Materialberatung: SUP Wildwasser

02.06.2017 Stephan Gölnitz - Alles für den Fluss: Gepäck-Check beim Wildwasser-profi: Nach 45 Jahren Kanusport weiß Klaus Cosmo Frieser ganz genau, was im Fluss unbedingt mit muss.

© Klotzi
Alles für den Fluss
Alles für den Fluss

Wildwasser-SUP ohne die passende Montur, das ist wie American Football spielen – als Einziger ohne Helm. "Wildwasser erreicht auch mal Fließgeschwindigkeiten von 10 km/h", weiß Klaus "Cosmo" Frieser, er ist seit 30 Jahren Kanulehrer, sowie Canyoning- & Raft-Guide. Und was da im Falle eine Sturzes über und auch unter Wasser lauert, ist oft schärfer als jede Bordsteinkante. Nach einer komplizierten Schienbeinverletzung mit OP, Krankenhausaufenthalt und allem drum und dran nimmt er lieber einen Protektor mehr als zu wenig. Bei der Frage nach der Leash allerdings zögert er kurz. "Da unterscheide ich. Bei verblockten Flüssen, mit vielen Steinen und Bäumen, lasse ich die Leash weg. Da kann man zu leicht hängen bleiben. Bei freiem Wasser mit viel Druck dagegen gehört die Leash dazu. Die Loisach ist je nach Wasserstand als WW 3+ bis 4 einzustufen und mit Steinen durchsetzt, die befahre ich ohne, auf der Imster aber mit Leash." Damit es im Falle eines "Hängers" nicht zu lebensgefährlichen Situationen kommt, muss die Leash jederzeit lösbar sein. Mit einer leichtgängigen Auslösung direkt am Körper. Das Fußgelenk oder Knie erreicht man im fließenden Wasser auf keinen Fall mit der Hand. In der abgebildeten Weste (unten) löst sich bei Zug an der kleinen Kugel das Gurtband und damit auch der Edelstahlring, in den die Leash hinten eingeschäkelt ist. Besonders wichtig sind ebenfalls kurze Finnen, denn plötzlicher Steinkontakt führt zu unvorhersehbaren Stürzen, die besonders gemein sind.

Jenseits aller Materialvorkehrungen liegt Klaus noch ein allgemeiner Sicherheitstipp am Herzen: "Bei fehlender Erfahrung sind künstliche Flussverbauungen grundsätzlich zu umtragen. Die Gefahren sind bei Wehren für Laien nicht zu erkennen, es lauert eine unsichtbare, tödliche Falle. Ein klares ‚No Go!‘" Sehr viele weitere Infos zur Sicherheit, Befahrbarkeit von Flüssen und Naturschutzbeschränkungen findest du unter www.4-paddlers.com Klaus hilft Einsteigern ebenfalls gerne weiter, Kontakt über Facebook (Klaus Cosmo Frieser).

© Klotzi
Wichtiger als jede Versicherungspolice: Auf dem Fluss muss die Leash jederzeit erreichbar und mit einem funktionierenden Quick Release (Schnellauslöser) ausgestattet sein. 
Wichtiger als jede Versicherungspolice: Auf dem Fluss muss die Leash jederzeit erreichbar und mit einem funktionierenden Quick Release (Schnellauslöser) ausgestattet sein. 
© Klotzi
Nur so lässt sich die Verbindung Paddler – Board im Notfall jederzeit mit einem Zug lösen. 
Nur so lässt sich die Verbindung Paddler – Board im Notfall jederzeit mit einem Zug lösen. 
© Klotzi
Bei guten Kajak-Prallwesten ist das System integriert.
Bei guten Kajak-Prallwesten ist das System integriert.

Mit Kinn- und Aufprallschutz

Board
Cosmo hat natürlich den selbst entwickelten "Cosmo Snapper" dabei. Wildwasserboards sind allgemein zwischen 9’2’’ und 10’2’’ lang und 33 bis 36 Inch breit. Mit üblicherweise drei möglichst kurzen Finnen, von denen die äußeren fexibel und aufgeklebt sind. Der Snapper hat mit 20 Zentimetern besonders viel Aufbiegung vorne ("Nose Rocker" oder "Scoop" genannt), damit das Board nicht ins Weißwasser einsticht.

Paddel
Pros bevorzugen einteilige Paddel mit gleichmäßigem und spürbarem Flex. Das Paddelblatt sollte möglichst robust sein, also nur Carbon-Blades oder aus GFK, die auf jeden Fall massiv laminiert sind, keine innen geschäumten Blätter. Das Paddel von Klaus hat keinen Winkel, "das ist für Steuerschläge besser".

Schuhe
Auf keinen Fall Surfschuhe aus Neopren, denn "im Fluss lauern immer Scherben oder Altmetall, Schrauben". Schuhe mit solider Sohle sind daher Grundausstattung. Alte Turnschuhe sind okay, gute Schuhe gibt es im Zubehör für Wildwasser-Kanu oder"Canyoning".

Wurfsack
Ist neben Karabinern das wichtigste Hilfsmittel, um Bergungen und Rettungen aller Art durchzuführen.

Prallschutzweste
Für leichteres Wildwasser, in schwerem Wildwassser PFD (personal flotation device) mit Bergegurt, da ist der Prallschutz inklusive (wie im Bild rechte Seite).

Schienbein-Protektor
Die kommen aus dem Mountainbike-Zubehör. Hartschalen sind fürs Wasser besser geeignet als Softschoner und Schienbein- und Knieschoner sollten als ein Teil zusammenhängen, "sonst sticht garantiert genau dazwischen der nächste Stein durch, ist mir schon passiert", warnt der Experte.

Trockenanzug
Trockenanzüge geben maximale Bewegungsfreiheit. Es besteht aber die Gefahr, dass der Anzug aufgeschlitzt wird "und dann sauf’ ich ab", befürchtet Klaus und trägt deshalb bei schwierigem Wildwasser und beim Unterrichten lieber einen Neo.

Fleece
Kuscheliges unter dem Trockenanzug für kalte Wassertempera-turen, denn dünne Trockenanzüge isolieren im Wasser nahezu gar nicht. Passende Fleece-Overalls findest du im Kanu- und Tauchzubehör.

Neopren
Die bessere Wahl für hartes Wildwasser, weil ungefährlich auch nach Beschädigung (kann nicht volllaufen), außerdem gut wärmend im Wasser und mit leichter Prallschutzfunktion.

Helm
Pflicht. Für hartes Wildwasser mit Vollschutz, ansonsten eine normale Halbschale. Alles im Kajak-Shop erhältlich.

Leash
"Im verblockten Wasser mit vielen Steinen und Bäumen fahre ich ohne Leash, bei freiem Wasser mit viel Wasserdruck aber mit Leash – relativ lang und keine Spiralleash." Klaus hat für alle Fälle ein Spezialmesser dabei.
 

Kommentare zu diesem Artikel
comments powered by Disqus

Artikel empfehlen |  Artikel drucken

Weiterführende Artikel

Faszination Wildwasser: Mit dem SUP auf dem Fluss: <p>
	Valentin: Angst im Wildwasser ist nicht gut, weil mit Angst kann man nicht so klar denken &hellip;</p>
Faszination Wildwasser: Mit dem SUP auf dem Fluss 02.06.2017 —

Valentin Illichmann Windsurfer, Professional Paddler, Riversurfer, Explorer. Wir sprachen mit dem 17-Jährigen aus Süddeutschland über seine ausgewachsene Leidenschaft für Wildwasser-SUP.

mehr »

Das könnte Sie auch interessieren

Materialberatung SUP Race
Materialberatung SUP Race 31.05.2017 —

Wenn schon Wettkampf, dann mit dem richtigen Board. Je nach Revier und Disziplin geht die Bandbreite vom gemäßigten 12’6’’er-Inflatable bis zur höllisch schmalen 14-Fuß-Carbonmaschine.

mehr »

Kaufberatung: SUP Wellenboards
Kaufberatung: SUP Wellenboards 26.05.2017 —

Mit welchem Board gelingt der erste Wellenritt? Wir erklären die Board-Typen und deren Einsatzbereich, damit ihr die richtige Wahl treffen könnt.

mehr »

SUP Reparatur-Tipps: Undichtigkeit am Abdeck-Tape: Mit dem selben Werkzeug wird der Kleber in die ge&ouml;ffnete Stelle eingebracht (4). Du versuchst im Idealfall, den Kleber m&ouml;glichst nahe an die eigentliche Nahtstelle zwischen der Seitenwand und der Deckfolie zu bringen.&nbsp;
SUP Reparatur-Tipps: Loch abdichten 07.04.2017 —

Diesmal zeigen wir, wie man ein kleines Loch am iSUP abdichten kann, damit die Freude am Board noch länger hält.

mehr »

SUP Wissen: Das Innenleben eines iSUP Boards: SUP Wissen: Das Innenleben eines iSUP Boards
SUP Wissen: Das Innenleben eines iSUP Boards 04.04.2017 —

Wir gehen mit dem virtuellen Endoskop in die Innereien eines typischen iSUP-Boards. Begleitet uns auf dieser Entdeckerreise.

mehr »

Beratung: SUP Bekleidung: Gerade in der kalten Jahreszeit ist die richtige SUP Bekleidung extrem wichtig.
Beratung: SUP Bekleidung 29.12.2016 —

Zieht euch warm an! Aber nicht zu sehr. Beim Stand-up-Paddeln läuft der Körper oft heiß, auch wenn das Wasser eiskalt ist. Ein Bekleidungs-Dilemma. Gelöst von SUP-Profi Peter Bartl.

mehr »

Schlagwörter

MaterialberatungSUPWildwasser

Diese Ausgabe SURF 1/2016 bestellen



Galerie SUP