flusstour, die wir jetzt in Montenegro gemacht haben. Das war das erste Mal, dass ich einen Fluss gefahren bin mit richtig viel Wasserkraft. Da ist mein Brett links an einem Stein vorbei, ich rehcts vorbei. Zum Glück mit Hüftleash, aber trotzdem sehr, sehr gruselig. Da hat es mich für kurze Zeit ganz schön fest gehalten und unter Wasser gedrückt. Solche Situationern werden aber in Kursen auch trainiert.

Wo willst du deine Schwerpunkte setzen 2018?

Auf jeden Fall wieder im Wildwasser. Ich hoffe, das sich die Events nicht so überschneiden, wie dieses Jahr das Outdoor Mixed Festival in Frankreich mit Markkleeberg. Das fand ich sehr schade. Dazu natürlich Meer, aber auch Flachwasser. Die Alps-Trophy, meine Home Spots.

Glaubst du nicht, dass man sich zunehmend spezialisieren muss?

Ich weiß es nicht. Mir macht der ganze sport Spaß. Tech Races in Norddeutschland genau so wie Wildwasser hier im Süden. Ich möchte das voll ausschöpfen. Die Flachwasserrennen, die so in die Länge gehen werde ich vielleicht ein bisschen zurückstellen. Aber das ist nicht sicher. WEnn es sich ergibt, dass ich da wieder punkte, werde ich auch wieder drauf hintrainieren. (Red.: Drei nach diesem Interview belegte Valentin super Plätze beim Chiemsee Marathon und bei der Bayerischen Meisterschaft – die lange Strecke ist wieder angesagt :-))

Danke und viel Glück!

© Stephan Gölnitz
Das Wildwasserpaddeln bringt auch Sprintstärke, hier bei der Bayerischen Meisterschaft 2017
Das Wildwasserpaddeln bringt auch Sprintstärke, hier bei der Bayerischen Meisterschaft 2017
Kommentare zu diesem Artikel
comments powered by Disqus

Artikel empfehlen |  Artikel drucken

Das könnte Sie auch interessieren

Klotzi rund Ammersee
Roundabout Ammersee im Morgengrauen – macht 37 Kilometer 26.07.2017 —

Hier zeigt sich SUP-Fotograf Andy Klotz (fotobyklotzi.de) mal auf der anderen Seite. Mit dem Paddel statt Kamera in der Hand.

mehr »

Eine Legende hat uns verlassen: Jack O’Neill Memorial Paddle-outs: <p>
	Eine Legende hat uns verlassen: Jack O&rsquo;Neill Memorial Paddle-outs &ndash; Juli 2017</p> Video
Eine Legende hat uns verlassen: Jack O’Neill Memorial Paddle-outs 14.07.2017 —

Er widmete fast sein gesamtes Leben den Ozeanen und arbeitete unermüdlich daran, jedem ihre Vorteile für die Gesundheit, die Wirtschaft und die Umwelt zugänglich zu machen. Am 2. Juli 2017 ist er im Alter von 94 Jahren in Santa Cruz verstorben.

mehr »

Interview mit Sonni Hönscheid: <p>
	Sonni H&ouml;nscheid&nbsp;</p>
Interview mit Sonni Hönscheid 29.06.2017 —

Kurz vor dem Mercedes-Benz SUP World Cup in Scharbeutz (30.06.-02.07.2017) beantwortet Sonni Hönscheid fünf Fragen im Kurzinterview.

mehr »

Blog 5
Paul Ganse im Wintertraining – die Saison rückt näher 18.03.2017 —

Kaum zu glauben, wie lange so ein Winter ist...JP-Teamrider Paul Ganse spielt und trainiert noch immer in Kapstadt...aber die Saison rückt näher und damit auch der "Ernst des SUP-Lebens"....

mehr »

Sonni Hönscheid
Interview: Sonni Hönscheid 02.02.2017 —

Sonni Hönscheid, die erfolgreichste deutsche Stand-up-Paddlerin mit internationalem Ansehen und großartigen Erfolgen wie den Siegen beim "Maui to Olukai Race" und dem Sieg beim International Lost Mills Race 2016, wechselte zum Jahresbeginn von SIC zu Starboard. Eine Marke, die in Deutschland deutlich stärker vertreten ist. Wir haben Sonni getroffen und nachgehakt, ob das auch ihr Engagement bei deutschen Contests verstärkt –und was sonst so ansteht.

mehr »

Schlagwörter

Valentin IllichmannDeutscher Meister Wildwasser SUP



Galerie SUP