Kaufberatung: SUP Wellenboards

26.05.2017 Dirk Herpel - Mit welchem Board gelingt der erste Wellenritt? Wir erklären die Board-Typen und deren Einsatzbereich, damit ihr die richtige Wahl treffen könnt.

© Alan van Gysen
JP-Rider Keahi de Aboitiz entspannt im "green room" – die VIP-Lounge für einige wenige auserwählte Wave-SUPer.
JP-Rider Keahi de Aboitiz entspannt im "green room" – die VIP-Lounge für einige wenige auserwählte Wave-SUPer.

Die Wellen, die an den Stränden unserer Meere brechen, haben oft einen weiten Weg zurückgelegt. Geboren aus Stürmen, irgendwo fernab der Küste, laden sie uns zu einem einzigartigen Tanz ein. Je nach Temperament sind sie schnell, kraftvoll, groß, klein, gemütlich, faltenfrei, oft aber auch tief zerknittert.  Das richtige Board  unter den Füßen zu haben ist keine Garantie auf perfekte Harmonie mit der wählerischen Partnerin, aber zumindest Mal ein guter Start in eine wunderbare Beziehung. 

Damit soll ich eine Welle bekommen? Lächerlich, ich bin ja schon froh, wenn ich ein paar Meter auf dem Rücken des wilden Gauls bleibe. Wir schreiben das Jahr 2008, und der Gaul unter meinen Füßen ist 12’6’’ Fuß lang und 26 1/3 Inch breit. Gängige Maße für die Welle zu jener Zeit. Denn am Anfang der modernen SUP-Zeitrechnung stand das Allroundboard. Es war 12’6’’ Fuß lang, weil das die maximale Länge der Surfboardblanks war, die man damals bekommen konnte. Es sah aus wie ein dickes Malibu Surfboard, weil Laird Hamilton und Co natürlich ihre Surfboardshaper an den Hobel ließen, um ihnen ein Brett zum SUPen zu shapen. Kein Wunder, dass ich mit dieser langen, schmalen Schüssel in den kurzen Nordseewellen meine liebe Mühe hatte. Kam ich damit mal hinten ins Gleiten, bremste es vorne schon wieder in der nächsten Welle. Als ich es dann ein Jahr später an der französischen Atlantikküste in langen, kraftvollen Wellen wasserte, lag es nicht nur an mehr Übung meinerseits, dass ich den wilden Gaul bändigen und sogar ganz harmonisch reiten konnte.

Für jede Welle das passende Board

Schaut man heute ins Internet, ist die Auswahl an wellentauglichen Boards riesig. Keine leichte Aufgabe, sich hier das Richtige raus zu picken. Noch dazu, wenn man daneben Bilder der Top-Profis sieht, die so winzige Boards unter den Füßen haben, dass sie ohne zu paddeln oder eine Welle unter dem Bug zu haben, gnadenlos absaufen würden. Je weniger Schaum im Board, umso radikaler werden die Turns, lautet die einfache Formel dahinter. Im Extremfall bleibt dann die Frage, warum man nicht gleich ohne Paddel surfen geht. Dafür gibt es einige Argumente: Stand-up-Paddling hat gegenüber dem Surfen einige Vorteile, die den Weg in die Welle erleichtern: Man muss nicht erst aus dem Liegen in eine stehende Position wechseln, man hat einen besseren Überblick über die Brecherzone und nicht zuletzt kommt man im Line-up schnell von A nach B. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass man, wenn man’s kann, oft deutlich mehr Wellen bekommt als ein Wellenreiter. Da man aber fast nie alleine im Line-up unterwegs ist, sollte man immer teilen können. Heißt, nicht jede Welle die man bekommen könnte, gehört einem auch. Wellenreiter sollte man immer ihren hart erarbeiteten Anteil am Kuchen überlassen. Sonst gibt es schnell und völlig zurecht Ärger. Ein zweiter Grund, warum SUPer häufig alles andere als gern gesehene Gäste im Line- up sind, besteht aus riesigen, wild um sich schlagenden Boards, die nicht nur den Piloten gefährden, sondern auch alle anderen im Wasser. Der größte Vorteil, dass wir mit unseren Paddeln schnell auch in große Wellen kommen, kann sich bei Waschgängen schnell in unkontrollierbare Situationen verwandeln. Deshalb sollte man sich im Zweifel immer erst mal am Rand des Line-ups positionieren oder noch besser, einfach mal ein paar Meter weiterpaddeln. Gerade an der Nordsee hat man so oft noch ein paar Wellen ganz für sich allein. Apropos allein, spart auf gar keinen Fall an einer guten Leash. Auch mit einem SUP muß man meist mehr als einem lieb ist unter Wellen durchtauchen. Da ist eine qualitativ hochwertige Leash gut angelegtes Geld, will man nicht plötzlich ganz ohne Board wieder auftauchen. 

© Herstellerfoto
Klitmøller oder Kanaren – die deutsche Wave-Meisterin Paulina Herpel surft alle Arten von Wellen – immer mit dem passenden Board.
Klitmøller oder Kanaren – die deutsche Wave-Meisterin Paulina Herpel surft alle Arten von Wellen – immer mit dem passenden Board.

Persönlichkeit ist gefragt 

Je mehr ich mit dem SUP-Board in der Welle unterwegs bin, umso mehr stelle ich fest, dass es das perfekte Brett für jede Welle sicher nicht gibt. Aber was es gibt, ist das Board, das bei bestimmten Bedingungen am besten zu einem passt. Viele Faktoren spielen hier eine Rolle, deshalb ist diese Übersicht nur als grober Anhaltspunkt zu verstehen. Ich bin dabei von einem durchschnittlichen Gewicht des Paddlers von 80 Kilo ausgegangen. Das Wichtigste ist natürlich erst mal, dass man relativ locker auf dem Board stehen kann. Volumenverteilung, Unterwasserschiff, Railform und Breite spielen hier zusammen. So sind konkave Unterwasserschiffe meist kippstabiler als V-förmige. Shapes mit breitem Bug und breiterem Heck helfen auch beim entspannten Stehen. Beim Volumen kann man in etwa folgenden Schlüssel anlegen: Pros – Körpergewicht plus 0-15 Liter Volumen. Könner – plus 15-30 Liter. Gelegenheitswaver – plus 30-100 Liter. Bei der Breite hat sich für Einsteiger und entspannte Waver 32 Inch durchgesetzt. Alles darüber hilft natürlich bei der Kippstabilität, aber man muss im Turn schon viel Kraft aufwenden, um das Board aufs Rail zu bekommen. 30 Inch sind eine gute Allroundbreite. Alles darunter ist abhängig vom Geschmack, Spot und Fahrkönnen. Mein Allrounder ist zum Beispiel 30 Inch breit und hat sehr dünne Rails. Funktioniert eigentlich immer, doch Sylter Kabbelwelle plus Chop hat mich dann doch schon häufiger unfreiwillig vom Board geholt. Solche Tage muss man dann halt sportlich sehen …

Der beste Tipp für jeden, der es ernst nimmt mit dem Trip in die Welle, ist sowieso, so viele unterschiedliche Boards wie möglich auszuprobieren, um für sich seinen perfekten Partner zu finden. So hat oftmals auch ein Finnenwechsel verblüffend viel Einfluss auf die Fahreigenschaften der Shapes. Viel Spaß und Vorsicht, einmal den Tanz gewagt, ist man schnell gefangen von der flüchtigen Schönheit des Augenblicks und kann es kaum erwarten, so schnell wie möglich wieder zum Tanz aufgefordert zu werden.

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