Etikette in der Welle

20.07.2017 Gölnitz,Stephan - Stand-up-Paddeln ist in gemäßigten Wellen deutlich einfacher als klassisches Wellenreiten und bietet einige Vorteile. Damit es keinen – unnötigen – Stress mit Wellenreitern gibt, sollte jeder Stand-up-Paddler die Regeln kennen. Und wissen, was über die Regeln hinaus das Miteinander nachhaltig verbessern kann. Dazu im Interview: Philipp Kuretzky

© DWV

Philipp Kuretzky ist amtierender Präsident des deutschen Wellenreitverbands und ausserdem Ausbilder im VDWL - dem Verband der deutschen Wellenreitlehrer. Peter Rochel von der SUP Online Academy hat mit ihm über Stand Up Paddler in Wellenrevieren und Wellenreiter, die teilweise keine gute Meinung von den SUP'ern zu haben scheinen, gesprochen. Warum das so ist und was wir dafür tun können um uns als Stand Up Paddler nicht noch unbeliebter zu machen und Feindseligkeiten zu schüren, ist Thema des Podcasts, den ihr auf der Seite der Online-Academy in voller Länge hören könnt. Hier findest du die freundlicherweise zur Verfügung gestellten wichtigsten Aussagen im schnellen Überblick.

Peter Rochel: Hallo Philipp, herzlich Willkommen!
Philipp: Hi.

Ist Wellenreiten das einzig Wahre?
Wer so vermessen ist und in Deutrschland sagt, Wellenreiten ist das einzig wahre, der hat mit der Realität wenig zu tun. Wellenreiten ist in Deutschland einfach kaum mögich. Nur an einigen Tagen auf Sylt und auf stehenden Wellen im Raum Bayern vor allen Dingen.

Das ist vielleicht oft auch Neid

Wir sind jetzt in den Sommerferien, viele brechen auf an Reviere an der Küste und wollen da Wellen erkunden. Wollen SUP-Surfing betreiben. Wo ist denn da ein mögliches Konfilktpotenzial? 
Die Stand-up-Paddler, die jetzt in Wellenreviere kommen – und in Deutschland vielleicht schon Vorerfahrung gesammelt haben – können auf ihrem Brett stehen, können damit drehen, können damit vielleicht auch schnell anpaddeln. Die beherrschen schon ganz vele Techniken – Bretttechniken – die man als Surfer nicht hat, wenn man anfängt. Ein Surfer, der im Meer anfängt, der fängt erst mal an, Paddeln zu lernen. Erstmal auf dem Brett zu liegen. Der muss sich viel intensiver mit der Welle auseinander setzen. Der SUPler kommt da hin, der kann das alles schon, der hat aber vielleicht noch nie im Leben was mit einer Welle zu tun gehabt. Der ist aber dem Surfer um einiges voraus. Der paddelt ganz schnell in den Line Up, paddelt schnell dahin, wo die Welle bricht. Dann kommt es zu dem Konfliktpotenzial, dass der Wellenreiter die Welle auch noch später kriegt und der SUPler die Vorfahrtsregeln vielleicht gar nicht kennt. So kommt es auch dazu, dass Surfer eine Art Hass auf SUPler entwickeln, weil die viel agiler sind und schneller an Positionen kommen, wo der Surfer gar nich hin kommen würde. Ich würde sagen, das ist gar kein Konflikt, das ist vielleicht auch oft Neid. Wenn die schönste und größte Welle an den SUPler geht. Oder wenn der SUPler im Weg liegt, werden sie ganz schnell aggressiv, weil der SUPler nicht weiß, wie man mit dem Brett durchtauchen kann. So ein großes SUP ist super schwierig im Handling. Und jemand, der auf dem fluss oder See schon viel Erfahrung gesammelt hat, der kann aber nicht zwangsläufig durch eine Welle gut durchtauchen. Dann springt der über die Welle, das Brett flischt nach hinten weg und knallt irgendeinem Surfer auf den Kopf.

Wie kann man sich da besser verhalten?
Da gilt es, mit dem Board ein sicheres Handling zu erlernen. Außerdem nicht zu große Boards. Auch beim Surfen würde man einem anfänger niemals ein Longboard geben. Obwohl der damit natürlich viele Wellen bekommt und es einfacher ist, aber das Handling von einem Longboard ist viel, viel schwieriger. Deshalb auch für SUPer: Nimm ein kleine, handhabbares Brett, ein Inflatable ist vielleicht auch nicht verkehr, weil es weniger Verletzungsgefahr darstellt. Mit einem Raceboard von 14 Fuß in der Welle – das ist jedenfalls eine schlechte Idee. Auch kurze Bretter können ja trotzdem genug Volumen haben.

Wie ist es mit Leashes? Ja oder Nein?
Auf jeden Fall, die Leash gehört dazu! Man sollte aber dennoch immer in der Lage sein von seinen Fähigkeiten auch ohne Board schwimmend immer wieder an Land zu kommen.

Wir verwenden oft die Coil Leashes. Was ist im Bereich Welle sinnvoll?
Die Leash sollte immer so lang sein wie das Board selber. So gefährdet es einen nicht, auch wenn es sich umdreht. In kleinen Wellen reicht eine dünnere Leash. aber als SUPer wird man keinen großen Unterschied merken und ich würde immer zur dicken Leash raten, weil die mehr aushält.

Was sollte ich als Einsteiger sonst beachten?
Auf jeden Fallb über die örtlichen Gegebenheiten informieren. Dann zuerst mal an einem Sandstrand anfangen. Ein schöner, breiter Beachbreak mit sandigem Untergrund. Das verrigngert die Verletzungsgefahr. Sehr sinvoll ist es, einen surfkurs zu machen. Das muss gar kein SUP-Kurs sein. Es geht ja nicht darum, Surfen zu lernen, sondern grundlegende Verhaltensweisen und Regeln zu lernen. Und auch ein paar Sicherheitsgeschichten.
Es gibt gefährliche Strömungen. Wie erkenne ich die, wie komme ich da raus, wie verhalte ich mich, wenn ich drin stecke. Das kann jeder Surflehrer erläutern. Dazu die Vorfahrtsregeln, an die man sich halten muss, egal ob Surfer, SUPler, Kanute oder Bodyboarder. eine Welle hat eine Brechungsrichtung. Und wer die potenziell längste Fahrt hat, hat Vorfahrt. Und wer steht hat eh immer Vorfahrt. Das ist übrigens die erste Problematik, da beißen sich die beiden Sportarten. Dazu kommen wir aber noch. 

Wo liegt denn da das Konfliktpotenzial?
Durch das größere Volumen in den SUPs steht der SUPer ja immer. Das kollidiert dann mit der Regel "Wer steht hat Recht". Dazu gibt es aber eigentlich eine einfache Lösung. Der Surfer steht ja erst, wenn er auf der Welle gleitet. Genau so ist das beim Stand-up-Paddler. Ab dem Zeitpunkt, wo er auf der Welle gleitet, muss er nicht mehr paddeln. Ich würde die Regel ändern im Sinne "Nicht wer steht hat Recht, sondern wer gleitet hat Recht." Bei Surfwetbewerben ist es beispielsweise so, dass die Welle erst gezählt wird, wenn die Füße auf dem Brett sind. Das ist beim SUPer ja immer der Fall.
Dann gibt es noch die Regel mit der potenziell längsten Fahrt. "Wer die potenziell längste Fahrt hat, dem gehört die Welle." Ein Stand-up-Paddler hat die potenziell längste Fahrt, denn er kann die Welle schon an einem Punkt anpaddle, weit bevor sie bricht. Der Surfer muss viel weiter Richting Strand sitzen, die Welle muss für einen Surfer viel steiler sein. Wenn jetzt an einem Spot vier, fünf stand-up-Paddler sind, die ihren Sport beherrschen, dann kann das so laufen, dass die Surfer nicht eine einzige Welle abbekommen, weil sie rein rechtlich alle den SUPern gehören.

Das Problem lässt sich lösen durch Respekt

Ein unfairer Vorteil?
Ja, aber wir leben in einer Zeit, in der man auch Motoren in seine Bretter einbauen könnte. Aber das Problem lässt sich lösen durch Respekt. Ein Stand-up-Paddler, der gut ist, muss vielleicht erkkennen "Okay, jede zweite Welle, die ich gerne surfen würde, lass ich durch und überlasse sie den Surfern. Oder ich lasse vielleicht sogar noch ein paar mehr durch." Dann hat jer im Wasser eine gleiche Chance, seine Welle zu bekommen. Wenn sich Stand-up-Paddler dieses Verhalten aneignen und nicht immer die beste und größte Welle nehmen, dann kann es nicht mehr zu Konflikten kommen.

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